Giorno 3: Bella Siena 

Da wir im Urlaub sind, habe wir auch heute ausgeschlafen und sind nach einem kleinen Frühstück mittags gen Siena gefahren. Nachdem uns das Navi gefühlt zweimal um die Stadtmauer geschickt hat, haben wir uns dann für das Parkhaus (nicht Parkplatz) San Francesco entschlossen, leicht genervt von der Parkplatzsuche. Bei dem Parkhaus nimmt man am besten die linke Einfahrt, auch wenn angeblich nur noch wenige Parkplätze gibt. Das stimmt nämlich nach unserer Erfahrung nicht, denn das schön kühle und schattige Parkhaus ist nur halb voll gewesen, das Parkdeck obendrauf einfach überfüllt und in der prallen Sonne. Parkgebühren sind gleich: 2€ pro Stunde. Ja, etwas happig, dafür mit Rolltreppe in die Stadt. Vor 17 Jahren sind wir von dem Parkplatz noch zu Fuss rauf in die Stadt, schöne stramme 20 min bergauf. Da freut sich jeder Teenie unter der toskanischen Sonne.

Oben in Siena angekommen an der Piazza San Francesco haben uns gleich in die halbschattigen Gassen der 17 Stadtviertel verschlungen, gut wir waren nicht in allen 17, aber in so ein paar. Jedes Viertel hat sein eigenes Wappen (Drache, Einhorn, Welle, Muschel, Panther, Gans..) und eine Farben, so dass man leicht an den im Wind flatternden Fahnen und Strassenlampen erkennt, wo man sich befindet. Es gibt auch Gassen, die als Grenze zwischen zwei Vierteln gilt, dann ist die eine Seite rot-weiss und die andere grün-gelb. Aber egal, wo man sich befindet, in welchem Viertel, ob mitten auf den Einkaufstrassen oder in den engen, ruhigen Seitengassen, die Häuser sind überall in der Stadt hoch und aus dem 16. / 17. Jahrhundert, in warmen Erdtönen wie braun, terrakotta, gelblich und strahlen eine einladende Gemütlichkeit aus. Vor allem durch die bunten Farben der Stadtviertel bezaubert Siena mit seinem besonderen Charme, so dass wir jedenfalls gern durch die Strassen gelaufen sind, mit neugierigem Blick in die engen Gassen, die unseren Weg gekreuzt haben, oder zu den bunten Balkonen, die wie kleine leuchtende Oasen herausstachen, oder zu den farbenfrohen Flaggen, die über unseren Köpfen wehten. Die Hauptachsen mit Via Banchi die Sopra und Via Fontebrandra wimmeln nur so von Touristen und Touriläden, Souvenirs, Ristorantes, Cafés, Delikatessenläden, dass es fast nicht mehr feierlich ist. Die Piazza del Duomo und die Piazza del Campo, auf der zweimal im Jahr das berühmte und traditionelle Palio statt findet, sind ebenfalls gute Touristenmagneten. Ach ja, das Palio… Das ist ein Pferderennen der 17 Stadtviertel um die Piazza del Campo herum. Die Flaniermeile um den Rathausplatz wird mit aufgeschüttetem Sand zu einer Rennstrecke umfunktioniert, die Mitte des Platzes wird zum Zuschauerraum. Die 17 Viertel treten jeweils mit einem Pferd und einem Mann (und ohne Sattel) an und das Pferd, das nach drei Runden um den Platz als erstes im Ziel ist, dessen Stadtviertel gewinnt Ruhm und Ehre. Wichtig: Das Pferd muss mit dem Kopfschmuck ins Ziel kommen, ohne Reiter ist völlig ok. Seit dem Mittelalter gibts das Rennen schon und wird nach wie vor ausgiebig zelebriert. Verrückt.

