Williamsburg & Brooklyn mit Besuch im WTC

Was kann man am besten besichtigen, wenn fast ganz New York frei hat? Richtig: Stadtteile…. und nicht etwa die Freiheitsstatue, wo sich viele Touris oder andere Städtebesucher auf die Fähre quetschen, um schöne Bilder von der Dame im Laken zu machen. Und weil das Wetter angenehm schien, haben wir uns für einen Spaziergang auf der anderen Seite des East Rivers entschieden.

Und ich muss sagen: Es ist echt schick da, in Williamsburg. Gut, anfangs fällt schon auf, dass alles etwas abgerockter, dreckiger, beschmierter ist, es gibt kleinere Läden mit Antiquitäten, Blumen, Büchern, Bars, Kneipen in den herunter gekommenen Häuserfassaden, die mal wieder einen Anstrich gebrauchen könnten. Aber Straßen wie die Bedford Avenue, 6th oder die 11th Street sind echt hübsch mit ihren sauber gestrichenen Holzbretterfassaden, mit den Straßencafés und kleinen Second Hand Läden dazwischen. Es wirkt hier alles sehr alternativ, entspannter, gelassener. Viele junge Leute haben sich in den kleinen Cafés zum Brunch oder Eiskaffee getroffen. Denn ja, wir haben dieses verdammte Wetter nach gestern echt unterschätzt, es war scheiße warm! Bestimmt um die 30 Grad!

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Ein anderer Hingucker sind die versteckten Urban Street Art Bilder oder die Schuhe auf Leitungen. Dazwischen war am East River, in der Nähe vom Park und einer Bierbrauerei ein Flohmarkt mit vielen Bildern, Büchern, Klamotten, Schmuck, Holzwaren, Möbeln und Leckereien aus der Gegend. Wir haben uns schön zwei fette Donuts geholt (die so fett waren, dass die Papiertüte nach 5 Minuten durchsichtig war) und haben uns am East River Park am Wasser in die Sonne geflackt und die kleinen Donuts verdrückt, schön mit Blick auf Manhattan inkl. Empire State Buildung und Chrysler Building. So lässt es sich am Sonntag aushalten. Der Park an sich ist nicht schön, aber viele Familien und junge Leute treffen sich hier zum Picknicken, Füße ins Wasser hängen (warum auch immer) oder zum Fußball spielen.

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East Side SP

Danach sind wir weiter durchs Viertel bis zur nächsten Subway Station gebummelt und geschwitzt, um dann nach Brooklyn runter zu fahren. Dort sind wir auch durch die gepflegteren Straßen mit den bunten Läden, Bars, Cafés, Restaurants und anderen Shops spaziert, ab und zu mal in eine Seitenstraße abgebogen, die mit teils blühenden Bäumen geschmückt war, und an sehr gepflegten Townhouses in Brauntönen vorbei geschlendert. Das klingt jetzt vielleicht wie in Uptown, aber hier sind die Häuser nicht ganz so hoch und viele haben wirklich einen rotbraunen Anstrich. Es wirkt alles dunkler, aber sehr warm und einladend.

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Auf dem Weg zur Brooklyn Bridge sind wir durch den Brooklyn Bridge Park, der an diesem sonnigen Sonntag im wahrsten Sinne aus allen Nähten geplatzt ist. Hier stapelten sich Familien, junge Leute, Touristen, Kurztripler…. ALLES! Es gibt Piers, die mit Blick auf Govenors Island, die Freiheitsstatue, Ellis Island, die Skyline von Manhatten und der Brooklyn Bridge zum Verweilen einladen. Falls das nicht hilft, dann bekommt ihr spätestens an der Picknick- und Grillecke in der Mitte des Parks Hunger, weil die Familien dort kiloweise Fleisch braten und der Geruch einem in die Nase steigt. Gut, dass es dort noch einen Food Market gab, wo man sich an guter Hausmannskost und frischen Smoothies stärken konnte.

Brklyn Bridge Park

Am Wasser ging es dann bis zur Brooklyn Bridge. Wir sind dem Strom Touris gefolgt, und den versteckten Schildern „Brooklyn Bridge Walkway“, um dann vom Ostende auf die Brücke zu krackseln! Und es ist echt ein Traum, wenn ihr auf die Skyline von Manhattan zulauft! Klar, es ist immer das gleiche Motiv, aber es ändert sich gefühlt alle 5 Meter! Die Brücke an sich ist auch wunderschön (aber für mich nicht ganz so schön wie die Golden Gate Bridge), man kann wunderbar den Verkehr, der unter den Füßen rauscht, beobachten, und man hat einen tollen Blick auf die „Nachbarbrücke“, die Manhattan Bridge… Wer jetzt nicht auf Menschengedränge steht, kann die Nachbarbrücke entlang laufen und hat auch einen schönen Blick auf die Stadt. Denn bei uns war es rappelvoll. Dazu kommt, dass viele alle paar Meter unverhofft stehen bleiben, um Fotos zu schießen, dabei fast in einen Radfahrer, die ja auch noch auf der Brücke hin- und herfahren, reinlaufen und das ganze in einem Riesengebimmel endet, weil die Touris die Radfahrer nicht hören. Es ist also viel Unterhaltung geboten. Ach noch was: Es gibt nur zwei „Spuren“ auf dem Walkway über die Brooklyn Bridge – gen Stadt ist links der Fußgängerbereich und rechts der Fahrradfahrerbereich. Aber auf beiden Spuren herrscht der Hin- und Rückverkehr. Daher ist es immer knackevoll auf dem Fußweg.

