Maastricht

Zugegeben, die kleine Stadt kurz hinter der holländischen Grenze ist jetzt nicht in der weeeiiiten Ferne wie Amerika. Aber trotzdem hat man Maastricht das Gefühl, in der Fremde zu sein, in der Ferne.

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Meine Freundin und ich brauchten eine kurze Auszeit, also sind wir ins Auto und gen Westen gedüst. Weg von den grauen Bauschewolken, hin zu den dunkelgrau-rosa Wolken. Aber egal, Hauptsache raus aus den allbekannten Tapeten unserer Stadt.

Sobald wir über die Grenze gefahren waren, begrüßten uns die ersten holländischen Straßenschilder, von denen man die Schriftzüge meistens nur durch lautes Vorlesen erahnen kann, was sie bedeuten. Aber genau dadurch entsteht schon der erste Urlaubskick. Und dass man beim Handy die mobilen Daten ausmacht und erst mal wieder ohne Internet wie in den 90ern lebt.

Die Autobahn führte an grünen Laubbäumen vorbei, die die buschig saftigen Wiesen und Hügel mit hohem hellgelbgrünen Gras und bunten Blumen von der Autobahn trennten. Falls wir einen Blick auf diese Wiesen erhaschen konnten, haben wir friedlich grasende braun-weiße Kühe oder braune Pferde gesehen. Die Autobahn an sich ist gen Maastricht irgendwie immer recht leer, wenn ich hinfahre, am frühen Nachmittag am Wochenende oder Feiertag.

Doch kurz vorm Ziel fielen die ersten Regentropfen und eine Großbaustelle kündigte etwas Chaos an, das aber nur verwirrender aussah als es wirklich ist. Allerdings stellen die Holländer erst Info-Warn-Schilder für Baustellen auf, wenn man schon so gut wie drin ist. Nur Arbeiten tut hier auch keiner an einem Samstag.

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Egal, wir düsten weiter, bogen an der großen Ampelkreuzung rechts ab gen Centrum und fuhren von Norden her auf dem Ring um das Zentrum. Falls ihr also auch von der A4 nach Maastricht kommt, gibt’s einen megagroßen Parkplatz am Cabergerweg (43 min 1€, max. 8€) oder zahlreiche günstigere Parkplätze in den Parallelstraßen westlich vom Zentrum bzw. der Ringstraße, die ums Zentrum führt.

Und sobald man die erste Straße (Capucijenstraat) gen Markt läuft, vorbei an den kleinen rotbraunen Klinkerhäuschen mit den großen, weiß gerahmten Fenstern im Erdgeschoss, die alle in Reih und Glied stehen, dann fühlt man sich sofort wie in einer anderen Welt, fern von daheim. In der Straße Grote Gracht reihen sich helle, schmale Häuschen mit Läden im Erdgeschoss und den typischen Dachgaupen aneinander, mit den Fenstern, die man hochschiebt, davor unzählige, bunt blühende Tonblumentöpfe, die in den ersten zaghaften Sonnenstrahlen leuchten. Auf der Kopfsteinpflasterstraße knattern Roller an einem vorbei, oder es klappern zahlreichen Hollandräder vorbei, deren Klingeln auf dem Pflaster klingen, mit Studenten darauf, die sich im Fahrtwind lachend unterhalten…

Auf dem Markt stehen um das barockartige Rathaus in der Mitte zahlreiche Marktbuden, von Blumen über Fisch und Hühnchen hin zu Churros und Crêpes. Wer da nichts finden sollte, dann gibt es noch zahlreiche Kneipen und Restaurants, die sich wie eine Perlenketten um den Markt aufziehen.

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Unsere Mission war einfach nur Bummeln gehen, denn Maastricht hat zwei größere Einkaufszentren, ein Kaufhaus à la Kaufhof und zahlreiche Shoppingstraßen, die sich südlich vom Markt in den labyrinthartig in kleinen Gassen entlang ziehen. Und einen HEMA. Aber das Schönste sind die kleinen Häuschen, viel Klinker, mit Fresken über den hohen Fenstern im ersten Stock und überall laden kleine Läden zum Shoppen ein. Und es gibt alles, was ihr wollt, alle Marken, alle Klamottenketten, Schuhe, Beautyprodukte, Accessoires, Krimskrams. Alles, was Mädels so brauchen… Man kann wirklich von einem Geschäft ins nächste fallen, manchmal kann man auch durch den Laden gehen und kommt auf der anderen Seite in einer neuen Ladenstraße raus. Einfach super! Dazu hat sich bei uns immer mehr die Sonne hervorgetraut. Im Schein der Sonnenstrahlen haben die Gassen ihren besonderen Charme.

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Wer eine Pause braucht, kann ganz einfach weiter gen Osten zum Fluss gehen, wo nicht nur wieder zahlreiche Cafés mit Blick auf das Wuseln vieler Besucher und den Fluss mit seine Touristenbooten. Ein bisschen Skyline gibt es, wenn man über die wunderschöne Steinbogenbrücke spaziert, die sich über den Fluss spannt und unter der kleine Boote und Schwanenfamilien im glasklaren dunkelblaugrünen Wasser dümpeln. Der Blick auf die Maastrichter Waterkant ist einfach nur zum Durchatmen: Typisch holländische Kleinstadtidylle, mit den schmalen Häusern, die in diversen Farbtönen nebeneinander gequetscht stehen und das bunte Treiben zu ihren Türen schauen. Wir haben uns am Fluss auf die rote Ziegelsteinmauer gesetzt und die Sonne unsere Nase kitzeln lassen.

