Giorno 6: …e San Gimignano

Nach unserem Besuch in Volterra hatten wir uns für den Nachmittag das Manhattan der Toscana auf den Plan geschrieben, eine DER Städte, die man als Tourist der Toscana gesehen haben muss – San Gimignano. Warum Manhattan? Ganz einfach – weil man die hohen Türme der Stadt auf dem Hügel schon von Weitem erkennt. Quasi wie der Dom, nur anders. 

Quelle: pixabay.com

Die Türme stammen noch aus dem Mittelalter oder der Neuzeit und waren Statussymbole – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Familien in San Gimignano, die was zu sagen hatten, demonstrierten ihre Macht und Stellung durch die sog. Geschlechtertürme: je höher, desto mächtiger. Gut, man kann sich denken, wer auf diese Idee gekommen ist. Die Frauen ganz sicher nicht. Einen solch sch…önen Vergleich gibt es ja heute auch noch: je länger, desto… naja. Genug der schlechten Witze. Heute gibt es ungefähr noch 15 dieser Türme, die grössten sind über 50 m hoch. Früher waren es wohl mehr (laut Wikipedia 72 – keine Ahnung, wie die in das Stadtbild gepasst haben), aber durch Entmachtungen einiger Familien wurden deren Türme zerstört, abgetragen und auf dem Turm des Siegers aufgebaut oder die Steine für den Häuserbau verwendet. Trotz allem ist die Skyline und das Stadtbild San Gimignanos vor allem durch diese wuchtigen Steintürme geprägt und verleiht der kleinen Stadt einfach einen einmaligen Charme. 

Ok, je näher wir dem Städtchen kamen, desto bewusster wurde uns, dass wir nicht die einzigen waren, die dorthin wollten. In einer kleinen Touri-Kolonne sind wir die Hügel raufgezogen und haben uns nach den ersten beiden vollen Parkplätzen für P3 entschieden. Bitte nicht wundern, der ist auf der anderen Seite der Stadt – ganz auf der anderen Seite. Man fährt einmal um die Stadtmauer rum und über mehrere Kreisverkehre und dahaann ist man irgendwann mal da und hat das Glück, dass einer gerade aus seiner Parklücke fährt. Die Preise sind auch ok: 4 Euro für 2 Stunden. Und das absolut Gute für Fussfaule ist, dass es auf dieser Seite der Stadt einen Aufzug gibt, der ist gleich neben den Treppen. Voll super. 

Auch super ist der seitliche Eingang über die Via S. Martino ins echt rustikal-romantische Zentrum von San Gimignano mit seinen gold-gelben und hohen Backsteinbauten aus dem Mittelalter. Und das Gute: Hier waren noch nicht so viele Touris und man konnte durch die ruhigen, leeren Gassen schlendern.

Doch fast alle Strassen der Stadt verlaufen in Richtung Zentrum zum Rathaus, daher war es unausweichlich, dass wir auf der Haupt-Touri-Strasse Via S. Matteo rauskamen. Und da es absehbar war, dass die Tourimassen eher zu- als abnahmen, haben wir erst mal einen Zwischenstopp an der nächstbesten Eisdiele gemacht. Und laut Lukas war das Gelato der Bar Piazetta eins der besten Eis, das er im ganzen Toscanaurlaub hatte. Und bei mindest. 1 Eis pro Tag, 7 Tage lang will das was heissen. Mit dem Pappeisbecher in der Hand sind wir dann gemütlich die kleine Shoppingmeile hochgeschlendert. Vor uns ragten schon die ersten Türme gen Sonne und schufen ein typisches Postkartenbild von San Gimignano. Es ging vorbei an Delikatesseläden (Wildschweinfleisch steht hier hoch im Kurs), Lederwaren (ja, auch vom Wildschwein), Töpferkunst und dem üblichen Touri-Kram, dazwischen kleine Tavernen, Eisdielen und Bars. rotz der vielen Touristen, dem Murmeln der Stadt und dem leichten Trubel, strahlte die Stadt eine Ruhe aus, eine Art alterweise Geduld gegenüber der vielen Besucher, so wie sie eine Nonna hat, wenn die Enkelkinder um sie herumtollen und die alte Dame sich denkt „Jaja, macht ihr mal…“ und sich dann mit ner Limo in den Gartenstuhl setzt, um dem Treiben zuzusehen und dann ein Nickerchen. Es wirkte irgendwie, als ob man hier so seinen kleinen italienischen Moment geniessen konnte. 

Genau das haben wir auch gemacht. Wir haben uns mit unserem halbgeschmolzenem Eis auf die Treppe am Rathaus unter die Türme San Gimignano gesetzt, am Piazza del Duomo und die Leute beobachtet. Interessant. Einfach selbst mal machen. Einblicke gibt es da, die man so nicht zu sehen bekommt, oder sehen will. Je nachdem. Cool fand ich, dass man durch ein offenes Fenster im ersten Stock des Rathauses eine Regenbogenflagge sehen konnte, die da an der Wand gelehnt war. Es überraschte mich positiv, in einer solch historischen, traditionellen (und vielleicht von mir erwartet konservativen) Umgebung eine solche Toleranz zu sehen. Fand ich super.

Nachdem wir unsere letzten Eisreste ausgeschlürft hatten, sind wir weiter zur Piazza della Cisterna, der Platz mit dem Brunnen in der Mitte und der wunderbaren Häuserkulisse aus den mittelalterlichen, mal mehr, mal weniger verzierten Bauten, aber mit einem tollen Blick auf die Türme. Panoramafotoalarm.

Hier an der Piazza, neben der Bankfiliale, soll es in der Gelateria Dondoli Weltmeistereis geben – die Schlange war lang, die Jungs ham auch kräftig Eis geschaufelt, aber wir waren satt. Wir sind dann weiter die Via S. Gioianni runter gelaufen, durch einer der Stadttürme und dann gleich links abgebogen zum Panoramaausblick. Einfach wunderschön, dieser Ausblick über die grünen Hügel der Toscana, der sich hinter den Dächern der Stadt erstreckt. Muss man gesehen haben.

Von da ging es wieder zurück zur Via S. Giovanni, in der sich die Läden vom anderen Ende der Stadt wiederholen. Nur ist es in diesem Teil wesentlich schattiger, weil die Gasse enger ist. Trotzdem lohnte sich unser Blick in all die Schaufenster, denn so haben wir die Galleria Gagliardi entdeckt, bzw. Lukas wollte da unbedingt rein, nur zum Gucken, nicht Kaufen. Die Galerie für, joa, sagen wir zeitgenössische Kunst hatte damals eine bunte Auswahl an verschiedenen Skulpturen, Plastiken und Gemälden. Im hinteren Teil waren echt schöne Werke dabei. Die Galerie ist in einem Rundgang angelegt und kostet nichts. Einfach mal Schnuppern gehen. 

Danach waren wir so ziemlich durch mit der Stadt. Mein Freund war einfach positiv überrascht, weil die Ausstrahlung von San Gimignano doch anders ist als von Volterra. San Gimignano hatte für mich eine Offenheit und etwas italienischen Kleinstadttrubel, was beides halt im verschlafenen Volterra fehlte. Nach dem Kulturrauschtag ging es wieder zurück auf unsere Terrasse zum Abendessen, bis die Ameisen mitessen wollten und der Haus- und Hof-Gecko einfach nicht hinterherkam mit fressen. War wohl überfordert….

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