Cannes

Während der Südfrankreichplanung wollte ich die ganze Zeit auch mindestens einen Tag an die Côte d’Azur. Gut, aufgrund der Distanzen da unten und weil wir immer noch im Urlaub waren, haben wir uns – auch auf Hinweise verschiedener Freunde und der Vermieterin – für Cannes entschieden. Lag halt näher an der Ferienwohnung. Nach meiner kurzen Recherche haben wir ein Parkhaus direkt bei den alten Markthallen im Westen vom Zentrum gefunden, die gerade geschlossen haben, um halb 1 am Mittag.  Unser Plan war einmal am Strand runterlaufen und dann durch die Strassen Cannes zurück. Also ging es runter zu Hafen, in dem auch schicke Bötchen lagen, aber die fetten Teile konnte man vor der Küste bewundern und brauchte dafür kein Fernglas. Erst mal ging zum Palais des Festivals, dahin, wo jedes Jahr die goldene Palme von Cannes verliehen wird. In dem Filmpalais is nämlich die Touri-Info, und ich war wieder auf der Suche nach einem Klo. Doch nach der Sicherheitskontrolle (kein Scherz) haben wir recht schnell auf grossen Schildern gesehen, dass es hier auch keine Toiletten gibt (genauso wenig wie in Marseille oder Aix-en-Provence übrigens).

Warum es sich trotzdem lohnt, reinzuschnuppern? Na wegen dem kostenlosen Stadtplan und den absolut grandiosen Filmkameras aus den 60ern, die da ausgestellt waren. Da konnte man voll nah dran. Vielleicht lag das aber auch an dem 70. Geburtstag der Filmfestspiele, dass die Kameras da standen. Und als Filmtante interessierte mich das schon, aber noch interessanter waren die Handabdrücke von französischen und internationalen Filmstars und Regisseuren, die rund um den Palais angelegt sind, so wie am Chinese Theater in LA, nur halt die „Sparversion“. So, so toll, ich hätte am liebsten alle fotografiert, da ich voll aus dem Häuschen war. Ich so voll aufgeregt wie ein kleiner Groupie zu meinem Freund: „Da schau mal, Charlotte Rampling… und David Lynch!“ Und er so völlig ruhig: „Wer?“…

Auf der anderen Seite des Palais ist berühmte Treppe mit dem roten Teppich, die bei den alljährlichen Filmfestspielen in das Gebäude führt. Hier haben die Touristen Schlange gestanden, um Fotos auf der Treppe zu machen. Joa, wem’s gefällt. Wie auch schon am Dolby Theater in LA fand ich den Palais  an sich irgendwie – hm – enttäuschend?! … Na, ich hab es mir ganz anders vorgestellt und nicht so nen ollen, postmodernen Glaskasten am Wasser. Cool waren aber wieder die Kameraskulpturen am Grünstreifen gegenüber des Palais.

Nach dem obligatorischen Foto des Palais sind wir die Croisette, die berühmte Strandpromenade, unter den richtigen Palmen und heissen Sonne an der Côte d’Azur entlang geschlendert. Hier geniesst man nun das Flair der Schönen und Reichen. Zur einen Seite gibt es halt Strände und Restaurants, aber der anderen Seite hinter der zweispurigen Strasse fette Designer-Läden und schicke Protzhotels. Also hier ist klar, wer sich was leisten kann, und wer nur zum Gucken und Flanieren herkommt – wie wir.

Man erkennt leicht, welcher Strand nun privat ist und zu einem der fetten Hotels gehört, und welcher Teil öffentlich (da, wo es keinen elegante Liegen, Schirme und / oder Bar oder Restaurant mit Service am Strand gibt). Wer es sich leisten kann, kann auch Eintritt für den Hotelstrand zahlen und so seine Ruhe haben.

Ebenso kann man in den Restaurants fein essen gehen, wenn man denn das nötige Kleingeld oder die Kreditkarte dabei hat. Dann ist auch die Kleiderordnung egal, und man kann im Neoprenanzug oder Bikini am Tisch mit schneeweisser Tischdecke, Stoffserviette und einer Batterie von Gläsern sitzen. Zwischen den privaten Abschnitten tummeln sich normale Touristen am öffentlichen Strand. Am Horizont im Meer liegen mal kleinere, aber auch recht fette Yachten, auch Segelschiffe, eins grösser als das andere… Es war hier fast wie bei einer Bootsschau. Man gönnt sich ja sonst nichts. 

Wenn man nicht gerade zum Meer schaut und Leute oder Schiffe beobachtet, bewundert man die fetten Hotels auf der anderen Seite. Besonders herausstechend das Carlton Interkontinental, in der Mitte der Strandpromenade, das protzigste Teil da, das fällt auf und kann man nicht verfehlen. Aber vorm Hyatt haben wir schicke Autos wie Lamborghini, Ferrari, Mercedes, Porsche und auch McLaren bewundern können. Mein Freund hat extra Fotos gemacht… in dem Fuhrpark, direkt vorm Hoteleingang, vor dem Portier… 

Vom Hyatt aus sind wir dann in die ruhigen, weniger von Touristen überfluteten Strassen geschlendert. Interessant sind hier die vielen Immobilienbüros – aber unter 6-stelligen Preisen im höheren Preissegment mit  open end gab’s gerade nichts. Trotzdem verstecken sich hinter den Hotelbunkern wunderschöne Altbauten mit Veranda, gläsernen Balkonen oder kleinem Privatgarten. Mich hat die Gegend ein bisschen an Kensington in London erinnert: Sehr gepflegt, sehr elegant und sehr ruhig.

