Sanibel, Casey & Anna Maria Island – mit Naples und Fort Myers

Die Everglades waren Natur pur, viele Tiere, viel Grün. Deswegen hab ich mich umso mehr auf das Wiedersehen mit dem Meer und den Inseln mit ihren Sonnenuntergängen gefreut. Unser Tagesendziel nach den Everglades war Sanibel Island – auf die Hinweise mehrerer Freunde hin haben wir da auf der Insel ein gemütliches Zimmer im Anchor Inn & Cottages gebucht.

US-41

Der Weg dahin war erstmal ein ganzes Stückchen gerade aus fahren, immer der US-41 nach, evtl. kam mal ne Kurve. Mehr Aufregung gab es die nächste Stunde nicht. Zum Zwischenstopp haben wir in Naples angehalten, und das Städtchen hier ist ein ganz anderes Pflaster: Alles ist sehr schick, gepflegt, hat einen Hauch von Beverly Hills.

Jap, Naples ist ein Millionärsstädtchen und das merkt man, vor allem an den Villen mit ihren hübsch drapierten Vorgärten und ihren glatt Rasenflächen, den Restaurants, die feine Stofftischdecken auf die Terrassentische legen. Beim Rumcruisen durch die breiten Strassen haben wir nicht schlecht gestaunt. Die Hunde werden von ihren etwas älteren Herrchen Gassi geführt und legen auch einen Touch von High Society an den Tag. Wir haben in der Nähe vom Pier geparkt und sind dann an den Strand gelaufen. Der ist ein absoluter Traum: Schneeweiss leicht bunt gepunktet von den Badegästen und ihren Lagern, mit türkis-blauem, rauschenden Ozean und weissen, schäumenden Wellen.

Natürlich gab es hier auch Pelikane und Möwen, denen der Trubel am Strand und Meer nichts ausgemacht hat. Vom kleinen Holz-Pier aus hat man einen fantastischen Blick auf die Küste. Leider ist der Pier nach der Hälfte abgesperrt, die erste Hälfte gehört den Menschen, bis zum Imbiss, danach ist er in der Hand von Pelikanen, die den Pier als Flughafen für ihre Jagdausflüge nutzen und dort Reih und Glied wie Hühner auf der Stange hocken.

Nach dem kurzen Ausflug mit Patschefüssen im warmen Meer sind wir wieder zurück zum Auto gebummelt. Dabei habe ich hier und da Fotos gemacht und im Nachhinein festgestellt, dass ich das ältestes Haus von Naples mitfotografiert hab. Ha, witzig. 

Dann ging es eine unspektakuläre Strecke bis nach Sanibel Island. Die Landschaft wechselte zwischen pompösen Golf Resorts, Resorts und Einkaufszentren mit Supermärkten und Fast-Food-Restaurants. Und das wiederholt sich nach jeder Ampelkreuzung. Ja, nach jeder. Kein Scheiss..

Die Strasse nach Sanibel Island führt über eine schicke Bogenbrücke ($6 Maut), von der man die kleine Insel mit ihren Palmen, Booten und Häuschen vor sich liegen sieht. Einmal anderen Ende angekommen, fiel mir auf, wie grün es hier ist, sehr viele Bäume und Hibiskus- oder andere bunt blühende Büsche.

Sanibel Island

Links und rechts der Strasse sind Wege, die auch von gechillten Fahrradfahrern genutzt wurden. Die Holzhäuschen in Beige, Grau, Grün, Gelb, Rosa, Blaugrau reihen sich in einem grösserem Abstand zum Nachbarn an der Hauptstrasse oder in den kleinen Seitenstrassen. Insgesamt strahlt die Insel eine ruhige, verschlafene Idylle aus. 

