Einmal Grand Canyon hin und zurück

… oder wie es bei uns heißen würde „Fünfmal Limo fahren, zweimal Gratis-Schampus ausschlagen, den halben Tag in der Lobby des Helifluganbieters verbringen und einmal WOW sagen“.

Nach einem entspannten Auschecken und Frühstücken im Denny’s (ja mal wieder, die Pfannkuchen dort sind einfach so lecker!!) sind wir zu unserem vereinbarten Treffpunkt gegangen, wo wir für unseren Grand Canyon Flug abgeholt werden sollten. Mit der Limousine.

Limo

Aber lasst mich erst mal erzählen, wie es überhaupt zu der Limo gekommen ist. Die hatten wir nämlich nicht gebucht. Wir wussten nur, dass es viel zu weit ist, um innerhalb von einem Tag zum Grand Canyon zu fahren und auch am selben Tag wieder zurück. Erstens: Es sind ca. vier Stunden Fahrt in eine Richtung, und das auch nur bis zum westlichsten Zipfel. Und zweitens: Man braucht eine genaue Adresse für’s Navi, sonst wird die Anfahrt etwas schwierig. Deswegen haben wir uns dafür entschieden, mit einem Helikopter über den Grand Canyon zu fliegen. Zumal es mir eine liebe Freundin empfohlen hatte. Es gibt mehrere Anbieter, die einen vom Hotel abholen und für 90 Minuten über den Westrim und Southrim (West- und Südrand) fliegen und dann wieder zurück zum Hotel bringen. Ohne Landung oder so was. Genau das wollten wir auch, zumal es auch die günstigste Variante ist, und die ist nicht billig.

Wenn man über den Strip bummelt, wird man von vielen Typen angesprochen, ob man so einen Flug buchen will. Diese Typen arbeiten für so kleine Miniagenturen, die dann solche Flüge bei den Anbietern „günstiger“ buchen. Wir sind allerdings an so einem Laden durch Zufall hängen geblieben, und keiner hat uns von der Seite zugelabert. Und in diesem Laden arbeitet eine nette ältere Dame namens Norma, adrett gestylt, mit blond gefärbten, toupierten Haar, die auch echt in ein amerikanisches Diner gepasst hätte. Norma hat uns zum Veranstalter Papillon geraten, weil die wohl die am günstigsten sind, auch wenn die in Boulder City (1 Stunde von LA) abfliegen. Außerdem konnte sie uns noch etwas Rabatt verschaffen. Weil uns aber $309 inklusive Benzin und Steuer fürs erste zu teuer erschien, haben wir noch mal drüber nachgedacht und das Ganze dann am zweiten Tag doch bei Norma gebucht: den Sonnenuntergangsflug am Mittwoch Abend um 17 Uhr. Norma hat sich gefreut wie eine Schneekönigin. Ach, die war so süß, nannte mich immerzu „honey“ und war so herzallerliebst.

Blöderweise fiel meinem Freund kurz vor der Show von Carrot Top am gleichen Abend ein, dass wir am Mittwoch Abend doch weiter nach New York fliegen und das ganze mit dem Heliflug wohl etwas knapp wird. Dödööm. Mist. Also hab ich erst mal Norma angerufen, die meinte, dass ich direkt bei Papillon anrufen soll und dann brach die Verbindung ab. Aber ich hab ihren Rat erfolgt und die gute Frau bei Papillon konnte uns auf Mittwoch Nachmittag um 14.30 Uhr kostenlos umbuchen. Wir sollten um 12.40 Uhr abgeholt werden. Bouhja. Dann konnte ich bei der Show richtig loslachen.

Aaaaber: Als ich am nächsten Tag vor der „Shadow Princess“ saß, vibrierte meine Tasche, mein Handy klingelte und eine Dame von Papillon war am Aparat, um uns umzubuchen. Auf den 17 Uhr-Flug, den wir ja wegen unserem New-York-Flug nicht wahrnehmen konnten. Irgendwie hat die Frau es geschafft, dass wir unseren 14.30 Uhr Flug halten konnten, und dass wir um 13.15 Uhr mit einer Limousine abgeholt werden sollten und dass wir von Las Vegas statt Boulder City abfliegen. Alles ohne Extrakosten. OK! Weil es so laut vorm Casino war, hab ich dreimal nachgefragt, ob ich das auch richtig verstanden hab. Hatte ich. Wir sind an dem Abend noch mal bei Norma vorbei und haben ihr davon berichtet. Norma war total erleichtert, weil sie sich schon Sorgen gemacht hat. Wir waren also drei Tage hintereinander bei Norma…

