Costa Sud – Am Südzipfel Sardiniens

An unserem ersten Tag auf Sardinien sind wir langsam und gediegen gestartet, mit gemütlichem Frühstück und einen groben Plan für Tag machen. Morgens war es recht angenehm frisch, die Nachbarn hatten all ihre Fenster und Balkontüren geöffnet, damit die frische Luft in die Wohnung dringen konnte. Aber draussen gefrühstückt hat keiner. Weil der Tag ruhig bleiben sollte, war Strand geplant, mit dem Ziel, nicht weit zu fahren. Schnell war mein Mann (dank Google, Tipp von unserem Vermieter und unserem Reiseführer) fündig geworden: Es sollte der Spiaggia di Turreda werden, der nur ca. 30 min Fahrt im Südwesten von Pula lag. Die Strasse führte durch das hügelige Hinterland, auf der Küstenseite zu unserer Linken waren flache Büsche und beiges Grasland, auf der rechten Seite ragten die goldgelben, grünbuschig und der Strassenrand wurde gesäumt von Azaleenbüschen mit weissen und rosaroten Blüten oder dunkelgrünen Kieferhainen. Allein davon stellte sich das Urlaubsfeeling ein. 

Sobald die Strasse die flache Graslandschaft verlassen hatte, schlängelte sie sich durch die grau-gelben Felsen entlang, bis das tiefblaue Meer am Horizont erschien. Kurz hinter Chia fängt die malerische Route Costa Sud an. Die schmale Küstenstrasse führte direkt an den Klippen entlang und gab hinter jeder Kurve ein grösseres Bild auf das weite Blau der See frei gab. Sobald die Strasse sich wieder gen Küste neigte, reihten sich immer mehr Autos wie eine bunte Perlenschnur am Rand und die Badegäste gingen mit ihren Strandzeugs bergab gen Strand. Und wir so: Ja, die gehen wohl zu einer Nebenbucht.

Nun gut, ähm, nein, gingen sie nicht. Kaum waren wir an der Miniabbiegung zum Spiaggia di Turreda angekommen, ok, „angekommen“, wäre zuviel gesagt… nennen wir es „kurz davor“ (1 km), gab es einen Stau. Jap, mitten in der Pampa, an einer unscheinbaren Kurve, mittags um halb 1. Es gab einfach keine Parkplätze mehr. Diese laufenden Badegäste am Strassenrand hätten wohl unser erster Hinweis sein sollen. 

Und nu? Na jut, half alles nix. Wir fuhren weiter in der Hoffnung, bald einen weiteren Strand zu finden. Und nachdem wir den Stau auf der Gegenseite hinter uns gelassen hatten, erhob sich die Strasse wieder in die Felsen der Küstenstrasse und zeigte eine fantastische Aussicht auf die Kurven vor uns sowie die schroffe Felsenküste der Costa Sud, die gen Horizont immer blauer wurde, daneben das azurblaue Meer mit türkisen Flecken zwischen den Wellen.

Beim Weitercruisen durch die Klippen haben wir gemerkt, dass es hier und da kleine Buchten gab. Wir haben bei der nächstbesten gehalten, wo kein Parkgebührenschild und fieser Geldabzockerparkwächter stand. Wenn ich jetzt nochmal so auf die Karte gucke, könnte das Cala Crabutti gewesen sein (sie ist nicht so direkt ausgeschildert gewesen). Das Auto haben wir zwischen den anderen Mietwagen am Strassenrand geparkt und sind dann in eine kleine Sandbucht runterstiefelt. Es war einfach herrlich hier: kaum Leute, feiner Sand, zwischen grossen Steinen, plätschernde Wellen, und eine einzigartige Postkartenaussicht auf das türkisgefleckte Wasser, umrandet von hellgrauen Felsen mit einem Wachturm am südlichen Ende.

Als wir unseren Sonnenspot des Tages auserkoren hatten, haben wir unser Lager errichtet. Stühle und so waren ja easy, aber dieser …. Sonnenschirm ey. Das gab einen kleinen Kampf mit dem rosa Teilchen, nicht nur wegen der leichten, kühlen Brise, sondern das Teil einzubuddeln, und das Schiffchen mit der Schnur auf Spannung gescheit zu verankern, damit es beim nächsten Puster davon eiert. Joah gut, das hat ne Weile gedauert. Inklusive ruckartigen Armbewegungen, um den Schirm festzuhalten, oder zackigen Aufspringen, um das Ding wieder einzufangen. 

Als das Monster gebändigt war, sind wir erstmal ins Wasser geplatscht. Das war glasklar und wunderbar warm, fast Badewannentemperatur. Lukas fand es super. An so einem Traumörtchen braucht es nicht viel zum Entspannen. Wir haben gelesen, gedöst und gebadet, und Leute beobachtet, um dabei Nationalitäten zu raten. Ist voll witzig, vor allem, weil man Deutsche so was von leicht erkennt. 

