Giorno 7: Viel Meer Kultur

Zwei Tage Kulturflash am Stück waren selbst für mich erst mal genug und ich liess mich von meinem Freund leicht überzeugen, am heutigen Tag mal nichts zu machen. Oder anders: Heute standen keine Sehenswürdigkeiten auf dem Plan, sondern Strand und nochmals Lucca. Ja, nochmal in die kleine Stadt, in der wir an unserem ersten Tag in der Toscana waren. Warum? Weil Lukas ja in Florenz vor drei Tagen Tickets für das Lucca Summer Festival besorgt hatte – diese Passagierschein-A38-Aktion. Genau aus dem Grund war der Plan heute folgender: Strand und Konzert mit Macklemore und Ryan Lewis. 

In der Mittagssonne sind wir mit unseren Bade- und Konzertsachen gen Westen und Meer gefahren. Wir haben uns schlau gedacht, wir legen uns an den Strand von Pisa, chillen da und fahren dann abends den Katzensprung nach Lucca. Auf der Fahrt nach Marina di Pisa wurde ich zumindest etwas skeptisch, denn ich fragte mich, ob wir wirklich am Strand rauskommen. Die Strasse führte nur gerade aus gen Westen, rechts am Ufer des Arnos waren immer mal wieder kleine Bootswerften à la Kleingartenanlagen und links war Wiese mit ein paar Bäumen.

Die Ortseinfahrt von Marina di Pisa war jetzt auch eher so KleinerFischereihafen-mässig, also wenig spektakulär oder touristisch angehaucht, die breiten Strassen waren leer, die vergilbten, bunten Fensterläden an den sandgelben und pastellfarbenen Häusern waren geschlossen, die Autos schliefen am Strassenrand, die Sonne brannte… Ja, es hatte etwas von Geisterstadtfeeling. Ja, gut, es war Siesta-Time, aber so ausgestorben? An einem Samstag? Am Strand so nah an der Stadt?? Ich hatte etwas mehr Leben erwartet…*

… und einen Sandstrand. In Marina di Pisa gab es einen tollen, langen, fast menschenleeren Strand mit einem traumhaften Blick auf das dunkelblaue und kristallklare Meer – und zig Kieselsteinen. Jap, Sand war hier fehl am Platz.

Was auch gefehlt hat, waren unsere Strandliegen, die wir nie hatten, aber an dem Nachmittag säglich vermisst haben. Wir haben alle Decken aus dem Auto mitgenommen und unser Lager eingerichtet, inkl. IKEA-Schirm aka Sonnenschirm. Lukas war das immer noch nicht bequem genug und er holte sein Luftsofa aus dem Auto. Kennt ihr solche Luftsofas? Das ist ein am Boden vernähter Textilsack mit zwei Luftkammern aus wasserfestem und robustem Stoff, der an einer Seite offen ist. Durch diese Öffnung „fängt“ man Luft ein und schliesst es mit einer Art „Rollverschluss“ luftdicht ab. Am besten kriegt man Luft in den Sack, wenn es windet, dann braucht man das Teil nur kurz in die Luft halten und schwups zumachen, fertig. Blöd ist halt, wenn es nicht so sehr windet. Unterhaltsam wird es dann, wenn dein Freund dann mit dem grasgrünen Teil am Strand hin und her wedelt, um Luft einzusammeln. Weniger lustig wird es, wenn er es geschafft hat, das Teil als Luftsofa nutzen will, und zwar auf der Liegedecke, auf der man selbst liegt, und sich dann reinpumpen lässt, so die Luftsofa ausdehnt und einen selbst von der Decke schubst. *Narf*

Herausfordernd war auch der Ein- und Ausstieg ins Wasser. Die wenigen Strandbesucher um uns herum waren hauptsächlich Ortsansässige oder Campingtouristen, d.h. die hatten Liegen oder wussten, wie man ins Wasser geht (mit Crocs). Ja, ich nicht so. Ohne Schuhe war es unmöglich, schmerzfrei und grazil den leichten Hang herunter- oder raufzugehen. Im Wasser waren auch viele Kiesel, die den Ein- und Ausstieg sehr wackelig gemacht haben. Einmal geschafft, war das Wasser ein Traum, sehr angenehme Temperatur, erfrischend, glasklar und keine Wellen. Absolut super. Und den Strand von Marina di Pisa kann ich nur empfehlen, trotz der Kiesel. Super Ruhe, super Ausblick, super Wasserqualität.

