An der Westküste von O’ahu

Am nächsten Tag wurden wir von strahlendem blauen Himmel und Sonnenschein begrüsst. Da schmeckte der Morgenkaffee auf’m Balkon auch gleich nochmal besser. Nach der Stärkung ging es für mich allein mit dem SUV durch den Stadtverkehr der Grossstadt nach Westen an die Küste. Mein Freund und sein Bruder waren beim Junggesellenabenteuerabschied des Bräutigams. Also raus aus dem Parkhaus und rein in den wunderbaren Berufsverkehr.

Mein Handy und GoogleMaps haben geholfen, den Weg zu finden, also die Karte mehr als die Ansage. Ich hab mein Handy meistens auf Französisch eingestellt, damit ich etwas in der Sprache bleibe. Tja, wenn man aber seine Karte offline mit der französischen Spracheinstellung runterlädt und dann erst auf Deutsch umstellt, dann hat man eine nette Französin, die einem die Richtung halbwegs auf Deutsch mit einem sehr starken französischem Akzent erklärt: „Liiings abbiiiegeen, a-üf di Asch-eng Uwest.“ Das ging den ganzen Tag so. Es war megaunterhaltsam.

Sobald man an der Abzweigung nach Pearl Harbor vorbei ist, wird der Verkehr auf den Strassen ruhiger und die Berge der Westküste kommen näher. Sobald die Autobahn zum Highway 93 wird, hat man eine einfache Landstrasse, die zwischen Küste und am Fusse der grünen Bergkette entlang führt.

Der Westen ist sehr ursprünglich und nicht so schick wie die Touristenecken mit fancy Hotelhochburgen und fetten Häusern. Hier ist es bodenständig, kleine Holzhütten, die schon bessere Tage gesehen hatten oder auseinander zu fallen drohten, alles war kleiner und flacher gebaut, die Häuser, die Tankstellen, Supermärkte, die Strassen waren enger und weniger befestigt, dafür waren die Autos eher grösser, weil Landbevölkerung. Die fahren dann alle n Pickup.

Dafür war die Landschaft phänomenal, rechts der azurblaue Pazifik mit seinen weissen Schaumwellen und einem unendlichen Blick auf den weiten Horizont, die Sonne glitzert auf dem Wasser, links die saftig grünen Hänge, die in sanften Wellen bis ins Tal reichten. Gefühlt hatten die Berge teilweise was von einen Gugelhupf. Aber so majestätisch schön, vor allem, wenn die Wolken die Wipfel krönen und sich so langsam wie Nebelschleier nach unten ziehen. 

Die Strassen sind gesäumt von Palmen oder bunten Büsche, die die Grünanlagen und Beach Parks mit ihren Picknick-Bänken verschönern. Hier gibt es jede Menge davon. Egal, wo man anhält, von allen hat man wunderbaren Blick auf die See.

Während ich hier so lang fuhr, habe ich gesehen, dass es hier doch so was wie einen Winter gibt, denn das Gras war gelb und an einigen verzweigten Bäumen fehlte das Grün. Trotzdem war die Landschaft hier wunderschön.

Ich konnte die Gegend etwas länger bewundern, als ich an einer Baustelle warten musste. Eine Fahrbahn wurde neu geteert und daher war die Strasse einspurig. Zwei Bauarbeiter, einer am jeweiligen Ende der Baustelle regelten den Verkehr via Walkie-Talkie und mit einem Wendeschild „Stop“/„Slow“. Bis ich aber mit den 15 anderen Autos durchfahren konnte, dauerte es etwas. Man wartete, und wartete und wartete… nach 20 min kam der Gegenverkehr und dann waren wir dran, die ungeteerte Strasse auf dem nur unteren Belag entlang zu fahren. 

