Giorno 8: Mittags in Arezzo, abends in der Pampa

Den letzten Tag unserer Toscana-Tour haben wir ruhig angehen lassen – ganz ruhig. Erst am Nachmittag sind wir in den Osten der Toscana gefahren – nach Arezzo. Nach einer Ehrenrunde durch das Zentrum voller Einbahnstrassen haben wir für dumme in der Via Giuseppe Garibaldi (nahe dem Arezzo Parcheggio) geparkt und sind dann in der prallen Sonne durch die leeren Strassen der Altstadt gelaufen. Es war Sonntag, es war Nachmittag, es war heiss. Keine Sau war unterwegs, ausser den Touristen natürlich.

Das beschauliche Zentrum des mittelalterlichen Arezzos ist nicht gross, die Orientierung einfach: Die Strassen führen rauf zum Dom und seinem Domplatz, jeweils an einem Ende des Stadtkerns gibt es einen grösseren Platz mit Kirche, Cafés und Restaurants – die Piazza San Francesco an der Via Cavour und die Piazza Grande, aber zu der letzteren komm ich noch. Die „grösseren“ Strassen sind mit kleinen schattigen Gassen verbunden und laden zur Entdeckertour ein. 

Wirklich mir wirklich gefallen hat, waren die schönen, eleganten Patrizierhäuser, die an die Bauten in Venedig erinnerten, mit ihren zahlreichen und grazilen Verzierungen. Ähnlich San Gimignano hat die Stadt viele hohe Türme, und haufenweise Kirchen. So nach einer Woche Italien glaube ich, dass so jede grössere Stadt in der Toscana, die was auf sich hält, einen Palazzo (das teils auch als  Rathaus genutzt wird), einen Dom und zig Kirchen hat. 

Bevor wir uns durch die Gassen haben treiben lassen, sind wir erst mal schön zum Dom und Palazzo hochgestiegen. Ganz im Ernst: Wenn es sich vermeiden lässt, dann besucht Arezzo nicht am Mittag. Auch ne andere italienische Stadt nicht wirklich, ausser sie hat n Meer vor der Tür. Oben am Dom angekommen, wehte eine kühle Prise und man konnte einen ersten Blick von oben auf den gelb, ockerfarbenen und braunen Häuser der Stadt werfen, die in der Mittagssonne schlief.

Neben dem Dom gibt einen etwas rustikalen Park, mit alter Stadtmauer und einem wunderschönen Auslick in die östliche Toscana. Nach einer Runde durch den schattigen Park ging es wieder in die verschlafenen Gassen der Altstadt runter, und gleich rein in die mit Touristen gefüllte Ecke: In der Via Vasari reihen sich die Ristorantes und Tavernen in dem scheinbar endlosen Laubengang einer alten Sekundarschule (wie ich später auf Google Maps las). Hier hallte Gemurmel und das Klirren des Geschirrs und erfüllte das sonst so ruhige Städtchen mit Leben. Der Laubengang mit seinen kleinen Lokalen führt zur Piazza Grande und die ist echt beeindruckend. An den majestätischen gelb-braunen Bauten um den Platz hingen zahlreiche Wappen  toskanischer Städte.

Rund um den Platz gab es natürlich noch weitere Lokale und Cafés und Trödelläden. Jap, davon gab es in Arezzo jede Menge, mit viel Auswahl auf viel zu kleinem Raum, wenig Licht und viel Staub. Der stapelte sich vereinzelt schon zwischen Schaukelpferd, Anrichten, Küchenregalen und Kupferkesseln. Aber die Kenner unter euch oder die Geduldigen finden sicher den ein oder anderen wertvollen Gegenstand in diesen versteckten Schatzkisten. 

Wirklich bilderbuchhaft und sehr idyllisch ruhig war es abseits der Plätze und grösseren Strassen: die Wäsche wedelte im Sommerwinde, der eine angenehme Erfrischung in der Sommerhitze bot, die Vespas und kleine Autos schliefen im Schatten der Häuser – die Stadt machte eine Siesta. Wie gesagt, ausser den Touristen, die entweder fröhlich einen Snack einnahmen, Eis schleckten oder durch die Gassen schlenderten und Fotos machten. Nach gut zwei Stunden Rumschlendern waren wir durch, nicht nur mit der Stadt, sondern auch mim Schwitzen.

PS: Wer nicht an einem Sonntag nach Arezzo kommt, der kann sicher auf dem Corso Italia und seinen Seitengassen wunderbar shoppen gehen. 🙂 

Unser letzter Abend im Ristorante Ribalto 

Na jedenfalls, hatten Lukas und ich beschlossen, an unserem letzten Abend in der Toscana noch schön essen zu gehen. Gut gegessen haben wir jeden Abend und sogar Wein von unserem Vermieter geschenkt bekommen, der beste Rosé ever. Aber wir wollten nochmal schicker essen gehen als mit Brot, Schinken und Käse. 