So sind wir bis zur Rue d’Antibes, die Einkaufsshoppingmeile, getingelt, an der sich alte französische Häusern in rosa und gelben Pastellfarben mit hellen Fensterläden und verschnörkelten, gusseiserne Balkonen reihten. Hier hatte ich wieder mein Frankreichfeeling. Es war einfach nur gemütlich, charmant, die hellen Farben luden zum Geniessen ein und verbreiteten Urlaubsglücksgefühle. Ja, das Meer hatte auch was damit zu tun.  Wir sind dann kreuz und quer durch die Seitengassen, in denen es verschiedene Geschäfte und Galerie gab, auf der Suche nach einer Eisdiele, die wir dann auch gefunden haben.

Das Eiscafé Glacier Vilfeu war kaugummirosa mit türkis, schwarz-weissen Fliessen und verchromter Theke, Tischen und Stühlen, ganz im Stil eines amerikanischen Diners aus den 50ern. Das Eis war durchaus lecker, es gibt auch recht viel im Angebot. 

Danach ging es weiter in die Rue Meynardie, wobei „Rue“ (Strasse) hier auch übertrieben ist. In der breiteren Gasse drängen sich gelbe, beige oder olivgrünen Häuser mit kleinen Balkone und hohen Fensterläden aneinander. Im Erdgeschoss eines fast jeden Hauses waren ein Feinkost- und Tourigeschäft nach dem anderen zu finden. Hier hat man so alles gekriegt, was Südfrankreich zu bieten hat: Töpferwaren, Olivenöl und Oliven, Käse, Seifen, Kerzen, Wein, Backwaren, wat weiss ich. Es gab kleine Boutiquen und auch Frisöre, Kneipen, Cafés, und Laternen, die mitten über der Gasse hingen. Alles war total urig, rustikal, mit einem unwiderstehlichen Charme, den man in dem eleganten Cannes, dem Ort der Schönen und Reichen, gar nicht so vermutet. Und hier wimmelte es von Leuten, die sich entweder ihren Einkauf für den Tag oder einfach für die Reise erledigten.

Abschliessend sind wir noch zur Kirche Notre Dame d’Esperance am westlichen Ende des Zentrums rauf gestiegen. Um da rauf zu kommen, muss man durch schattige, verwinkelte Gässchen mit bunten Pflastersteinen, schmalen Häusern mit farbigen Markisen und Fensterläden, dazwischen Bäume und blühende Topfpflanzen, die mit ihrem Grün den Gassen was Verträumtes gaben.  Kleine versteckte Treppen verbinden das Gassengewirr. In der Rue du Suquet (auch eher eine Gasse als eine Strasse) wimmelt es von kleinen Restaurants, in denen gerade die Tische fürs Abendessen hergerichtet und die Getränkevorräte aufgefüllt wurden. 

Von der Kirche Notre Dame d’Esperance hat man einen einen tollen Ausblick über ganz Cannes und ich hab erkannt, dass das rot-orangefarbene Häusermeer der Stadt viel grösser ist als der Schickemicki-Teil an der Croisette. Machte es für mich einfach noch sympathischer. 

Ehrlich gesagt, hätte ich nicht gedacht, dass Cannes so ein schnuckeliges Städtchen ist. Wenn ich jetzt Cannes höre, denke ich an die engen, verwinkelten Gassen mit den kleine Läden und Restaurants, mit ihre französischen Balkonen und bunten Fensterläden, in denen die Laternen mittig hängen, und an all den Charme, den diese Strassen (sind ja „Rues“) ausstrahlen. 

Eigentlich wollten wir nach unserem Cannes-Besuch noch an den Strand, der direkt neben dem Boulevard du Midi Louise Moreau ist. So hatten wir uns das gedacht. Aber bei zwei Stunden Fahrt plus noch BBQ-Nachschub einkaufen, blieb uns dann doch keine Zeit mehr, um in die Wogen der Côte d’Azur zu springen. Also haben wir uns für Einkaufen und Pool an der FeWo entschieden. Dort war es herrlich warm, und dank der Mücken haben wir nur kurz geplatscht. Unsere Vermieter hatten mehrere leicht verwilderte Katzen, eine kam immer am Abend und schlief auf einem Stein (hätte ja auch auf den Liegen schlafen können) und die andere fand uns nicht so koscher. Aber der Nachbarskater tauchte regelmässig zum Grillen auf. 

Ach ja, noch ein kulinarischer Tipp am Rande: Lukas hatte sich ein paar Bratwürste für den Grill gekauft. Jedenfalls dachten wir, es wären welche. La Bresse Andouillette ist eine französische Wurstspezialität, die in jeder Region Frankreichs ihr eigenes Rezept hat. Ich glaube, den Unterschied machen die Zutaten und evtl. Gewürze. Ich hab mich also gefreut auf meine Bratwurst und wurde stutzig, als ich sie aufschnitt, die Textur so gar nicht wurstmassenartig, sondern eher fasrig war, und ein miefender Geruch rauskam. Ich hatte eine Befürchtung, aber ich hab mir gedacht, probier’s doch mal. Ich hatte noch nicht mal richtig gekaut, als ich’s wieder ausgespuckt hab, Lukas hat seine Wurst gar nicht gegessen. Google hat meine Befürchtung bestätigt: Les Andouillettes sind gefüllt mit Därmen und Mägen von Schwein, Kühen, Kälbern oder Enten und werden wenig gewürzt, damit der natürlich Geschmack der Innereien besser rauskommt…. Bah!

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