Nach der Baustelle kamen die Berge und das Meer näher, die Bäume rahmten die Strasse ein, alles wirkte wie in fantastischer Bilderrahmen, durch den ich mich bewegte, und hinter jeder Kurve gab es eine neue Postkartenperspektive, links der blaue Ozean mit den weissen Wellen. Beides einfach so traumhaft und unglaublich schön. Ich bin staunend um jede Kurve gefahren und hab mich gefreut wie ein kleines Mädchen.

Am Keawaula Beach am Kawa’a’Ele’Ele Point hat mich der feine, gelbe Sand und die türkis-azurblaues Wasser überzeugt, hier für ein paar Minuten anzuhalten. Jede Welle verschwamm von azurblau zu türkis und brach sich in hohen weissen Schaumfontänen an den flachen Steinen in der Bucht. Hinter mir thronten stolz die grünen Berge über dem Strand. Über den Hängen selbst schwebten kleine Wölkchen am strahlendblauen Himmel. Kurz: Das war einer der schönsten Strände, an denen ich je war, ein kleines Paradies. 

Ich hab mich da hingepackt und war kurz im Wasser – mit den Füssen. Scheisse, ist das kalt hier. Der Pazifik hier im Nordwesten kommt hier anscheinend ohne gross aufgewärmte Meeresströmung an. Oder vielleicht doch? Jedenfalls ist das Wasser sehr frisch, die Wellen hoch und man darf nur auf eigene Gefahr schwimmen gehen, denn die rote Flagge war oben. Aber das hat die einheimischen Jugendlichen weniger interessiert, die mit ihren Boogieboards ins Meer gerutscht sind. 

Keawaula Beach gab es fast nur Einheimische. Ok, für die Jugend hatte es hatte auch was von Sehen und Gesehen werden, was bei den ganz mega coolen Jungs darin ausartete, die Musik megalaut aufzudrehen und zu versuchen, mit dem Bass den Strand vibrieren zu lassen, so krass wie ging. Dann wurde den hübschen Mädels hinterher gepfiffen, aber die sich gar nichts darauf eingebildet haben. Und obwohl die Strasse gesäumt von Autos war, war der Strand nicht voll und das fand ich echt angenehm. 

Ich hätte den Wellen und der Aussicht noch ewig zuschauen können, aber ich wollte noch ein Stück weiter gen Norden, zum Ende der befestigten Strasse (Hwy 93), die kurz vor der Yokohama Bay endet. Hier habe ich auf einem unbefestigten Parkplatz, der nur erreichbar war, wenn man sich mit dem auto über die steile Teerkante der Strasse fallen liess. Dafür ist das Rauschen an den rauen, dunklen Lavaklippen hier so toll.

Die Wellen brechen sich und zaubern wunderschöne Aquarelle aus blau, hellgrün, türkis und weiss auf die Wasseroberfläche. Die grösseren Wellen treiben die Gischt nach oben oder verdecken einen Moment die dunklen Felsen, um dann in feinen weissen Streifen wieder ins Wasser zu gleiten. Zwischen den rauen Felsen, auf denen ich stand, hatte die letzte Flut in den Einkerbungen und Löchern Mini-Pools entstehen lassen, in denen kleine Krabben oder Fischchen lebten. Das war echt faszinierend. 

Wer noch weiter zur Yokohama Bay möchte, muss ab diesem Parkplatz dann laufen (und Wasser mitnehmen). Aber ich musste leider langsam zurück, weil ich abends noch zum Junggesellinnenabschied der Braut wollte. Also ging es leider wieder gen Süden, vorbei an den wunderschönen Stränden, Felsen und Berghängen, zurück in den Berufsverkehr, der mich kein bisschen störte, weil ich an dem Tag ein kleines Paradies entdeckt hatte.

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2 Gedanken zu “An der Westküste von O’ahu

  1. Wow, da bekommt ja richtiges Fernweh. Sehr eindrucksvolle Bilder und und eine schöne Reisebeschreibung. Ich bin schon gespannt, wie die weiteren Tage verlaufen.
    Peter

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