Auf die Empfehlung unseres Vermieters hin, dass es m Ristorante Ribalto die beste Pizza überhaupt gebe, hat Lukas telefonisch einen Tisch dort bestellt. Am Ende des Telefonats waren wir uns beide nicht ganz so sicher, ob wir nun einen Tisch haben. Egal. Wir haben uns schick gemacht, im Navi die Adresse eingegeben, den kürzesten Weg rausgesucht und sind losgefahren. Wie schon bei unserer Anreise erwähnt: Unsere Fewo war nur über eine ungeteerte Schotterstrasse mit verschieden grossen Kieselsteinen zugänglich, weil mitten in den Weinbergen. Das wollte Lukas eigentlich vermeiden. Ja doof halt, wenn das Navi gerade aussagt und die Strasse auf einen ungeteerten Feldweg mit Schotter führt, so breit wie unser Auto, Ausweichmöglichkeiten – niente. 

Nach jeder Kurve, nach der wieder keine Teerstrasse in Sicht war, schwand die Freude im Gesicht meines Freundes, der Frust und die Angst ums Auto machten sich breit. Dabei hatte Lukas das Wesentliche nicht so ganz im Blick: Wir waren mitten in den Weinbergen der Toscana, links und rechts verliefen die Weinreben, der Blick in den goldgelben Sonnenuntergang über den gelben Feldern, dazwischen kleine Steinhäuser mit den typischen Terracottadächern und Fensterläden. Eine Traumaussicht.

Als wir an eine Kreuzung kamen, war kurz mal die Hoffnung auf eine Ende der Buckelpiste in Sicht, aber die war nicht von Dauer. Kaum abgebogen, wurde die Strasse noch enger, noch huckelnder, bzw. schlaglöchriger und noch bewachsener. Aber es gab offizielle Strassenschilder wie eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 (es wäre aber utopisch gewesen, dieses Limit jemals zu erreichen) oder eine kleiner weisser Pfeil auf blauem Grund, um an einer „Baustelle“ / Zaun vorbeifahren zu können. Nach gut 20 Minuten durch die Hügel der Toscana Juckeln und Buckeln kamen wir wieder an eine Kreuzung, dieses Mal mit Teerstrasse und einem Wegweiser zum Restaurant: Also alles richtig gemacht. Kaum abgebogen, endete die ersehnte Teerstrasse wieder in einer Schotterpiste.

Aber als wir durch ein Kaff von 3 Häusern gefahren waren, kamen wir auf einem grossen Parkplatz mit einem Einweiser an. Dort standen schon ca. 30 Autos und wir hatten das Gefühl, dass sich hier die ganze Gegend am Sonntagabend zum Essen versammelte. Und es roch nach Pferd, weil das Ristorante direkt an einem Reitstall war. Es war riesig, und gut besetzt. Gut war auch, dass Lukas reserviert hatte. Es wurde rappelvoll. Überall Italiener mit Freunden und Familien. Kaum hatten wir unsere Karten in der Hand hörten wir ein lautes, erfreutes „LUkaaa(s)!“ Zwei Tische weiter sass unser Vermieter mit seiner Familie beim Pizza essen. Die Gourmet sollen wir probieren. Tja, und dieses Mal haben wir so richtig geschlemmt. Ja, wie die ganze andere Woche auch schon, aber dieses Mal mit zwei Vorspeisen, die wir uns geteilt haben, jeweils einer Pizza (und ja, die Gourmet war super) und danach noch einen Espresso (für mich) und einen dunklen Grappa (für den Herrn). Hat von euch schon mal jemand Flusskrebsschwänze „gegessen“? Kann man die essen? Wenn ja, wie?? Wir haben es versucht und dann aufgegeben, weil an den Dingern nur Schale war. Aber die Nudeln, gelben Tomaten zusammen mit dem Weisswein waren herrlich. Bis jetzt haben wir immer gute Erfahrungen mit den Hausweinen der Ristorantes gemacht (ist auch der günstigste). Satt (andere würden es vielleicht vollgefressen nennen) und glücklich haben wir unseren letzten Abend in bella Italia ausklingen lassen. Zurück ging es dann den längeren Weg, über die asphaltierte Landstrasse.

Fazit

Die Toscana war so schön wie vor 17 Jahren, wenn nicht noch schöner, nur fand ich unsere einwöchige Auszeit zu kurz.

Die idyllische Ruhe, die zirpenden Zikaden, happy Pippo alles wird vermisst. Zur Erinnerung haben wir Wein von unserem Vermietern mitgenommen, noch 3 Flaschen, wobei der Chianti erst nächstes Jahr getrunken werden sollte, dann ist er noch besser…

Ob ich meine Nicht-Planung vermisst hab – nö, nicht wirklich. Dafür wusste ich aber auch, wo wir ungefähr hinfahren und was es da zu sehen gibt. Aber es hat mir nichts ausgemacht. Viel schöner fand ich es, dass sich mein Freund mal intensiver mit den Reiseführer auseinander gesetzt hat und mir immer wieder kleine Infos aus dem Büchlein erzählte… „Hast du gewusst…?“.

Nur eine Sache haben wir nicht verstanden: Wie sich die Mautgebühren auf den Autobahnen berechnen…? Wir haben für die gleiche Strecke mal über 10 Euro an einem Wochentag und dann etwas über 5 Euro an einem Sonntag bezahlt… nicht kapiert… egal, die Landstrassen, asphaltiert oder mit Schotter, waren eh viel schöner.

Ciao bella, wir sehen uns irgendwann wieder.

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