Halbinsel Sinis – Kultur mit Meer

Ok, nach 4 Tagen nur Strandabklapperei haben wir heute mal ein Kulturprogramm eingeschlagen –  ok, erst einmal Kultur und dann Strand, wir wollen es ja nicht mit zu viel Kultur übertreiben. Wir sind gen Westen auf die Halbinsel Sinis gefahren, also querbeet über die Insel.

Was uns dabei mal wieder im südländischen Strassenverkehr aufgefallen ist: die Linien, die wir Deutsch Fahrbahnmarkierung nennen, sind auch auf Sardinien nur Deko oder eine Art „Richtlinie“, aber keinesfalls zwingender Weise einzuhalten. Eine doppelt durchgezogene Linie auf einer geraden Strecke wurde genauso gut zum Überholen überfahren wie die gestrichelte Linie auf einer kurvigen Strasse. Ebenso wenig wurde sich an Geschwindigkeitsbegrenzungen gehalten. Diese Schilder sind wirklich nur farbige Dekoration des Strassenrandes. Selbst die Carabinieri hielten sich nicht dran, und überholten einen mit mindestens 10 Sachen mehr. Danach folgten diejenigen, die sich die Geschwindigkeit der Carabinieri als Vorbild nahmen… Nun ja, jedem wie er mag. 

Wir sind also einmal quer über die Insel durch die grosse weite Ebene der Mitte gerauscht, zu beiden Seiten ragten die Bergketten gen blauen Himmel und links und rechts sah man ab und zu kleine Örtchen mit gelb-rot-orange-farbenen Häuschen. Nach 1,5 Stunden Autobahn sind wir runtergefahren und die Landstrasse gen Halbinsel Sinis. Dort wurde die Landschaft ganz flach, überall war Wasser zu sehen. Rechts und links der Strasse gab sumpfige Wiesen mit hohem Schilf, und alles war wirklich flach flach flach – ganz anders als der südlichere West-Teil an der Costa Verde.

Wir sind der Strasse bis zum Ende gefolgt, bis zur Ortschaft San Giovani di Sinis. Geparkt haben wir auf dem 2. Parkplatz hinter der Kirche (es gibt nur eine). Für das Parken in Italien gilt: weisse Markierung kostenlos, blaue Markierung mit Parkgebühr, auf dem 2. Parkplatz war gar keine Markierung…

Die einzige Kirche namens Chiesa di San Giovani di Sinis stammt aus der byzantinischen Zeit aus dem 6. oder 7. Jahrhundert. Die Kirche wirkte sehr bescheiden und hielt ihre Siesta, wie auch das ganze Dörfchen drum herum. Es wirkte alles sehr klein und sehr, sehr verschlafen und klein. Nur Touristen waren in der Mittagshitze unterwegs. 

Unser Ziel auf der Halbinsel war Tharros, eine Ruinenstätte am südlichen Zipfel. Der Weg führte aus dem Dorf raus vorbei an 6 Strandrestaurants mit Blick auf den Strand und türkisblaues Wasser in Richtung altem Wachturm (davon gibt es auch nur einen hier). Auf der kleinen Erhöhung gab es ein Imbissartiges Restaurant mit Ticketshop, dem Eingang zu Tharros. Dort wurden Tickets mit verschiedene Kombinationen angeboten (nur Tharros EUR 6,50, nur Turm EUR 4,00, beides zusammen EUR 8,50 und noch weitere Angebote mit dem Archäologischen Museum in Cabras). Je nach Interesse und Zeit ist für jeden was dabei. 

Aber was ist Tharros jetzt genau? Das sind Ruinen einer über 3000 Jahre alten Stadt, wahrscheinlich aus dem 13.-12. Jh. v. Chr., gegründet von den Phöniziern mit super strategischer Lage für den Handel zu Wasser. Dann kamen um 6.-5. Jh. v. Chr. die Punier, die Tharros als Hafen- und Handelsstadt nutzten. Später wurde die Stadt von den Römern übernommen und überbaut (inkl. Strassen und Abwassersystem). Es war wohl eine der wichtigsten Städte Sardinien. Ein englischer Hobbyarchäologe hat die Überreste der Stadt dann Mitte des 19 Jh. gefunden.