Dann ging es noch weiter ins Zentrum, in die kleinen, verwinkelten Gassen der Stadt, mit Kopfsteinpflaster, schattigen Laubbäumen und liebevoll begrünten, kleinen, feinen (sprich teuren) Läden, vorbei an der Basilika, deren Türme am mittlerweile leicht bewölkten Himmel in der Sonne glitzerten, vorbei an einer Gelateria an der Ecke dort, deren Schlange Eishungriger uns im Weg standen, vorbei an weiteren süßen kleinen Häuschen mit Steintreppen oder Stühlchen vor der Tür, und Oldtimern, hin zum nächst besten Café. Natürlich war die Auswahl nicht leicht, weil es wirklich an JEDER Ecke eins gibt. Mit Straßentischen natürlich, und wenn sie nur klein sind.

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Wir haben uns für die Bisschopsmolen entschieden, eine gemütliche und sehr kühle Dinkelbäckerei mit intakter Wassermühle, deren grünbemoostes Holzrad sich an dem kleine Flüsschen in einem versteckten Hinterhof noch dreht. Dort gab’s ein leckeres Dinkelbrötchen mit hausgemachtem Kräuterfrischkäse und ein noch viel viel leckeres Stück Apfelkuchen mit Haselnüssen. Die Kuchen dort sind der Hammer! Also, falls man mal da vorbei tüdelt, kann man auch für den eigenen Kaffeetisch was aus der Bäckerei mitnehmen.

Danach sind wir zur Stadtmauer gelaufen, vorbei an einer Armada von wartenden Fahrrädern, die in der Sonne glitzerten. Die Stadtmauer selbst ist nicht groß. Sie hat noch ein Zeughaus mit rot-weiß gestrichenen Fensterläden, einen Wachturm, der über der begrünten Mauer, einem kleinen Wassergraben mit kleiner Steinbrücke und einem kleinen Park thront, und ein großes Stadttor, das die Besucher in die schmalen, schattigen Gassen mit den eng aneinander gereihten Häuschen einlädt.

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Weil das Wetter so schön war, sind wir durch die Einkaufsstraßen und kühle Hinterhöfe, vorbei am Vrijthof und zahlreichen Straßencafés, deren Tische und Stühle sich aneinander drängeln, um ein Platz in der Sonne zu ergattern, hin zu einem Traumladen: Albert Heijn. Das ist ein stinknormaler Supermarkt, aber mit viel cooleren Sachen als bei uns. Zum Beispiel gibt’s kleingeschnitzeltes Obst in mundgerechten Happen oder frische Pizza im Kühlregal. Da gibt’s auch Smoothies in ungewöhnlichen Geschmacksrichtungen wie Mango-Birne-Minze. Aber das absolut Coolste, Yummieste üüberhaupt ist die Süßwarenabteilung, das fängt bei den Brotaufstrichen (Lotus = Karamalkeks) an, geht über die Gebäckabteilung mit Muffins, belgischen Waffeln und noch viel viel leckereren Karamelwaffeln, das Schokiregal (Rhabarberschoki!!) oder Lakritzregal. Ich hab selten so viele Sorten Lakritze in der Tüte und auf einem Haufen gesehen. Leuts, ich war ja schon n paar Mal in Maastricht, aber ich weiß echt nicht, warum ich nicht schon früher in diesen Laden gegangen bin. Er ist einfach ein Traum!

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Wir haben uns, neben den oben genannten Leckereien, noch mit einem Mädchenbier (Rote Beeren Bier) und Feuerzeug eingedeckt und sind wieder zurück zum Flussquai in die Sonne! Weil wir halt Mädchen sind, haben meine Freundin und ich eben NICHT das Bier mit dem gekauften Flaschenöffner aufbekommen und deswegen einen Typen gefragt. Der junge Mann sah ein bisschen aus wie Chandler aus friends und war unsere Rettung. Lockerlässig aus dem Handgelenk hat er uns die Flaschen geöffnet und wir haben es uns in der Sonne gut gehen lassen. SO kann man sein Wochenendbierchen sich auch schmecken lassen.

Unser Plan war ja, noch in Maastricht Abend essen zu gehen. Also haben wir uns nach unserem Bierchen und genug Sonnentanken auf die Suche nach einem preiswerten Restaurant gemacht. Die Wahl fällt etwas schwerer, weil es ja wie gesagt an jeder Straßenecke ein Lokal gibt und das in allen Varianten, von kleiner alternativen Kneipe hin zum Edelschuppen mit einer Armee von Gläsern und Besteckarsenal. Wir haben uns für das Eckrestaurant In de Tenne Kann entschieden, schön mit Straßenstühlen und guten Preisen. Und wir haben uns genau an die Ecke gesetzt und hatten volle Sicht auf eine kleine Kreuzung. Unterhaltung pur. Und wie schon am Anfang gesagt, wenn man die Speisekarte halbwegs versteht, aber trotzdem raten muss, was so manches bedeutet, weil man es vielleicht essen möchte, und wenn man dem Kellner, der gerade voll beladen am Tisch vorbei geht, auf die Teller gucken muss, hat unser Urlaubsfeeling nur vervollständigt. Wir haben unseren Abend bei Salat und Burger im Sonnenuntergang zu Ende gehen lassen ….

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