Wir sind gerade noch rechtzeitig angekommen, um den Sonnenuntergang zu erleben. Dafür sind wir zum Bowman’s Beach gefahren und haben da fürs Parken $5 pro Stunde! bezahlt. Aber unter uns: Das lohnt sich echt so was von. Denn Bowman’s Beach ist ein breiter Sandstrand mit etwas Dünengras und viel viel viel Meer für alle. Der hübsch angelegte Weg dorthin führt über einen Fluss, in dem wir nochmals Alligatoren gesehen haben, die im rosa Schimmer der Abenddämmerung entweder Schwimmübungen machten oder gejagt haben.

Bowman’s Beach ist wirklich ein Traum für Pelikane, Strandläufer, Sonnenuntergangsanbeter, Warmduscher und Muschelsucher. Und der Sonnenuntergang war wieder ein Gedicht, mit leichten Schleierwolken am Himmel, die die Sonne in ein orangegelbrosa Licht tauchte.Die Strandläufer haben wieder Wellenjagen gespielt oder im Watt was zu Futtern gesucht, ohne gross nass zu werden und wir haben die untergehende Sonne beobachtet. 

Aber sobald die Sonne weg ist, dauert es nicht lange, bis sich die dunkelblaue Nacht über den rosaroten Schimmer legt. Keine 15 min später haben wir im Dunkeln vor unserem abendlichen Restaurant geparkt: The Timbers, in dem es laut unserem Reiseführer, gutes Sea Food geben sollte. Durch Zufall hat uns deutschsprechende Managerin empfangen, die sich freute, mal wieder deutsch reden zu können. Sie hat der Liebe wegen lange in Essen gelebt. Und der Reiseführer hatte Recht: Das Essen in der urgemütlichen Sportsbar (mit interessanter Kfz-Schildersammlung) war echt lecker, aber arschkalt klimatisiert. Wenn man dann wieder raus geht, läuft man erst mal wie gegen eine Wärmewand. So konnten wir gut genährt uns in unser King-Size-Bett „fallen“ lassen. Naja, da war nicht viel mit „fallen“, denn man musste hochklettern.

Am nächsten Morgen ging es nach einen gesunden Frühstück im Bio-Laden Sanibel Fresh direkt an den Strand am rostbraunen Leuchtturm. Auch hier kostet das Parken $5 die Stunde. Und auch hier ist der Strand schneeweiss, das Meer türkisblau und das glasklare Wasser glitzert in der Sonne.

Sanibel Island
Sanibel Island
Sanibel Island

Ach ja, und es gibt Muscheln, Muscheln und Muscheln, die viele Muschelsucher anziehen. Die Profis erkennt man an ihren kleinen Netzen und Eimerchen, die Mega-Profis mit umgekehrter Schaufel, die man dann hinter sich herziehen kann. Ich war trostloser Anfänger und habe einfach mit der Hand gesammelt. Zum Baden war das Wasser wieder ein Traum in Badewannentemperatur und insgesamt haben wir da gut 1,5 Stunden gechillt, mit Schwimmen, Muschelsuche, Fotos machen und Rösten.

Aber wir wollten ja dann weiter. Nächster Stop war Fort Myers und mit einem Spontanbesuch im Edison Ford Winter Estate, den Wintersitzen von Erfinder Thomas Edison und seinem guten Kumpel, Auto-Ikone Henry Ford. Zum Besichtigen hat da mehrere Optionen: Nur Museum und Labor für $15, Museum, Labor, Wohnsitze mit Audioguide für $25 oder statt Audioguide nen richtigen Guide für $30. Wir haben Option Nr. 2 genommen, das mit dem Audioguide (auch in Deutsch), und ich war einfach nur begeistert. Die Wohnsitze mit grossem Garten, Pool (Edison hatte den ersten privaten Pool Floridas um 1910 rum) und einen Mitternachtsgarten sind ein Aussenmuseum und mit dem Audioguide wird man wunderbar über das grosse Gelände geführt.