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Hat man dann irgendwann die andere Seite erreicht, steht man am Anfang des Financial Districts. Wir wollten noch in das 9/11 Memorial und Museum. Weil da aber viel gebaut wird, sind wir erst einmal unten drunter durch, auf der anderen Seite wieder hoch, um wieder zurück geschickt zu werden, und dann einmal um die Südseite zu laufen und 20 Minuten später an der Kasse zu stehen. Ein Träumchen! Der Eingang ist zwischen den beiden riesigen Brunnen, die die Stellen markieren, wo die Twin Towers standen. Ihr kommt da nur von der Ost- oder Südseite ran.

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Ground Zero ist vom ersten Moment an echt atemberaubend, wenn man in die Brunnen blickt und an den Metalltafeln um die Brunnen die zig tausend Namen liest. Man bekommt gleich an andere Gefühl im Magen. Wer weiß denn nicht, wo er am 11.09. damals war? Wer kann sich nicht an diese surrealen Bilder im Fernsehen erinnern? Und genau dieses Gefühl verstärkt sich, wenn man sich die Ausstellung des 9/11 Memorials anschaut. Zur Vorwarnung: Plant mindest. 3 Stunden Besuchszeit ein, am besten 4, dann schafft ihr alles in Ruhe. Wir waren gerade mal 2 Stunden drin und haben vielleicht die Hälfte geschafft.

Nach der Sicherheitskontrolle (mit Beeper und Röntgengerät) geht’s in die tiefen Tiefen der alten Twin Towers, mit Fragmenten der beiden Türme. Die Einleitung haut einen schon um, aber unten erwartet einen wirklich das geballte Chaos und die Nachwirkung vom 11. September. Es gibt nicht nur die Geschichte zur Bauzeit des World Trade Centers, sondern viel imposanter eine „In Memoriam“-Halle, in der die Fotos der knapp 3000 Opfer aufgehängten sind. Dazu könnt ihr euch in einer Datenbank jedes Foto einzeln aufrufen und erfahren, wer der- oder diejenige war, die damals aus dem Leben gerissen wurde, mit Bildern und vereinzelt Erinnerungen von Verwandten oder Freunden. In der Mitte gibt es ein Kino, wo die Menschen vorstellt werden. Dazwischen sind Vitrinen mit den Habseligkeiten der Opfer, entweder gespendet von den Familien oder gefunden in den Trümmern.

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Aber das ist nur der Anfang: Die richtige Ausstellung zu 9/11 geht über drei riesige Galerien und ist eine gesonderte Ausstellung. Hier erlebt ihr den Tag von Anfang bis zum Ende mit, in einer Zeitreihe, mit Bildern, Film- und Tonaufnahmen, Artefakten von Flugzeugtrümmerteilen, Papierfetzen, die aus dem WTC flogen, Teile vom WTC, Handys, Disketten, Schuhen, Feuerwehrhelmen…. allem, was an dem Tag irgendwie im Einsatz war und zerstört wurde. Und der erste von den drei Räumen hat es echt in sich. Hier gibt’s auch ein Kino, wo man die Tragödie in Originaltonaufnahmen von Menschen innerhalb und außerhalb der Türme miterlebt. Das geht echt unter die Haut. Die haben dort nicht umsonst ne Packung Kleenex aufgestellt. Das ist alles so viel und überwältigend und immer wieder von neuem erschreckend, dass einem ganz mulmig wird. Selbst heute kann ich es immer noch nicht begreifen, wie so etwas geschehen konnte. Und das Warum bleibt eine Frage für sich…

Im zweiten Raum findet ihr eine Ausstellung zum Anschlag aus der Perspektive der Terroristen, im dritten Raum sind die Tage danach und der Wiederaufbau von Ground Zero ausgestellt. Leuts, das ist echt jede Menge geballte Info, die da auf einen einfließt, plus noch die Emotionen, die da mitschwingen. Nehmt euch die Zeit und geht nicht erst die letzten zwei Stunden rein, auch wenn es da etwas leerer ist.

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Danach sind wir stumm und nachdenklich aus dem Museum zu den beiden riesigen Brunnen, die an den Stellen der Twin Towers sind. Hier haben einige Angehörige Blumen in die Namen der Opfer gesteckt. Nachdem man den Tag noch mal gesehen hat und wenn man so davor steht, kann man es sich immer noch nicht vorstellen, wie das alles sein kann. Besonders im Abendlicht, wenn alles erleuchtet ist, wirken die Brunnen mit dem neuen World Trade Center so schön und friedlich. Ich kenne New York persönlich nicht anders als mit Ground Zero. Wie muss es wohl erst sein, wenn man die Twin Towers noch erlebt hat?

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