Homeless People

Wenn man in Amerika rumreist, kommt man um dieses Thema einfach nicht drum rum. Ehrlich gesagt habe ich lange überlegt, wie ich das Thema „Homeless People“ am besten angehe, weil es mir nicht so leicht fällt. Wie fängt man an? Mir ist klar geworden, dass es dafür keinen „guten“ Anfang gibt, sondern, dass man einfach mal darüber reden muss und das klipp und klar: In den Staaten leben einfach mehr Menschen auf der Straße als in Deutschland. Ich will hier keine Zahlen und Statistiken präsentieren, sondern nur meine Eindrücke schildern.

Soweit ich weiß, gibt es in den Staaten, im Gegensatz zu Deutschland, kein Sozialsystem, dass Arbeitslose auffängt. Während man bei uns Arbeitslosengeld und teils noch Wohngeld bekommt, müssen Arbeitslose in den Staaten ihre Sachen packen und auf die Straße gehen, sobald die Miete nicht mehr gezahlt werden kann. Es gibt allerdings einen Teufelskreis: Ohne Job gibt es keine Wohnung und ohne Wohnung gibt es keinen Job. Daher ist es recht schwierig, selbstständig in den Staaten wieder auf die Beine zu kommen. So etwas wie Obdachlosenheime oder Unterbringungen wie bei uns habe ich nicht gesehen. Wobei es wohl in San Francisco, die Stadt mit der höchsten Obdachlosenzahl in Kalifornien, so etwas wie Resozialisierungsprojekte gibt, die Wohnungslosen helfen. Trotzdem habe ich viele auf den Hauptstraßen und in den Parks gesehen. Vielleicht kommen auch immer mehr in die Stadt, in der Hoffnung auf Hilfe.

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Für mich war die Obdachlosigkeit in den USA gegenwärtiger als bei uns, weil vor allem an der Westküste sehr viele Menschen auf der Straße leben. Besonders aufgefallen ist es mir an Venice Beach und in San Francisco. Es ist für Europäer vielleicht (oder nur für mich) ungewohnt zu sehen, dass Menschen mit all ihrem wenigen Hab und Gut in Koffern oder einem Einkaufswagen durch die Straßen ziehen, an Bushaltestellen, in Parks oder am Strand wohnen. Teils tragen sie dicke Wintersachen bei 30 Grad in der Sonne. Die meisten reden mit sich selbst oder Gott, trinken oder schlafen auf einer Bank, unter Bäumen oder auf dem nackten Bordstein. Manche waschen sich voller Scham in öffentlichen Toiletten oder stehen in einem Hauseingang mit der Reisetasche und schauen einen beschämt an.

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Im Gegensatz zu den Obdachlosen in Deutschland, stellen die Homeless in Amerika gefühlt weniger Schilder auf, auf denen sie um eine Spende bitten und wenn, dann wollen sie eher Geld für ein Busticket nach Hause oder für ein Sandwich. Einige Obdachlose sprechen einen auch auf offener Straße an, wenn man an ihnen vorbei geht, ob man nicht etwas Kleingeld hat. Wenn man etwas gibt, bedanken sie sich ehrlich und herzlich. Selbst wenn man nichts gibt, bleiben sie freundlich und wünschen einen schönen Tag. In New York haben wir es erlebt, dass Obdachlose oder auch Schwerkranke in der U-Bahn ihr Leid geklagt haben, um dann mit einem Becher oder einer offenen Hand durch den Wagon zu gehen und Kleingeld einzusammeln. Da weiß ich aber nicht, ob ich jeder Geschichte glauben kann. In San Francisco habe ich viele ältere, ärmere Menschen gesehen, die Plastikflaschen aus Mülleimern gesammelt haben, wahrscheinlich auch, um ihre Rente aufzubessern. Allerdings weiß ich nicht, wie das in den Staaten mit dem Pfandsystem funktioniert, weil wir nie Pfand bezahlt haben und auch keine Pfandrückgabe-Schildchen auf den Flaschen oder in den Supermärkten gesehen haben.

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Für mich waren die amerikanischen Obdachlosen zwar sehr präsent, aber sie blieben eher unter sich, als würden sie ihr eigenes Leben in ihrer eigenen Welt leben, parallel zu meiner Touristenwelt. Ich hatte den Eindruck, dass die Obdachlosen manchmal nicht so akzeptiert, sondern eher ignoriert werden. In LA saß ein Obdachloser im Starbucks, mit einem kleinen Becher Kaffee, an einem Tisch neben einem Mann, der sichtlich gut situiert war. Der Obdachlose sprach vor sich hin, gestikulierte, um seine Worte zu betonen. Der Mann daneben las auf seinem Handy, blickte nicht einmal auf und ging schließlich, ohne seinem redenden Tischpartner anzuschauen. Auch in Las Vegas gab es so gut wie keine Obdachlosen, die man auf dem Strip gesehen hat. Da fielen mir nur eine Art Ordnungshüter auf, die halt für „Ordnung“ gesorgt haben, damit das Spieleparadies Vegas für die Touristen einladend bleibt. Ich hab gehört, dass es eine unterirdische Stadt unter Las Vegas gibt, in der die Wohnungslosen leben sollen. Wenn man danach googlet, findet man entsprechende Artikel. Allerdings hatten die Menschen in New York schon eher ein Ohr oder Auge für die Obdachlosen, wobei ich hier im Gegensatz zur Westküste wenige gesehen hab, was vielleicht daran lag, dass wir in sehr touristischen Zonen unterwegs waren.

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Wie man Obdachlosen umgehen soll, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Nur wegschauen sollte keiner. Vielleicht ergeht es einem selbst irgendwann mal so. Man weiß es nie. Selbst in unserem sozial gut abgesicherten Deutschland nicht.

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2 Gedanken zu “Homeless People

  1. Meine Erfahrungen sind zum Teil anders:
    In New York habe ich auch keine Obdachlosen gesehen, aber die wurden aufgrund der Politik aus Manhattan vertrieben. Wie es in anderen Stadtteilen aussieht, kann ich nicht sagen.
    In Las Vegas habe ich Obdachlose gesehen – oberirdisch. Oberhalb des Strips gibt es einen Fußgängerweg (genau darüber, teilweise nutzt man sie, um über die Kreuzungen zu kommen). Dort habe ich diverse Bettler gesehen.
    In San Francisco wurde ein Obdachloser im Rollstuhl aggressiv und hat die Person, die nichts geben wollte, getreten.

    1. In Manhattan haben wir auch einen aggressiven Obdachlosen gesehen, der wohl eine Frau angegriffen hatte. Die war in Tränen aufgelöst und je drei Polizisten kümmerten sich um sie und den Mann.

      Ja,auf den Fußgängerüberwegen in Vegas sitzen einige. Aber da kommt auch immer mal dieser Security Service vorbei….

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