Edison und seine zweite Frau Mina waren passionierte Botaniker und deswegen wachsen auf dem Grundstück heute noch mehrere hundert verschiedene Pflanzen, darunter auch Früchte tragende Mangobäume oder verschiedene Gummibäume, weil Edison mit seinen Freunden Ford und Firestone mit natürlichem Gummi experimentierte. Die Wohnhäuser mit einer Rundumveranda, liebevoll authentischer Einrichtung und einem sagenhaften Blick auf den Fluss durch die  Palmen und exotischen Pflanzen sind ein einziger Traum, die Infos von Audio Guide und Infotafeln ausreichend und erzählen sehr viel aus dem Leben von Edison.


Vorne links: Mango-Baum, Hinten mittig: Gummibaum

Im Gegensatz dazu erschlägt das Museum einen fast mit Infos: Was für mich spannend war, dass Edison schon 1893 am Bild-Ton-Film gearbeitet hatte und wohl auch erfolgreich. Auch spannend war, dass Henry Ford wohl eine Präsidentenwahl verloren hatte… Und das Labor ist ein einziges Chaos, wohl sortiert, aber Hinweisschilder für Wege wären jedem Assistenten Edisons sicher hilfreich gewesen. Der Mann hat übrigens 12-15 Stunden am Tag gearbeitet. Ein kleiner Workaholic also. 

Edisons Labor

Insgesamt haben wir ca. 3 Stunden auf dem Museumsgelände verbracht und waren selbst etwas erstaunt, dass die Zeit so schnell rum ging. Wir wollten heute noch zu unserem Tagesendziel Anna Maria Island, wo wir in eine kleinen Beach Resort gebucht hatten. Die Weiterfahrt führte durch Floridas abwechslungsreiche Highway-Landschaft: Einkaufscenter, Kreuzung, Einkaufscenter, Kreuzung… bis ich gesagt hab, dass der Lukas hier abbiegen muss.

Zur Abwechslung mal ne Kuhherde

Ja, wir sind auf einer Insel gelandet, aber auf der Falschen: Casey Island liegt südlich von Anna Maria Island, auf der Höhe von Venice. Die kleine Insel ist ein schmales, verstecktes Paradies, denn hier steht ein fettes Haus in einem Grün aus Palmen, Büschen, Bäumen, Gärten mit dem Blick auf den türkisen Golf von Mexiko, der hier besonders prächtig in der Sonne zu glitzern schien.

Jedes Haus hatte einen privaten Strandzugang, der die Dünen hinunter führte, den Strand selbst konnte man von der Strasse nicht sehen. Nach jeder Kurve oder Busch stand eine prächtigere Villa und dann der Blick auf den Ozean und hach, so schön war’s hier, diese eine gemütliche Tropen-Idylle. Lukas ist mit dem Auto über die Insel geschlichen, um alles genau zu sehen. Er war froh, dass wir uns verfahren hatten.

Auf Anna Maria Island sind wir schliesslich auch noch angekommen, pünktlich zum Sonnenuntergang. Hier war es am Strand unseres kleines Silver Surf Beach Resorts frischer und zugiger als bisher, der Sonnenuntergang wie bisher gewohnt in den tollsten Rosarotorangegelb-Tönen mit blauem Himmel und warmen Wasser, das die Füsse mit rauschenden Wellen umspielte. Nicht allein, aber egal. Auch wenn es hier etwas zog wie Hechtsuppe, konnte ich und kann ich mich nicht an diesen Untergängen satt sehen, jeder ist anders, jeder ist auf seine Weise schön. Und dann rauscht das Meer noch so gemütlich vertraut. Cool cool cool.

Anna Maria Island

Zum Abendessen ging es zu Fuss zum Beach House. Ja wir haben es gewagt, die 10 min zum Restaurant zu laufen. Mein Freund hatte einen hammerleckeren Red Knapper mit dem besten Coleslaw (Krautsalat mit Koriander und Mango) ever und ich einen sauleckeren Burger. Wir haben auf der Terrasse gegessen, da war es wärmer als drinnen, wir haben das Meer nur rauschen hören, dafür funkelten über uns die Sterne…

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