USA-Lektüre mal anders

EnglishIn sämtlichen Reiseführern findet man tolle Vorschläge für Bücher, die im Reiseland geschrieben wurden und / oder deren Handlung dort spielt. Gut, damit kann ich persönlich nicht viel anfangen. Ja genau, das sagt genau die, die eigentlich Literatur liebt. Nur wenn man die vorgeschlagenen Literatur überfliegt, spielt die Location eher eine untergeordnete Rolle. Wichtiger sind soziale Aspekte. Gut, das mag auch ganz hilfreich sein, aber Edith Wartons „Age of Innocence“ spielt in der New Yorker High Society um 1900 und John Steinbecks Werke handeln vom harten Arbeiterleben in Kalifornien in der ersten Hälfte den 20. Jahrhunderts. Diese Romane spiegeln zwar das Leben zu dieser Zeit, aber gibt’s diese gesellschaftlichen Schichten und Gegebenheiten auch heute noch?

Viel pragmatischer und wirklich unterhaltsamer finde ich Bill Brysons „Notes from a Big Country“ (1999). Gut, das Buch ist jetzt auch schon wieder 16 Jahre alt, für manche vielleicht out of date, aber es enthält für mich heute noch aufschlussreiche Dinge über diverse Lebensbedingungen in den Staaten.

Ihr müsst wissen, dass Bill Bryson Amerikaner ist. Und Journalist. Als Student hat er eine Backpacker-Tour durch Europa gemacht, um dann in England hängen zu bleiben, für 20 Jahre. Anfangs ist er wegen der Arbeit geblieben, bis er seine Frau kennengelernt hat. Dann ist er wohl wegen ihr geblieben. Naja, jedenfalls haben die Brysons beschlossen, 1995 wieder zurück in die Staaten zu gehen, endgültig. Und als Bill wieder zurück in seiner ursprünglichen Heimat war, fielen ihm gewisse Eigenheiten an ihr auf. Und darüber schrieb er von 1996 bis 1998 eine Kolumne für ein englisches Magazin. Er schrieb über den amerikanischen Alltag, Lebensbedingungen und -einstellungen, und das zu diversen Themen wie Schulbildung, Werbung, Freundlichkeit, Zimmerservice, Regeleinhaltungen, Einkaufen, Müll …

Es sind nicht nur die kurzen Artikel zu einem Thema, die sich rasch lesen lassen. Nein, was mich begeistert, ist, mit welchem Humor Bill Bryson darüber berichtet: ironisch und sarkastisch, trocken, mit einem vermeintlich nüchternen Blick eines Außenseiters (oder eines europäischen Ausländers), der das erste Mal in den Staaten ist. Oder kurz: Wie ein Engländer! Am besten lest ihr selbst mal bei der nächsten Gelegenheit in einer Buchhandlung nach oder in dieser Vorschaulesefunktion der Onlinebuchhändler. Wer Englischen Humor mag, wird Bill Bryson lieben!

Mit Bill Brysons Werk bekommt man eine ironischerweise realistische Vorstellung davon, was einem auf der anderen Seite des großen Teiches erwartet, wie die Amis ticken, was man evtl. im Umgang mit ihnen oder im Alltag beachten muss und was einen vielleicht dann nicht mehr ganz so überrascht. PLUS: Lachmuskeltraining.

Wie ich auf Bill Bryson gekommen bin? Beim Weihnachtsvorlesen in unserem Anglistik-/Amerikanistik-Institut an der Uni. Da haben zur Weihnachtszeit Dozenten immer Auszüge aus ihren Lieblingswerken vorgelesen.

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