Nuraghe Su Nuraxi di Barumini

… oder Kultur mit Zungenbrecher. Nein, eigentlich ist das gar nicht so schwer auszusprechen. Aber erst mal der Reihe nach. Also. Am 7. Tag unserer Reise haben wir eine DER kulturellen Sehenswürdigkeiten Sardiniens besichtigt, die zum UNESCO Weltkulturerbe gehört – Su Nuraxi di Barumini. Ja, wartet, die Aussprache folgt unten. 

Unsere Fahrt führte durch die weiten Ebenen des mittleren Süden der Insel, die sich im Spätsommer goldgelb in der Sonne unter dem Schäfchenwolkenhimmel ausbreiteten. Umrandet wurden die Ebenen mit den sanften Hügeln von schroffen Felshügeln. Dieser Teil Sardiniens stand im krassen Kontrast zu den grünen Hügeln mit den engen Strassen im Westen. Die Örtchen, durch die uns die Strasse geleitete, waren sehr kleine Dörfer, rustikal, mit der Kirche im Ortskern und Häusern, die sich direkt am Strassenrand entlang reihten, ohne Fussweg oder so einen Schnickschnack. 

In dieser Ebene gab es zwei Erhöhungen, die von Weitem sichtbar waren: eine leuchtende, ockerfarbene Burgruine auf einem hohen Bergkegel und ein dunkler Steinhaufen, der aus der gelben Landschaft herausstach. Genau dieser Steinhaufen war unser Ziel – Su Naruxi bei dem Dörfchen idyllischen Barumini

Was ist jetzt dieses Su Nuraxi (auf italienisch Nuraghe, sprich „Su Nuragi“)? Wer noch nicht gegoogelt hat, dem möchte ich es kurz erklären. Es sind die Überreste einer Wehranlage von ca. 14. Jahrhundert vor Chr. (d.h. aus der späten Bronzezeit). Die Anlage hat mehrere spannende Fakten:

  • Eintritt €12 für Erwachsene und nur mit Führung (alle 30 min, in Englisch und Italienisch) zu besichtigen
  • entdeckt wurde Su Nuraxi erst 1951 von einem Bauern, der einen Erdhügel abzutragen begann und dann auf die Mauern stiess
  • die insgesamt in 3 Phasen entstand und immer wieder umgebaut wurde. Kern der Anlage ist der 20 m Hauptturm in der Mitte mit einem vorgelagerten Brunnenhof, umgeben von 4 Türmen in jeweils eine Himmelsrichtung und darum nochmals 7 Wehrtürme. Darum gab es ein Dorf bestehend aus runden Hütten, deren Fundament Stein war, bedeckt von einem hohen kegelförmigen Holzzweigdach (ähnlich unserem Reetdach, das wir aus Norddeutschland kennen). 
  • insgesamt wurde die Wehranlage mit mehreren Metern dicken Mauen aus Basalt gebaut, den es aber nur 4 km weiter entfernt gab. Man weiss nicht, wie der Basalt an diese Stelle kam, aber man vermutet, dass man ihn wie die Ägypter mit Holzrollen transportierte.
  • die Wehranlage wurde nicht bewohnt, sondern diente nur zur Verteidigung. Die Türme wurden nach oben hin schmaler und hatten 3 übereinander angeordneten kegelförmige Kammern mit schmalen Fenstern (wahrscheinlich für Bogenschützen) und separaten Zugängen, die teils nur mit Seil erreichbar waren. Ebenso vermutet man, dass einige Seitenkammern als Altare dienten.
  • heute steht von der einst mächtigen Anlage nur noch ein Teil des Hauptturmes und der 4 Türme gen Ost, West, Nord und Süd. Zudem kann man darum die Grundmauern des Dorfes erkennen. Eines der Dorfgebäude nahe des Wehrturms hatte eine Art Stufe am inneren Mauerrand, weswegen man vermutet, dass diese Hütte für Versammlungen genutzt wurde, egal ob politisch oder religiös, sicher scheint man sich zu sein, dass hier das Dorf zusammen kam. Wer sich anschauen mag, wie das wohl mal ausgesehen haben muss, kann auf diesen Google-Link hier klicken

Wichtig für den Besuch ist Folgendes: Bringt festes Schuhwerk mit und – an die Damen unter uns – zieht keinen Rock oder Kleid an. In keinem Reiseführer steht, dass die Anlage nicht behinderten gerecht ist oder dass man da klettern muss. Und wenn ich Klettern sage, dann mein ich das auch so. Es ist steil, eng und Basalt kann teils sehr glatt sein, weil er durch die vielen Besucher abgenutzt ist.

Während der Tour haben wir alles Wissenswerte über Su Nuraxi erfahren, das die Wissenschaft so weiss; der Führer beantwortete auch Fragen. Von aussen sieht die Anlage erst mal weniger spektakulär aus; das ändert sich aber, wenn man rein geht (Ein- und Ausgang sind der gleiche Weg, was witzig wird, wenn eine nachfolgende Gruppe entgegen kommt). Ist man einmal oben auf den Überresten des Hauptturms und blickt nach unten, sieht man das Ausmass der Siedlung mit den kreisförmigen Überreste des Dorfes sowie der vorgelagerten Türme. Der Blick in die Ferne der Ebene ist sagenhaft. 

Und dann geht es erst richtig los, mit der Kletterei. Wir sind in den Hauptturm reingeklettert bis zum Brunnenhof. Die „Stufen“ sind uneben und teil 50 cm hoch, der Gang ist keine 50 cm breit und teils niedrig. Der Weg in den Innenhof führt über sehr, sehr (!!) schmale Basalttreppen. Ich bin sie rückwärts runter, damit ich mich besser festhalten kann und nicht stosse. Einmal im Innenhof angekommen, ist man erst mal baff von den massiven Mauern. Hier erkennt man, dass sich die Anlage nach oben hin verjüngt. Im Hauptturm selbst standen wir in der ersten kegelförmigen Kammer und die liegt ca. 10 m hoch. Es ist einfach zappenduster da drin. Zudem sind die vorgelagerten Türme einzeln mit dem Brunnenhof verbunden, teils sind sie durch einen normalen Eingang erreichbar, teils durch schmale Gänge. Wie sich die Menschen damals darin zurecht fanden, ist mir echt ein Rätsel.  

Als wir wieder rausgeklettert sind, kam uns die nächste geführte Tour entgegen – mit einer Familie, die ihr Kind im Trekkingkindersitz hatte…fragt mich bitte nicht, wie weit sie damit gekommen sind.

Mich hat es wirklich fasziniert, weil diese Festung ein so altes Stück Geschichte ist, über das ich bis dato gar nichts wusste und man selbst bis heute nicht viel weiss. Keramikfunde sowie ein Stück Holz aus dem Hauptturm bestimmten die Zeit, in der die Anlage bewohnt war, aber was sich wirklich abspielte, ist nicht bekannt. Dennoch trägt Su Nuraxi einen wichtigen Bestandteil zur Geschichte und Kultur Sardiniens bei und ist auf jeden Fall einen Besuch wert. 

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