Essen gehen in Amerika

Also eins muss man den Amis ja lassen: Was das Essen angeht, haben die echt alles, was man sich so wünschen kann. Eine riesige Vielfalt an kulinarischen Erlebnissen erwartet einen nicht nur in den Metropolen, sondern auch auf dem Land. Ja genau, auch die Pampa hat so einiges zu bieten. Nur ist hier vielleicht die Varietät manchmal etwas eingeschränkt. Wir haben in Three Rivers einen Abend lecker mexikanisch und den anderen Abend superlecker Pizza gegessen. Und das Schöne auf dem Land ist ja, dass man noch Leute dabei beobachten kann. Also das, was die Pariser in den Straßencafés machen, nur halt ohne Straßencafé und Paris, dafür mit idyllischer Landstraße, grünen Bäumen und Plastikstühlen und –Tischen an einem Parkplatz. Aber ich hab mich selten besser unterhalten gefühlt.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, wobei ist ja keine Schande, aber ich muss gestehen, dass wir nicht oft in Restaurants oder Sportsbars essen waren, weil wir uns eher den FastFood-Ergüssen hingegeben haben. Aber egal, wo ihr hinkommt, ihr findet eigentlich immer was, was eure Gaumenfreuden lockt. Denn der Melting Pot USA beherbergt sämtliche Cuisines der Welt: Europäisch mit französischer, italienischer, deutscher, griechischer und englischer Küche, Mexikanisch in allen Farben, Türkisch, Indisch, Afrikanisch, Asiatisch mit thailändischer, chinesischer, japanischer Küche. Und dann gibt es abgesehen davon noch die jute traditionelle amerikanische Küche, die man in vielen Fast-Food-Ketten bekommt. Yum.

Diner

Ich will hier jetzt keine Exzesse zu unserem abendlichen Speisen verfassen und mit zahlreichen Essensfotos kommentieren. Ich hab nämlich gar nicht so viele Essensfotos gemacht, weil ich eben gegessen hab und nicht das Essen kalt werden lassen wollte. Nee, wie der Titel schon sagt, mag ich hier kurz beschreiben, wie das mit dem Essen gehen in den Staaten so ist. Das gibt’s nämlich ein paar Sachen, auf die sich Gäste einstellen müssen.

„Please wait here to be seated“

Oder sich immer zum Tisch führen lassen. Ja, diese Manier gibt es auch in anderen europäischen, vielen anderen europäischen Ländern, aber halt nicht in Deutschland. Da sieht man einen freien Tisch, stürzt an der Kellnerin vorbei, die einen freundlich begrüßt, fläzt sich auf die Stühle. Um dann, sobald man die Speisekarte in der Hand hält, sich noch mal woanders hinzusetzen, weil man gemerkt hat, dass es gegenüber einen viel schöneren Tisch nicht neben dem Klo gibt. Ja, so sind Deutsche.

In Ami-Land geht man einfach zu der netten Dame an einem kleinen Empfangstisch am Eingang und sagt „A table for two, please.“ („Einen Tisch für Zwei, bitte.“). Die nette Dame (oder manchmal auch ein Herr) lächelt und fragt einen nochmal, mit vielen Leuten man da ist, auch wenn offensichtlich nur zwei Leute vor ihr stehen: „Two?“ Dann nickt man eifrig und lächelt und wird von dieser Dame, die sich zwei Speisekarten geschnappt hat, an einen Tisch für vier gesetzt und bekommt die Speisekarten in die Hand gedrückt.

Kostenloses Wasser

Kaum studiert man die Speisekarte, kommt schon der eifrige Kellner an, der sich vorstellt und erklärt, dass er für euch heute Abend zuständig ist und ihr ihn mit jeder Frage belästigen könnt. Und das kann man echt machen. In Monterey haben wir unseren Kellner zu den Sportevents im Fernsehen befragt und kamen so ins Quatschen. Gut, das gibt’s in Deutschland nicht immer. Fragt mal den Köbbes in einem Kölner Brauhaus nach nem Glas Wasser… Ihr sitzt schneller auf der Straße als euch lieb ist. Im Gegensatz dazu bekommt ihr in Amerika so gut wie immer einen 0,5 l Becher mit Eiswasser (aus’m Hahn), das nach Chlor schmeckt, aber nicht berechnet wird. Heißt, wer keinen Bock auf Getränke aus der Speisekarte hat, kann sich mit dem kleinen Gläschen Wasser begnügen und keiner ist einem böse.