Na leider waren wir zu spät zum Palio im Juli da. Machte uns aber nix. Wir sind kurz nach der Ankunft erst mal ins traditionellen Café Nannini (Danke, Blubbi, für den Tipp :*). Meine Fresse, war das lecker da. Vorne ist eine ganz normale Kaffeebar, aber rechts an der Seite gehts weiter in die gute Stube: Da kommt erst eine Vitrine mit lecker Teilchen und hinten sind fett italienische Backwaren. Wer denkt, dass Torta was mit Kuchen oder gar Torte zu tun hat, der hat leider Pech gehabt. Torta ist so was wie ein süsses, flaches Brot mit Umfang eines Wagenrads. Da sind dann noch Sultaninen und so Zeugs drin und kommt daher dem Panettone am ähnlichsten. Aber auch Cantuccini in allen Varianten gibts da. Sehr lecker. Wir haben uns zwei Teilchen bestellt und an der Bar genossen. Ach ja, der Kaffee war auch lecker, aber für mich war’s interessant, wie der Bestellvorgang funktioniert: Erst bezahlt man an der Kasse, dann geht man mit der Quittung zur Kaffeebar, drängelt sich in das Blickfeld des Barristos und wedelt dann mit der kleinen Quittung wie verrückt, um auf sich aufmerksam zu machen. Fragt der Barristo „Prego?“ (oder schaut nur ansatzweise in deine Richtung), dann schreit man ihm seine Kaffeebestellung entgegen. Ich hab gemerkt, Cappuccino dauert länger… „Un Café, per favore“ – geht am schnellsten. Die Barristos sind gut organisiert und fertigen die Bestellungen wie an einer Perlenschnur ab. Getrunken wird der Kaffee direkt an der Bar. Nur die Touris – wie ich – setzen sich mit dem Ding hin. Aber war super.

Nach der süssen Stärkung haben wir uns mit den Touristenströmen in der Mittagshitze durch die Strassen treiben lassen, waren kurz im Innenhof des burgartigen Palazzos (bitte den Blick nach oben zu den üppigen Verzierungen richten) und sind am Ende auf der Piazza del Duomo (Domplatte auf Italienisch) gelandet, wo sich die Touristen im Schatten ausruhten, unzählige Bilder von dem strahlend weiss-schwarz-gestreiften Dom machten oder Schlange standen, um Karten für den Dom und/oder die Museen zu ergattern. Die sind da ganz gut organisiert, nicht wie vor 17 Jahren, als man damals ganz normal wie in jede Dorfkirche in den Dom stiefeln konnte. Der Eintritt in den Dom kostet 4€ und beinhaltet auch die Bibliothek. Das Innere des Doms ist wirklich beeindruckend, die Fliesen mit unzähligen Motiven, die Fenster, die Kuppel mit üppigem Fresko, die Seitenschiffe. Wirklich interessant. Das Faszinierende für mich war aber die kleine Bibliothek mit den handgearbeiteten und handgemalten Büchern aus dem 15. Jahrhundert. Hier wurden nicht nur die Buchstaben handgemalt, sondern auch die Ränder reich, filigran und fantasievoll verziert, so dass  jedes Buch ein Meisterwerk ist. Ausserdem war hier auch die Decke und die Wandfresken sagenhaft. Dieser kleine Raum wird von aussen eher übersehen, aber die kleine Liberia ist unbedingt einen Blick wert.

Danach sind wir abseits der Touristenrouten durch die schattigen Gassen geschlendert, haben hier und da einen Blick in die kreuzenden Strassen geworfen, um am Ende am muschelförmigen Piazza del Campo einen Zwischenstopp einzulegen. Wir haben uns auf den Platz in den Schatten gesetzt und die letzten Leckereien aus dem Café Nannini genossen. Von hier aus kann man Leute beobachten und noch besser den Platz in seiner vollen Herrlichkeit geniessen, sowie auch das Rathaus mit seinem hohen Turm. Die Aussicht ist einfach prima. Ach ja, man darf sich auf den Platz nur setzen, denn sobald man liegt, steht ein Polizist neben dir und stupst dich an: Bitte hinsetzen, nicht liegen oder gar schlafen. Dat geht nun auch den entspannten Italienern zu weit.