So haben wir die traumhafte Idylle genossen, bis ein kleines Unwetter von der Ostküste her aufzog, mit schönen grossen, dunklen Wolken, ein bisschen Donner und eindrucksvollen Blitz. Als ich mich im Sonnenstuhl zu den Bergen hinter uns umdrehte, verdunkelte sich der Himmel da auch. Und ich dachte so, ach du… Unwetter und Meer, keine gute Kombi. Meine Panik stieg, erst recht, als es aufs Buch regnete. Aber mein Göttergatte, ne? Mein liebster Mann war: Die. Ruhe. Selbst. Er winkte ruhig ab, ohne von seinem Buch aufzuschauen: „Das zieht vorbei.“ 

Naja, es wurde dunkler und dunkler, die Wolken türmten sich höher und höher. Mein Kopf drehte sich wie ein Brummkreisel, um das Gewitter im Blick zu behalten. Am Wachturm, der am dunkelgrauen Himmel am Ende der Bucht (ein paar Kilometer vor uns) hellgelb leuchtete, schlug ein echt fotogener, schön verzweigter Blitz ein. Ja, und Lukas? Der ging seelenruhig nochmal ins Wasser ein paar Züge schwimmen. „Gumma, die anderen Leute sind auch noch drin“. JA, andere unwissende Touristen!! Also während ich mich schon panisch anzog und der Himmel zu unserer Linken war noch dunkelgrauer wurde, winkte mir mein Mann entspannt mit einem Lächeln aus dem Wasser zu. Über uns schien noch Sonne. 

Gut, ich muss zugeben: Die Sonne über uns liess den dunkelgrauen Himmel leuchten und zauberte so einen schönen Kontrast zum türkis-blauen Meer… Das Ende vom Unwetter-Spektakel… ja, ich geb es ungern zu… Lukas hatte irgendwie Recht: Das Wetter zog nicht vorbei, es löste sich nach und nach auf… *narf*

Als Lukas dann mal wieder trocken war, haben wir unsere Sachen gepackt und sind die Küstenstrasse weiter gen Westen entlang gedüst, schön mit dem wunderbaren Panorama über die zerklüfteten Hänge und vorgelagerten Inseln mit Blick runter bis zum glasklaren blauen Wasser mit helltürkisen Flecken. Man konnte an fast jeder Kurve anhalten und die Aussicht geniessen. Einfach traumhaft.

Irgendwann biegt die Küstenstrasse wieder ins Hinterland gen Norden ab und schlängelt sich durch buschige Hügel mit sandgelbem Gras. In dem Städtchen Teulada haben wir einen kurzen Stopp eingelegt, auch weil uns der Reiseführer sagte, dass es dort sehenswert sein soll. Nun ja, das „Städtchen“ war eher ein „Dörfchen“ und zur Siestazeit steppt da halt nicht gerade der Bär.

Wir sind wirklich gaaaanz gemütlich durch das stille Örtchen mit seinen einfachen gelb-rot-orange-rosa-hellgelben Häuschen geschlendert: Hier wirkte alles eher rustikal als touristisch. In Richtung Kirche waren den Gassen mit bunten Wimpelgirlanden geschmückt, die in der Sommerbrise leicht hin und her schwankten. Durch seine engen Gassen und den mit Bäumen umrandeten Marktplatz hatte Teulada etwas sehr Ursprüngliches.

Gut vielleicht lag es auch daran, dass das „Zentrum“ wirklich sehr überschaubar klein war und es keinen Gehweg gab. Nach einer sehr langsamen Runde durch das Zentrum waren wir auch schon wieder am Auto – keine 10 min später. 

Danach ging es für uns weiter durch die Hügel des Hinterlands der Hirten, mit viel Gebüsch, Felsen, wenig Bäumen, einem Fleckenteppich aus grün, braun und gelb, trotzdem malerisch schön, vor allem, wenn der Blick auf die blaue Küste dazu kam. Die viele Kurven wieder zurück gen Osten erinnerten uns an die Road to Hana auf Maui, die wir ganz normal und mit Voraussicht fuhren, während diese Einheimischen hier mal schön die Kurve schnippelten (frei nach dem Motto „gestern kam ja auch keiner“).

Da wir noch Zeit hatten, sind wir noch zum Strand nach Chia gefahren, das ist einer der Postkartenstrände, den man auf jeder Ansichtskarte von Sardinien finden kann. Als wir abends um 5 ankamen, war es recht leer (nicht zu früh freuen, den Tagessatz an Parkgebühren (von 4€) zahlt man trotzdem) und das Licht zauberte einen goldenen Schimmer auf den schmalen Strand.

Der Spiaggia di Chia Sa Colona (wie der Strand von Chia offiziell heisst) ist ein echt traumhafter, lang gezogener Sandstrand in einer Bucht mit feinem hellen Sand und flach abfallendem, türkisem Wasser unter hellblauem Horizont. Am Ostende der Bucht thronte auch hier ein alter Wachturm, der begehbar war und eine unvergleichlichen Aussicht auf den Strand und die Umgebung herab. Und das Ganze auch noch bei orangengoldenem Sonnenuntergangsschein.

Während Lukas den Ausblick vom Turm genossen hat, bin ich rein ins seichte, molligwarme Wasser. Es war so glasklar, so dass ich die kleinen süssen Fische sehen konnte, die sich um die Füsse versammelten. Die Fischis waren solange niedlich, bis sie mich gezwickt haben. Ja, genau, die Viecher haben mich umzingelt und dann angegriffen. Und das zwiebelt (zwickt) ganz schön.

Der Grund war wohl, dass ich mit meinen Quadratlatschen den Sand und damit das Futter für die Fische aufwirbelte. Als ich mal eine Minute oder so stehen blieb, wurde ich halt eiskalt von hinten an den Knöchel gebissen, damit ich mich wieder bewege. Hungrige Mistviecher. Soviel zu „Natur erleben“. Als ich Lukas davon erzählte, hat er mich ausgelacht, „ja die kleinen Fischis, ja nee is klar“, weil man natürlich die Bissspuren nicht mehr sah wie bei einem Piranha. 

Nach drei Stunden am Strand gammeln und die letzten Sonnenstrahlen geniessen, ging es dann unser erster Tag auf Sardinien langsam zu Ende. 

 

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