Aso, die Amis lieben Eiswürfel. Die schmeißen die in jeden Softdrink. Nicht nur, um Flüssigkeit zu sparen, sondern auch damit das Getränk eiskalt bleibt. Sogar in den Hotels gibt es Eiswürfelmachinen, bei denen sich der Gast Eiswürfel aufs Zimmer mitnehmen kann.

Keine Preise für Getränke in der Karte

Wie gesagt, man studiert eifrig die Speisekarte und fragt sich, was wohl ne Cola kostet. Wenn ihr Glück habt, findet ihr die vorrätigen Getränke in der Karte aufgelistet, aber meistens steht da kein Preis dabei. Und noch öfter stehen gar keine Getränke auf der Karte und ihr bestellt einfach, was ihr haben wollt. Falls es das nicht gibt, sagt der Kellner das schon und bietet zahlreiche Alternativen an. Das Coole in Sportsbars ist, dass ihr manche Biersorten vorher probieren könnt. Dann bringt der Kellner ein Babyglas (0,1 l) mit dem Bier zum Probieren und wenn es einem schmeckt, kommt dann das entsprechende Mutterglas (0,5 l). Allerdings kann euch der Schlag treffen, wenn ihr die Rechnung kriegt. In Las Vegas haben wir in ner „schottischen“ Sportsbar für einen Cider und ein Bierchen jeweils $11 plus Tax bezahlt, das sind dann so $25 zusammen. Aber was macht man nicht alles, wenn man im Urlaub ist, ne?!

Ach noch was: Es gibt nur eine Glasgröße in den Restaurants und das sind 0,5 l. Oder ihr bestellt euch nen Pitcher (eine 3Liter Karaffe) und verteilt den auf die 0,5l-Gläser. Einzige Ausnahme: Wein. Den gibt’s in den handelsüblichen Weingläsern.

Free Refills

Oder kostenloses Nachschenken. Was es in Deutschland nur in den Fast-Food-Ketten gibt, ist in Amerika fast überall normal. Wer sich ein alkoholfreies Getränk zum Essen bestellt, bekommt mindestens einmal nachgeschenkt. Das variiert aber mit dem Lokal. Bei den Fast-Food-Ketten gibt’s n Dauer-Refill, da schenkt man sich nach soviel man möchte. Ich hab kaum jemanden gesehen, der sich seinen 1,75l Becher noch ein drittes Mal voll gemacht hat. Bei Denny’s, der 24-Stunden-Futter-Kette, gibt’s sogar einen neverending Refill von Filterkaffee. Yeah!

Diner

Essen bestellen

Muss ich in den USA auch ne Vorspeise und/oder Nachspeise bestellen wie in Frankreich? Nee, nix ist. Muss man gar nicht. Das Bestellen der Speisen ist wie bei uns in Deutschland. Eine zünftige Mahlzeit reicht. Wer will, kann sich noch ne Vorspeise und/ oder ne Nachspeise bestellen, aber die meisten Amis essen nur eine Mahlzeit.

Allerdings gibt es leicht missverständliche Bezeichnungen der Gänge. Während man sich unter „Appetizers“ noch gut Appetitanreger oder Vorspeise vorstellen kann, wirkt die Bezeichnung „Entrees“ irreführend. In Frankreich oder in deutschen Edelschuppen werden so die Vorspeisen bezeichnet. In den Staaten ganz normal der Hauptgang. Bäm. Dazu kann man sich manchmal noch die Beilagen aussuchen oder gegen Aufpreis dazu bestellen. Na und „Dessert“ versteht ja jeder.

