Aix-en-Provence

Nach einem gemütlichen Aufstehen haben wir unsere Gemütlichkeit mit ins Auto genommen und sind gediegen durch das provenzialische Hinterland mit seinen Hügeln und den Felsen von Sainte-Victoire, mit seinen bunten, verschlafenen Dörfchen, saftigen Wiesen und flachen(!) Weinebenen gecruist. Hier und da gibt es Wegweiser zu Chateaux, die keine mehr sind, weil sie zu einem Weingut umfunktioniert wurden.

Es war einfach wunderschön, bis zum Mittagsstau in Aix-en-Provence, den wir dank Navi umfahren konnten. So sind wir dann im Parkhaus am Rontonde, am gleichnamigen Platz mit einem fetten Springbrunnen drauf, und einem Einkaufszentrum am südlichen Ende des Stadtkerns, gelandet. Der Rontonde liegt am unteren Ende der Cours Mirabeau, der Flaniermeile der Stadt mit einer Akazienallee, die Canabière sozusagen, an deren Kreuzungen ein kleiner Brunnen mit grünem Moos und Wasserpflanzen, die sie ganz verwunschen aussehen liessen.

Und bevor es in die Gassen ging, musste ich erst mal wieder, wohin, und schon wieder scheiterte die Suche nach einer Toilette. Die in der Toure-Info gab es nicht, das Toilettenhäuschen auf dem Platz davor und daneben waren ausser Betrieb. Also hiess es erstmal zusammenkneifen. Dafür war ich sofort von der Stadt in den Bann gezogen, sobald ich den Fuss in die erste Gasse gesetzt hatte. Alter Falter, war das hier süss. Ich konnte sofort nachvollziehen, warum der Maler Paul Cézanne hier hängen geblieben ist. Das Zentrum von Aix-en-Provence besteht aus einem Gewirr aus wunderschönen, kleinen Gassen, jede ein Fotomotiv wert sind. Wer mag, kann auch Cézannes Atelier besichtigen, das etwas ausserhalb des Zentrum liegt. Haben wir nicht gemacht, dafür fanden wir die Gassen einfach zu malerisch.

Die Häuser sind gelb, hellgelb oder rosa, mit blauen, grünen oder weissen, hohen Fensterläden und gusseisernen Balkönchen. Dazwischen gibt versteckte, halb heruntergekommene Perlen, und romantische Plätze mit schattigen Bäumen. Hach, ein Träumchen. Jede Ecke hatte hier ihren Charme, da muss man sich einfach treiben lassen.

Ich weiss gar nicht, wohin wir uns haben genau treiben lassen, aber irgendwann waren wir am oberen Ende der Prachtstrasse Cours Mirabeau, auf der Touristen flanierten oder die Strassencafés besetzten. Und da am letzten Brunnen spielte ein Jazzband und die Musik hat die richtige Stimmung verbreitet.

Überall in der Stadt wimmelte es von Menschen, die in den Strassencafés und Terrassen der Bars trotz der Mittagsstunde unter der Woche, das Savoir Vivre genossen. Die Stadt wirkte lebendig und vor allem jung, weil es hier viele Studenten gibt. Diese Lebendigkeit und der französische Charme waren einfach ansteckend.


Durch Zufall sind wir an der kleinen Boulangerie Jacobs in der Rue d’Italie vorbei gelaufen und haben uns dort mit Sandwich, Tarte und Croissant für unser Mittagsmenu eingedeckt. Die waren einfach nur köstlich, leicht fettig, aber yum!

Danach sind wir die durch hintere Gassen in Norden der Stadt geschlendert, die nicht ganz so schön hergerichtet waren wie die Hauptgassen, aber trotzdem war es echt urig hier. Und mir ist aufgefallen, dass die Haustüren sperrangelweit offen standen, um eine Art Durchzug im Treppenhaus zu lassen.

So ging es dann kreuz und quer durch die Strassen, über den Place des Prêcheurs (der eher eine Baustelle als ein Platz war), durch die Rue Mignet mit vielen kleinen Läden und Kneipen, bis hoch zu Uni, die sich etwas in der Stadt verteilt, und einer eindrucksvollen Kirche aus der Gotik mit dem ganz einfachen Namen Paroisse Cathédral Saint Saveur Aix-en-Provence. Allein die Fassade ist schon beeindruckend. Aber was mir besonders gut gefallen hat, war das Wuseln und Gewimmel überall, es war nicht voll oder überfüllt mit Touristen, überall war Leben, und das hat der kleinen Stadt mit ihren malerischen Gassen, den vielen Cafés, Restaurants und Läden einfach den urgemütlichen Charme gegeben.

Wir sind dann über den Rathausplatz (Place de l’Hôtel de Ville) mit seinem prachtvollen Glockenturm wieder zum Cours Mirabeau gelaufen.

Also für mich war Aix-en-Provence genau das, was ich mir klischeehaft unter einer Kleinstadt in der Provence vorgestellt hab: Süss, malerisch, mit bunten Häusern und vielen kleinen Läden und Strassencafés, quirrlig, lebendig und einfach nur voller Charme. Es hat mir auch besser gefallen als Avignon, weil hier in Aix-en-Provence halt alles irgendwie authentisch und gemütlich wirkte.

Von dort aus wurde gen Einkaufszentrum am Rontonde geschlendert, in dem ich noch ein paar Teile bei H&M geshoppt hab, während der Liebste mit seinem Handy draussen wartete (was würde er nur ohne das Ding machen?). Natürlich sind wir auf dem Rückweg in den Berufsverkehr gekommen, den wir umfahren wollten und uns dabei verfahren haben, um am Ende dann doch wieder auf der Autobahn zu landen, die wir nach kurzer Zeit wieder gegen die Landstrasse getauscht haben. So schön die Gegend. Und wie die letzten Abende auch wurde wieder der Grill angeschmissen. Man gönnt sich ja sonst nichts, auch wenn es geregnet hat.

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