O’ahu – Pearl Harbor

Am dritten Tag auf O’ahu war der Hochzeitstag angesetzt, weswegen wir überhaupt auf die Insel gekommen waren. Die Trauung war für den Nachmittag am Strand geplant. Also war der Vormittag perfekt für einen kurzen Ausflug. Wir haben uns für Amerikanische Geschichte entschieden und sind nach Pearl Harbor gefahren. Hier wurde die amerikanische Flotte am 7. Dezember 1941 von den Japanern angegriffen und verheerend in zwei Angriffswellen zerstört – über 2400 Tote gab es damals zu beklagen. Dieser Tag gilt als der Tag, an dem die USA in den 2. Weltkrieg eintrat. Und es ist der bisher heftigste Angriff mit den meisten Todesopfern auf die US Navy.

Am besten sollte man früh oder am Vormittag nach Pearl Harbor kommen, denn das Freilichtmuseum wird am Nachmittag einfach zu heiss, wenn die Sonne richtig knallt.

Das Parken sowie der Eintritt für die Parkanlage und das Battleship USS Arizona Memorial sind kostenlos. Die Arizona wurde 1941 versenkt und liegt noch heute an ihrem Anliegeplatz, an dem sie gesunken ist. Sie ist das Grab von 1177 Besatzungsmitgliedern, die am 7. Dezember schlagartig ihr Leben verloren. Deswegen gilt das Schiff als Memorial und Friedhof und kann kostenlos besichtigt werden. Über dem gesunkenen Kampfschiff wurde in den 60ern ein strahlend weisser Besuchergang gebaut, der die Arizona nicht berührt und aus dem man das Schiff näher betrachten kann. Leider war der bei unserem Besuch nicht begehbar („under construction“), sondern nur vom Boot aus zu sehen, das die Besucher normalerweise zu dem Memorial fährt. 

Für die geführte Tour werden am Infoschalter gegenüber des Parkeingang kostenlos, aber mit festgelegten Zeiten vergeben. Unsere Tour war um 10.15 Uhr und ging leider nur 45 statt 75 min, weil das Memorial ja unter Bau war. 

Wer mehr über die Geschichte zum 7. Dezember 1941 erfahren möchte, der kann jetzt gern weiterlesen. Wer sich lieber selbst davon überzeugen möchte, klickt hier und kürzt ab. 

Die Tour startet mit einem knapp 20-minütigen Film (alles auf Englisch, kein Audioguide) über den Angriff auf Pearl Harbor. Mit vielen Originalbildern und -filmmaterial werden die Hintergründe für Angriff der Japaner von beiden Seiten der USA und Japaner erklärt. Die Deutschen werden am Rand erwähnt. Der folgenschwere Satz „Do not worry.“ (zu dt. „Macht euch keine Sorgen.“) zerstörte das Leben von über 2400 Soldaten und Zivilisten innerhalb weniger Stunden. 

Was mich völlig baff liess, war die Tatsache, dass menschliches Versagen auf Seiten der USA so krasse Folgen hatte. Was ich nicht wusste, war, dass die USA mit einem Angriff Japans gerechnet hatte, und dass die oberste Heeresführung, die hätte Schlimmeres verhindern können, falsche Befehle gab, wie z. B. unbewaffnete Flieger und die Kampfschiffe nebeneinander aufzureihen oder die USS Arizona vollzutanken, damit sie am nächsten Tag zum Festland fahren konnte. Die Japaner hatten also „leichtes Spiel“, die amerikanische Flotte zu vernichten. Die wichtigsten Battleships wurden verheerend vernichtet oder waren danach kampfuntauglich. Die Flugstaffel war hin. U-Boote wurden mit Torpedos, die die Japaner abwarten, ebenfalls vernichtet. Die Amerikaner versuchten noch einen Gegenangriff zu starten und konnten 23 Flugzeuge abschiessen, 23 von über 340. 

Natürlich ist der Film eine heroische Darstellung Amerikas, das den Angriff der Japaner ja rächen und ihre Toten sühnen musste. Aber im Vergleich zu dem, was in Europa abging, war der Angriff auf Pearl Harbor (das ist jetzt sehr vorsichtig ausgedrückt) „nur“ eine Randerscheinung, die 2400 unschuldigen Menschen das Leben kostete und die die Geschichte der USA veränderte. Nach diesem 20-minütigen Film herrschte eine bedächtige Stille im Kinosaal, selbst die kleinen Kinder waren ruhig. Erst als alle aus dem dunklen Saal in Richtung Boot liefen, fing man langsam wieder an zu munkeln. 


Zwei Navy Soldaten fuhren uns mit dem Boot über das Hafenbecken zum Memorial der USS Arizona und erinnerten uns immer wieder daran, dass es ein Friedhof ist (kurz: Ruhe bitte, noch kürzer: Schschschscht). Neben den 1177 Soldaten wurde in den letzten Jahren auch die Asche von 40 ihrer Kameraden beigesetzt wurde. 

Vom Boot aus sieht man das Wrack nur schemenhaft, ein paar Ränder mit braunen Algen ragen aus dem Wasser sowie die Verankerung vom Hauptmast. Am besten erkennt man die Überreste des Schiffs aus der Luft (oder vom weissen Memorialbau).

Um ein Bild der vollen Grösse der US Arizona zu bekommen, liegt einen Anliegeplatz weiter die USS Missouri (Eintritt $29), die in ihrer grauen, mächtigen Pracht den krassen Kontrast zum weissen Denkmal der Arizona steht. Das Besucherboot fährt durch das Hafenbecken und dreht, so dass man die Arizona und ihren weissen Bau von allen Seiten sehen und fotografieren kann, wie auch das Hafenbecken mit der USS Missouri, dem U-Boot USS Bowfin Submarine (Eintritt $25) und dem daneben liegenden Pearl Harbor Aviation Museum (Eintritt $15). Auf dieser Website kann man entsprechende Deals für Kombis dieser historischen Sehenswürdigkeiten finden.

Zurück zum Land sind wir noch eine Runde an den Infotafeln vorbei am Hafenbecken entlang geschlendert. Diese Infotafeln erklären ebenfalls den Tag genau und zeigen Fotos und Listen von getroffenen Teilen der Flotte. Zudem gibt es Gedenktafeln der getöteten Zivilisten und Sprüche der Überlebenden.

Man kann auch mit Zeitzeugen, die den Angriff miterlebt haben, reden. Die älteren Herren verkaufen am Eingang neben dem Touri-Shop ihre Bücher. 

Insgesamt war der Besuch von Pearl Harbor für mich ein sehr lohnenswerter Einblick in die Geschichte Amerikas, wenn auch die Ansichten hier etwas patriotisch verzerrt sind.

Nach unserem Besuch in Pearl Harbor ging es ins Hotel zum Frischmachen für die Hochzeit am Nachmittag. Am Strand von Magic Island gab es eine unkonventionelle, aber sehr hawaiianisch traditionelle Trauung mit einem wunderschönen Brautpaar, das sich nur anstrahlte. Nach der Trauung wurden noch zig Fotos am Strand gemacht, bevor es zur Feier in einer Strandbar in Waikiki mit lecker Essen und Drinks ging. Schön in Sonnenuntergangsatmosphäre.

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