Und sobald ihr euren Hauptgang seht, wisst ihr auch, warum ihr nur eine Mahlzeit braucht. Die Portionen in Ami-Land sind einfach riesig. Bestimmt das Doppelte von unseren deutschen Portionen. Das ist nichts für den kleinen Hunger zwischendurch, sondern für ein Festessen, auf das man den ganzen Tag hinarbeitet. Jap, die Amerikaner meinen es immer besonders gut mit ihren Gästen. Einmal waren wir allein schon von der Vorspeise (Süßkartoffelpommes) satt, die wir zu zweit gefuttert haben. Aber danach warteten noch ein Riesenteller Spaghetti mit Bratwurst (schmeckte echt besser als es klingt) und eine Riesenportion Fish’n’Chips auf uns. Wir sind dann einfach nach Hause gerollt, weil eine andere Fortbewegung nicht mehr möglich war.

The check, please!

Die Rechnung bitte! Die muss man fast gar nicht anfordern. Denn kaum hat man seinen letzten Bissen irgendwie aufgegessen, weil man von dem guten Essen ja nichts über lassen will, kommt der freundliche Kellner wieder aus dem Nichts angeschwirrt, fragt, ob ihr noch was wollt, und wenn ihr völlig erschöpft mit vollen Mund den Kopf schüttelt und ein „No, thanks“ rausbekommt, ohne dass die Essenreste raussprühen, kriegt ihr die Rechnung vorgesetzt mit den freundlichen Worten „No Rush!“ („Keine Eile!“). Super. In Deutschland lassen die Kellner einen wenigstens in Ruhe und man muss wirklich explizit nach der Rechnung fragen. Außer die haben gerade Schichtwechsel. Und selbst, wenn man die Rechnung bezahlt hat, ist noch lange nicht Schicht im Schacht, sondern man darf noch sitzen bleiben, quatschen und den letzten Rest Bier ausschlürfen. Das geht in den USA nicht ganz so entspannt.

Trinkgeld geben

Liegt einmal die Rechnung auf dem Tisch, beginnt das große Rechnen. Denn man muss zu dem Rechnungsbetrag noch mal um die 20 % als Trinkgeld drauf schlagen. (Ja, meine liebe Oma wird jetzt entsetzt den Kopfschütteln, aber wir sind halt keine eingefleischten Kaufmannsleute wie du.) Im Gegensatz zu uns Deutschen, bei denen das Kellnergehalt in den Preisen einberechnet ist, verdienen die amerikanischen Kellner mit ihrem Trinkgeld einen Teil ihres Lohnes. Daher sollte man nicht beim Trinkgeld geizen und eben nicht nur „Aufrunden“ wie es bei uns Deutschen der Fall ist. Denn wer beim Trinkgeld spart, sollte ganz sicher nicht mehr in diese Kneipe zurückkommen. Es könnte sein, dass der gleiche Kellner einen wieder bedient… und dass er sich an einen erinnert… und sich rächt, wenn er einem den Hamburger oder die Suppe bringt.

Eine Rechnung, einer zahlt

Ich glaube, die Tradition, Rechnungen getrennt zu bezahlen, gibt es nur in Deutschland und Österreich. Überall sonst auf der Welt schmeißt man den Betrag in einen Topf und einer bezahlt dann die Rechnung. Also getrennte Rechnungen gibt es nicht, es muss immer einer zahlen und die 20% Trinkgeld werden einfach auf den Rechnungsbetrag aufgeschlagen. Der Kellner merkt, wenn ihr bezahlt habt, und holt sich das Checkbüchlein wieder ab und fragt, ob ihr Wechselgeld kriegt, was man natürlich mit einem Lächeln verneint. Dann bedankt sich der Kellner herzlich und wünscht einen noch einen schönen Abend.

Entertainment Center

Dat war’s. Auch wenn das Essen gehen in den USA ein kleinwenig anders abläuft als bei uns, genießt es einfach. Vor allem die vielfältige Küche und die amerikanische Freundlichkeit, denn die Amis bemühen sich wirklich, dass euer Dinner ein schönes Erlebnis wird.

Noch was zu den Essenszeiten. In meinen Reiseführern stand was davon, dass Amis gegen 18 Uhr zu Abend essen würden. Naja, viel haben wir davon nicht mitgekriegt, weil wir um 18 Uhr meistens noch unterwegs waren. Und wenn wir essen gegangen sind, was meistens später war, war immer noch gut was los. Egal, ob auf dem Land oder in der Stadt. Daher: Guckt einfach, was offen hat und wo es euch gefällt. Die Preise sind immer ausgeschildert, bevor ihr das Lokal betretet.

Enjoy!

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