Nachdem wir uns gestärkt hatten, ging es langsam durch die süssen, ruhigeren Gassen gen Piazza San Francesco. Auf dem Weg dorthin sind wir an einer schlichten Kirche vorbei gekommen, die auf einem kleinen Platz voller bunter Viertelsflaggen in ihrem doch etwas schmutzigen Weiss erstrahlte. Dafür, dass sie so einfach wirkte, so trägt sie doch einen imprägnanten Namen: Insigne Collegiata di Santa Maria in Provenzano. Jut, ne, jedem das seine. Aber innen war sie wirklich wunderschön, das ganze Gegenteil des imposanten und reich verzierten Doms. Ihre Schlichtheit hatte eine so schöne Grazie und Eleganz, dass ich für mich in der leeren Kirche andächtig wurde. Auch die Kirche von San Francesco, gleich neben einem Teil der Uni, hat eine solche Eleganz. Nur ist diese Kirche sehr viel grösser, dunkler, hat aber eindrucksvolle Fenster hinter dem Altar und den Seitenschiffen. Hier waren wenig Touristen unterwegs, trotzdem herrschte in der Kirche eine einschüchternde Stille. Nur von draussen drangen die Jubelschreie der Absolventen in die dunklen Gemäuer ein. Obwohl die Feierlichkeiten gleich neben der Kirche statt fanden, so klang es als seien sie weit weg. Kurz: Es lohnt sich auch in die wenig touristischen oder normalen Kirchen zu gehen, hier findet man nicht nur andächtige Stille, sondern auch wunderschöne Kunst.

Nach dem Besuch in Siena sind wir noch nach Monticiano, ca. 45 min im Süden der Stadt, gefahren. Die Strasse führte durch grüne Hügel und gelbe Felder, die im Gold der Spätnachmittagssonne im zwischen den grünen Hügeln und Bäumen leuchteten. Auf dem Weg in das kleine Städtchen haben wir noch eine Abstecher zur Klosterruine San Galgano gemacht, die in meinem Reiseführer als die best erhaltene Klosterruine der Toscana angepriesen wurde. Der Eintritt von 3,50 € lohnt sich, wenn man schöne Ruinenfotos in den Sonnenstrahlen am Spätnachmittag machen will, oder wenn das Licht sonst noch günstig steht. Dann gibt das alte Kirchenschiff ohne Dach allerlei Schokoladenseiten her, die man fotografieren kann. Auch in der Ruine, in deren Gemäuer mal Mönche gelebt und gearbeitet haben, herrschte eine majestätische Ruhe und ein wunderbarer Zauber, so dass die Besucher schwiegen und einfach die Eindrücke auf sich wirken liessen. Die einzigen Geräusche, die man regelmässig hörte, war der Flügelschlag von flatternden Tauben oder das Gurren der Vögel. Ja, ok, im Grossen und Ganzen war’s ein ziemlich grosses Taubennest. Aber ein schönes Taubennest.

Keine 10 Minuten Fahrt später waren wir am Dorfplatz von Monticiano angekommen und haben uns unter den neuigierigen Blicken der Alten, die am Dorfplatz wie immer ausharrten und sich über das Neuste austauschen in die „Stadt“ getraut. Hier gab es ein Pub, das hatte zu, wie die anderen wenigen Kneipen auch. In dem ursprünglichen Dorf mit seinen engen Gassen, Blumen vor den Türen, der Wäsche unter den Fenstern, hier war die Welt noch in Ordnung, da wurde am Abend die Kirche besucht, da spielten die Nachbarn mit den Kindern auf der Strasse. Die kühle Brise in den hügeligen Gassen mit den Treppen umschmeichelte die schläfrige Ruhe, die sich in dem Dorf in den Abendstunden ausbreitete. Wir waren auch so ziemlich die einzigen Touristen, denen man mit ungläubigen Augen hinterher blickte.

Erst später habe ich gemerkt, dass ich eigentlich nach Montilciano wollte, weil da der teuerste Wein der Toscana herkommt. Das lag auf der Landkarte gleich neben dem Kaff Monticiano, wurde halt nur mit einem l mehr geschrieben. Ja, doof, aber gut.

Zurück ging es durch goldorange Wein- und Olivenhügel der Toscana. Der Abend wurde auf der Terrasse verbracht, mit Schinken, Salami, Käse, Öl, Brot, Tomaten, Wein sowie der Hofkatze Mischa und Alfons-Timmi, dem Gecko, der voller Freunde über die hausfassade sprang und unter unseren Anfeuerungsrufen ein Insekt nach dem andren verschlung.

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