Heute ist die einstige Blütestadt Tharros gelinde gesagt nur noch ein Steinhaufen mit zwei Säulen und jeder Menge Minidinosaurier (Eidechsen), aber man erkennt an den Grundrissen, wie eng hier alles bebaut war und kann sich vorstellen, wie hier einst Leben mit viel hektischem Tagesgeschäft einer Handelsstadt war. Es gab mehrere Thermen, einen Tempel und ein Baptisterium mit hexonalem Grundriss. Zudem erkennt man noch Überreste der Strassen. Faszierend ist nicht nur die Geschichte, die hier brach liegt, sondern auch der fantastische Ausblick auf das Meer, mit all seinen Blautönen, die im Kontrast zu den gelben Sandsteinruinen stehen. 

Wie gross die Anlage ist und Tharros einst wohl mal im Zentrum war, haben wir gesehen, als wir zu dem spanischen Wachturm, Torre spagnola di San Giovanni, hochgekraxelt sind, der über Tharros und dem Meer thront.

Alter Falter, war das schön hier. Diese Aussicht! Unter uns die Überreste der Antike und dahinter das türkisblaue Meer mit Blick auf die Silhouetten der Berge Sardiniens.

Auf der anderen Seite die felsige Küste mit den wilden Sandstränden in den Buchten, die durch die Sonnenschirme bunt gesprenkelt waren, aber dieses Wasser hat mich sehr fasziniert: so ein intensives Türkis und Blau, wie es da in der Sonne leuchtete und auf dem weisse Schaumkronen tanzten. Einfach herrlich, diese Farbintensität. Die 50 Shades of Blue wurden hier wahr.

Nach dem Kulturprogramm ging es noch an einen Strand mit einzigartigem Naturwunder. Am Strand von Is Arutas war es nicht nur rappelvoll, aber hier ist der Sand etwas Besonderen: er besteht aus mehrfarbigem Kies in Form von kleinen, runden Reiskörnern, also wie Risottoreis. Deswegen heisst er auch Reiskornstrand. So ein Rundkornsand fühlte sich auch anders unter den Füssen an, gröber, aber tut nicht weh, und das Laufen darin ist anstrengender, aber die Füsse werden gut durchmassiert.

Als ich den Sand durch meine Finger habe rieseln lassen und genauer anschaut habe, habe ich die vielen Farben erkannt: von Weiss bis Schwarz war alles dabei, Hellgelb, Rot, Ocker, Hellgrau. Von weitem wirkte der Sand gelblich, aber je näher wir kamen, wurde er weisser.

Wir haben uns durch das Meer bunter, wild wedelnder Schirme bis an die Wasserfront vorgekämpft und auch einen tollen Platz mit direktem Meerblick erhascht. Es war zwar echt windig hier, aber die Wellen waren nicht so hoch und wir konnten ins Wasser. Also ich.

Der Sand machte den Einstieg einfach, die Wellen brachten etwas Abwechslung und halfen beim Ausstieg, indem sie mich an den Strand getragen haben. Das Wasser war frisch, aber nicht zu kalt. Auch hier war ich wieder hin und weg von der türkisen Farbe, die vorn am Ufer war und zum Horizont hin rasch ins Blau überging. Mit dem hellen Sandstrand war das einfach ein toller Anblick, dazu Wind, Wellen, Rauschen, hach, mehr brauch ich nicht.

Am Horizont gen Norden hat man die bunten Schirme der Kite-Surfer hin- und herumtanzen sehen können, vor uns tobten die Kinder in den Wellen und ich stürzte mich zweimal in die glasklaren Fluten. Währenddes hat mein Mann hat gelesen, sich kurz den Wind um die Nase wedeln lassen und war nicht im Wasser, gut mit dem grossen Zeh. So kalt war es nun echt nicht. 

Nach gut 2 Stunden hatte der Westwind vom Meer her dann doch arg zugenommen, die bunten Schirme wurden eingepackt, die badewütigen Touris gingen mit einem Schlag, und die Einheimischen kamen. Und auch für uns war es langsam an der Zeit für die Rückreise. Mit einem letzten Blick auf die glitzernde See mit den türkisen Wellen, die sich am weissen Reiskornstrand brachen, haben wir uns von der Halbinsel Sinis verabschiedet und sind zurück nach Pula gefahren.

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