Ausser Planschen, Rösten, Dösen und Lesen haben wir an dem Nachmittag nicht mehr viel gemacht. Es gab noch eine rasche Umzugsaktion am Auto, weil es dort keine Umkleidekabinen oder so gab. Am Abend sind wir dann mit der goldenen Sonne und dem Feierabendverkehr nach Lucca gefahren.

Geparkt haben wir an der gleichen Stelle wie beim ersten Besuch. Nur dieses Mal war es voller in der Stadt, viel belebter, mit dem typisch italienischen Trubel am Abend. Viele nutzten die letzte Stunde der Ladenöffnungszeiten und schlenderten mit Shoppingtüten durch die Gassen. Und ganz Italiener wurde auch spät gegessen. Die Tavernen und Restaurants waren voll, auf der Piazza am Duomo tummelten sich Leute, die sich entweder verabredet hatten, auf ein Bier oder Eis, es wurde gequatscht und gelacht. Die Teens waren in kleinen Gruppen unterwegs, um das Wochenende zu geniessen. Das konnte man an den Outfits erkennen, in denen man selbst vor 20 Jahren rumgerannt ist. Meine Fresse, ich werd alt. Nichtsdestotrotz: Die positive Abendstimmung in Lucca war echt ansteckend, es war Festivalstimmung in der Luft und wir haben uns von dem Trubel treiben zu lassen. Ok, wir waren auch auf der Suche nach einem Lokal fürs Abendessen. Aber fast alles war rappelvoll. Schliesslich haben wir in einer kleinen Cocktailbar namens Blend an der Piazza S. Gusto noch ein paar gute Sandwiches bekommen. Und dazu gab es Gratis-Leute in Ausgehkleidung angucken. Echt witzig. 

Und nach dem Abendessen ging es direkt zum Lucca Summer Festival auf der Piazza Napoleone. Schon vorm Konzert war die Stimmung ausgelassen, friedlich, entspannt. Halt Festival, aber halt in einer italienischen Kleinstadt. Die Fans warteten auf Macklemore und wurden immer ungeduldiger. Um uns herum alle Altersklassen und Nationen, Touristen, Einheimische, Italiener, Iren, Deutsche, Amis…. Alles querbeet. Als Macklemore und Ryan Lewis um kurz nach halb 10 endlich auf der Bühne standen, war die Masse ausser Rand und Band. Das Konzert rockte. Zwischendrin gab es noch ein paar politische Botschaften, die wohl im eigenen Land auf nicht so viel Jubel gestossen wären. Die Stimmung war echt super, es wurde mitgesungen, mitgegrölt, gejubelt, geklatscht, aber vor allem ausgelassen getanzt. Ehrlich gesagt, ich war anfangs echt skeptisch. Ja, gut Macklemore, kennt man aus’m Radio, hat gute Videos, aber mehr… mh. Joa, mal gucken.

Aber ich muss echt sagen, jup, dat hat sich gelohnt: Macklemore und Ryan Lewis legten eine echt super und sympathische Show ab, ich konnte echt nicht anders als mitzappeln und mitsingen, egal, ob ich die Lieder kannte oder nicht. Es war echt hammer. Nach gut eineinhalb Stunden mit Zugabe und viel Jubel war’s dann doch vorbei und die Menge löste sich recht rasch auf. Es war echt ein toller Abend mit einer neuen Erfahrung: Einfach deinen Freund mal machen lassen und geniessen. Es war echt ein lauer Sommerabend in Lucca mit perfekter musikalischer Unterhaltung. Danke. :*

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* Parken kann man an oder nahe der Promenade. Wir haben an der Piazza Gorgana sehr günstig geparkt: 6h für 2,50€, Tagessatz 4€. Aber Achtung: Die Politessen kontrollieren da sehr genau.

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