Rottweil

… ist das älteste Städtchen Baden-Württembergs und dabei noch zuckersüß! Rottweil ist wirklich eine traumhafte, kleine Stadt, die man locker an einem Nachmittag gemütlich mit Kaffeetrinken besichtigen kann. So wie ich das mit meinem Freund getan habe.

Geparkt haben wir direkt hinter der Polizeistation oder besser: hinterm Gefängnis (laut Ausschilderung P2). Das Gute hier ist, dass man kostenlos 2 Stunden parken kann und danach nur 1 € pro Stunde zahlt. Echt super.

Zurück zum Gefängnis: Das ist leicht an seinen hohen Mauern mit dem Stachedraht und Kameras drauf zu erkennen. Das Gebäude an sich wirkt eher wie ein unscheinbarer, grauer Klotz aus 1880, aber die vielen Polizeiautos davor und das Schild sagen was anderes. War schon witzig, dass das direkt neben einem Kinderspielplatz steht….

Gefängnis in Rottweil

Direkt hinter dem Gefängnis rechts geht’s in die schmalen, sehr gepflegten Gassen der Stadt mit ihren vielen bunten Häusern. Auffällig ist vor allem die Kirche mit ihrem schiefen Kirchturm, die man schon vom Parkplatz aus sieht. In der Nachmittagssonne glitzerte das goldene Kreuz auf der Spitze.

schiefer Kirchturm in Rottweil

Von dem großen Kirchplatz gehen mehrere Sträßchen ab, und egal, in welche wir gegangen sind (man kommt wohl oder übel eh an allen vorbei, ist ja nicht so groß hier), ist uns aufgefallen, dass jede Gasse ihr eigenes Gesicht hat. Nicht nur durch die bunten Fassaden und auffälligen Malereien, sondern auch weil viele Häuser reich verzierte Erker haben, was typisch für die Schwarzwaldregion hier ist. Irgendwie haben sie mich etwas an St. Gallen erinnert. Der Unterschied zum schweizerischen Städtchen waren aber die bunt bemalten Holzgauben mit ihren Flaschenzügen, die über den Erkern oben im Dach schlummerten.

Erker in Rottweil

Hauptstraße in Rottweil

Gauben in Rottweil

In Rottweil gab es kaum ein Haus, dass keine solche Gauben hatte. Und das macht für mich den einmaligen Charakter Rottweils aus. In vielen Häusern waren im Erdgeschoss kleine Läden untergebracht, die zum Bummeln einladen. Allein als wir die Hauptstraße mit Weihnachtsmarkt vom großen Stadttor bergabwärts gegangen sind, haben wir die bunte Pracht der Stadt bewundern können. Alles wirkte so niedlich, liebevoll, verschlafen, aber auch sehr traditionell, stolz und würdevoll. Dazu kamen noch der stahlblaue Himmel und die Sonne und schon war das Postkartenmotiv fertig.

Rottweil Zentrum

Und obwohl es Wochenende war, war es in der Stadt nicht überlaufen oder voll, sondern angenehm. Es brach überhaupt keine Hektik aus, die man von den Wochenendeinkäufern kennt, sondern alles lief gemütlich, in seinem ganz eigenen Trott ab. In den Seitenstraßen war so gut wie gar nichts los, da waren wir praktisch allein. Wir haben uns von der Gelassenheit anstecken lassen und sind die Gassen im Zickzack langsam in den „östlichen“ Teil der Stadt geschlendet, der Teil, der gen Tal geht, auf der anderen Seite der Hauptstraße.

Rottweil Zentrum

Kapellenturm in Rottweil

Hier steht der Kapellenturm, ein riesiger Kirchturm mit einer reich verzierten, aber unsymmetrischen gotischen Fassade. Der Turm hat mich noch mehr fasziniert als der schiefe Kirchturm, weil ich von der Ungleichheit, die aber wiederum harmonisch war, echt beeindruckt war. Die Gassen hinter dem Kapellenturm waren noch enger, die Häuser noch schmaler und kleiner, aber viele hatten hier auch wieder ihre Holzgauben und Holzfensterläden. Die Straßen waren hier so eng, dass die Sonne gar nicht auf den Boden kam.

Rottweil Zentrum

Hinter der Liederhalle und der Lorenzkapelle endete die Rottweiler Altstadt abrupt an einem Felsvorsprung. Von hier hatten wir einen traumhaften Blick ins Tal und auf den Neckar. Da unten steht ein immer noch recht großes Gut fast inselartig in der Landschaft, um das sich der Fluss schlängelt. Aber als wir gen Norden (nach links) geblickt haben, hat uns eine riesige Betonsäule die Aussicht verhagelt. Das wird ein Aufzugtesteturm von ThyssenKrupp und soll gleichzeitig ein tolles Ausflugsziel für die ganze Familie werden. Damit diese Betonsäule nicht so auffällt, soll sie noch so verkleidet werden, dass sie fast unsichtbar wirkt. Ahja. Damals sah das Teil einfach scheiße hässlich aus und passte so gar nicht in das romantisch, ruhige Bild, das wir von Rottweil hatten. Naja, mal sehen, was das wird, wenn das Ding 2016 fertig ist.

Neckartal vor Rottweil

Lorenzkapelle

Für uns ging es dann weiter durch die kleinen Gassen mit ihren engen, teils historischen, teil modern angepassten Häuschen bis zurück zur Hauptstraße, die wir wieder ganz hoch zum Stadttor gelaufen sind. Auf dem Weihnachtsmarkt tummelten sich jetzt mehr Besucher, es roch nach Glühwein und Bratwurst, aber es war trotzdem noch beschaulich gemütlich.

Kurz vor dem Stadttor sind wir links in eine kleine Gasse abgebogen und haben auf der Suche nach einem Plätzchen für Kaffee und Kuchen das Café am Känzele gefunden. Hier sah es aus wie bei Oma im Wohnzimmer: Überall verschiedene Holztische, blumige Sofas, weiche Sessel, gepolsterte Stühle, die alle unterschiedlich aussahen, aber optisch zusammen passten. An der geweißelten Decke verliefen dunkle Holzbalken, davon hingen bronzene Weihnachtskugeln, im Fenster glitzerten dezente Sterne aus Tiffany-Glas, neben der Theke drehten sich diverse leckere, hausgemachte Torten Vitrine und an der Theke warteten noch handgemachte Pralinen mit köstlichen Füllungen auf ihren Verzehr. Auf den Tischen standen Kerzenständer, duftende Rosen und kleine Zuckerdöschen à la Sammeltassen.

Café am Känzele

Kurz: Hier war alles liebevoll abgestimmt und das hat es einfach stinkgemütlich gemacht! Wir haben uns an einen kleinen Tisch gesetzt, lecker Kaffee, Kakao, Apfel-Sekt- und natürlich Schwarzwälderkirschtorte bestellt und es uns gut gehen lassen. Und so haben wir unseren Besuch im idyllischen Rottweil genüsslich ausklingen lassen. Selten hab ich eine solch hübsche, bunte, aber auch ruhige Stadt erlebt. Es war einfach wunderbar.

Altstadtgassen in Rottweil

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PS: Und ja, aus Rottweil stammt auch die Hunderasse. Das sieht man an den zahlreichen Figuren von sitzenden Rottweilerhunden, die überall in der Stadt verteilt sind. Von groß bis klein, es gibt sie in allen Größen.

 

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4 Antworten zu “Rottweil

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