Ok, also sind wir nach dem ausgedehnten Frühstück bei Denny’s mit etwas skeptischer Vorfreude zu unserem Abholpunkt gelaufen und da stand wirklich eine Limousine. Und der Fahrer wartete auf uns. In der Limo sah es aus wie in einer Disco mit farblich wechselnden Lichtern… Es wurde noch ein Pärchen aus England (Emma und Chris, waren Hochzeitsgäste) und vier Franzosen abgeholt, dann ging’s zum „Flughafen“-Checkin. Das war alles ganz unkompliziert. Denkt an euren Reisepass. Wir wurden noch mal gewogen, weil der Pilot die Leute nach Gewicht im Heli platziert. Und dann durfte man warten, bis man aufgerufen wird.

Bis dahin haben wir uns noch mit dem englischen Pärchen unterhalten, was echt sehr nett war. Die erzählten uns was von einer Landung mit Schampuspicknick. Und wir so: „Öhm, keine Ahnung, wir ham umgebucht.“ Doch als es ans Aufrufen ging, waren wir vier die Einzigen, die nicht aufgerufen wurden. Wir haben noch rumgescherzt: „Haha, die haben uns vergessen…“ Nee, das nicht, aber der Flug wurde gestrichen. Wir mussten umbuchen… Dödöööm.

Weil wir nur noch den Nachmittag in Vegas waren, haben die Mädels uns auf den 17 Uhr Sonnenuntergangsflug umgebucht. Richtig, genau den, den wir ursprünglich geplant hatten (außer der Abflugsstelle). Aber was war mit unserem Gepäck? Nach etwas Hin- und Herplanerei haben die Mädels es so für uns arrangiert, dass wir mit der Limo zurück zum Hotel gefahren werden, wir unser Gepäck holen, wieder mit der Limo zurück zum Abflugsort fahren und unsere Sachen sollten bei den Mädels dort während des Flugs warten. Danach sollten wir mit der Limousine zum richtigen Flughafen gefahren werden, der ja wirklich nur im die Ecke ist. OK, klang nach nem Plan. Und Sekt gab’s auch, den aber nur Engländer Chris angenommen hat, sehr zum Scham von Emma.

Wir sind also zurück zum Hotel gefahren worden, haben unsere Koffer geschnappt, wurden von einer anderen Limousine wieder abgeholt und zurück gefahren. Dort wurde uns noch gesagt, dass wir ein Erinnerungsfoto bekommen. Kostenlos. OK! Und dieses Mal wurden wir für den 17 Uhr Flug aufgerufen. Zusammen mit einer vierköpfigen deutschen Familie aus München.

Und ratet mal, wo wir im Heli saßen, höhö! Direkt neben Captain Curt. Der coolste Pilot überhaupt. Der Mann ist 1968 im Vietnam-Krieg geflogen, und hatte nur ein paar Jahre zuvor die Flugschule abgeschlossen. Und er wurde im Krieg abgeschossen. Krasse Sache. Doch der Typ war immer noch easy und locker drauf.

Nach dem komplizierterem Anschnallen und Kopfhörerchecken (die Dinger ham nicht wirklich funktioniert) ging’s langsam in die Luft. So so geil! Das erste Mal Helifliegen für mich! Unser Flug war etwas holprig, weil es sehr windig war. Aber EGAL! Heli fliegen in der ersten Reihe ist so was von abgefahren! Mega Cool! Und diese AUSSICHT! WAHNSINN! BOMBE! Scheiß auf die leichte Achterbahnfahrt. Was ein grandioses Gefühl und diese Landschaft! Ich kann es echt nicht beschreiben, weil es so unglaublich war. Erst die Schachbrett gemusterte Ebene mit den kleinen Häuschen von Las Vegas, dann die ersten braunen Bergspitzen mit Wüstensteppe, zwischen den rotbraunenschwarzen Bergen der tiefblaue Lake Mead mit seinem weißen Felsrand und der hellgraue Hoover Damm und dann sieht man ihn von Weitem: Die typischen Felsen vom Grand Canyon. Rot-Orange-Braun gestreift ragen die Tafelbrocken in die Höhe! KRASS!

Promiviertel von Vegas

vor Hoover

Hoover Dam

Lake Mead

Grand Canyon 1

Und dann sieht man den Colorado River, der sich durch die hohen, roten, spitzen Felsen schlängelt. Und dann sind wir IN DEN Canyon reingeflogen. Erst am Felsenrand entlang. Der Skywalk überm Südrand wirkte wie ein Modelhäuschen. Dieser Grand Canyon (483 km lang) ist soo riesig, so hoch, so ein schmales Tal, unglaublich. Und dann ging Captain Curt mit dem Heli immer tiefer und tiefer und wir sind tatsächlich am Rand des Colorado Rivers gelandet, für ein halbstündiges Picknick (bei dem es Sekt gab, den wir wieder ausgeschlagen haben). Wir haben aber lieber Fotos am Wasser gemacht und haben zu den Felsen hochgestarrt, die in der langsam untergehenden Sonne immer orangeroter wurden. Traumhaft, unbeschreiblich, WOW! Ich hab nur gegrinst wie ein Honigkuchenpferd und immer wieder wiederholt „Wir sind im Grand Canyon!“.

Colorado River

GC 7

GC 10

GC 11

Nach dem Picknick ging’s wieder rauf, durch das Tal, über die spitzen roten Felsen mit ihren vielen Nischen und Steinformationen, rauf über den Rand in Richtung Sonnenuntergang. Wir haben noch kurz zwischengestoppt, um zu tanken, und dann ging es über das Grand Plateau, einer steppenähnlichen Ebene, und Lake Mead zurück nach Vegas. Wir haben sogar wilde Rinder gesehen, die auf dem Grand Plateau „wohnen“.

GC 13

Lake Mead 2

Dieser Sonnenuntergang hat alles noch mehr getoppt, wenn es überhaupt noch ging. Abschließend gab es noch einen Abstecher vorbei am Fremont Street Experience und am Strip vorbei, wo gerade alles zu leuchten begann. Und nach gut 2,5 Stunden Flugzeit war alles leider schon wieder vorbei. Dabei wäre ich noch viel länger Heli geflogen! Das Coolste ist, wenn der Heli sich in der Kurve legt. Das ist ein Hammergefühl und man sieht so viel!

Vegas

Und dann gab es allen Ernstes für uns beide noch ein ausgedrucktes Foto von Curt, meinem Freund und mir vorm Heli geschenkt (was sonst $20 gekostet hätte). Und eine Fahrt mit der Limo und der deutschen Familie zum Flughafen, wo wir rechtzeitig eingecheckt und Gepäck abgegeben haben.

Im Shuttle zu den D-Gates haben wir noch mal zusammengefasst und geschaut, was wir da gerade erlebt haben:

Wir wollten: Abholen vom Hotel, 90 min Flug über den Grand Canyon um 14.30 Uhr ab Boulder City, Zurückbringen zum Hotel.

Wir bekamen: Limousinen-Abholservice vom Hotel, Fahrt zum Abflugort in Las Vegas, Umbuchen auf den Sunset-Flug, Gratisschampus, Limo-Rückfahrt zum Hotel, um das Gepäck zu holen, Limo-Abholservice zurück zum Abflugort, Sunsetflug mit Sitz in der ersten Reihe, Landung und Schampuspicknick im Grand Canyon, Flug über den Strip, ein Erinnerungsfoto und eine Limo-Fahrt zum Flughafen.

„YEEHAAA!!“, wie Captain Curt so schön sagen würde. Alles richtig gemacht!

GC 5

Also ich kann jedem nur empfehlen über den Grand Canyon zu fliegen, wenn ihr nicht so viel Zeit habt, dort hinzufahren und mehrere Tage zu bleiben. Auch wenn es etwas teurer ist, ihr werdet es keineswegs bereuen, auch ohne Landung und Picknick und Sitz in der ersten Reihe. Einfach machen!

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4 Antworten zu “Einmal Grand Canyon hin und zurück

  1. Toller Bericht, da kann man schon ein bißchen neidisch werden,
    wir freuen uns mit Euch.
    Für Euch wird es bestimmt ein unvergessliches Erlebnis bleiben

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