Offen für Abenteuer

Gestern habe ich nach Langem endlich wieder eine gute Freundin getroffen. Der Grund für die gefühlt ewige (aber eigentlich „nur“ 5 monatige) Pause war ein ganz einfacher: Meine Freundin war nicht da. Sie war unterwegs. In der Weltgeschichte. Viereinhalb Monate. Teils mit Freundinnen, teils alleine, teils mit Reisenden, die sie unterwegs getroffen hat.

Wo sie war? Ach, nur in Costa Rica, Los Angeles, Fidji, Australien und Neuseeland. Mehr nicht. Und natürlich wollte ich bei unserem Treffen alles wissen, was sie gesehen hat, was sie erlebt hat, was sie beeindruckt hat. Also fing sie an, zu erzählen. Zu Beginn war es noch ungefähr chronologisch, Costa Rica, Dschungel mit ner Freundin und Reisegruppe, von einer Küste zur anderen, inklusive Fahrten im öffentlichen Bus mit vielen Einheimischen, und – ganz wichtig – inklusive Faultier in freier Wildbahn.

Doch je mehr sie von ihrer Reise erzählt hat, desto mehr erzählte sie, was sie so erlebt hat: In LA hatte sie einen Private Guide, wie sie es nannte, der ihr eine ganz andere, entspanntere Seite von der Stadt gezeigt hat, so auch das Conservatory, direkt vor dem Hollywood Sign.

Danach ging es in ein Ressort auf einer einsamen Fidji-Insel, mit türkisblauem Meer, schneeweißen Stränden, Schnorcheltouren in einem wilden, freilebenden, kunterbunten Aquarium. Es gab sogar einen Bootsausflug, vorbei an der berühmten Insel Bounty, die mit ihren grünen Palmenwäldern auf dem weißen Sand über dem glasklaren Meer auftauchte. Sie hat mir ein Video gezeigt, wie die weiße Gischt über den Bootsrand hoch schoss. Es hat nur noch das kleine, weiße Kokospralinsche gefehlt, und der Kakadu. Danach hat sie mir noch ein Video gezeigt, auf dem die heimischen Mitarbeiter das Clublied gesungen haben. Und für einen Moment war ich auch mit an dem Tisch, an einem tropischen Abend, und lauschte den Männern in farbenfrohen Hemden mit exotischen Hibiskusblüten im Haar, die zur Musik klatschten und eine Lebensfreude ausstrahlten, die einfach ansteckend war. Vor allem das laute „BULA!“ (dt. „Hallo“), das am Ende des Songs rausgebrüllt wurde.

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Bei Pizza, Oliven und Wein erzählte sie mir von dem Roadtrip mit einem Camper durch Australien, mit einer Übernachtung auf einem Horror-Campingplatz mit gelb beleuchteten Klos oder mit einer abendlicher Märchenstunde am Lagerfeuer mit einem skurillen Outback Guy am Ayers Rock, der beim Erzählen die Figuren in den Sand gemalt hat.

Und mitten drin haut sie so einen Kracher nach dem anderen aus: Dass sie in Costa Rica eine Zipline-Tour mitgemacht hat. Nach der „Superman-Line“, bei der man gar nicht mehr selbstständig bremsen konnte, kam der „Tarzan Swing“ von einer schmalen Hängebrücke. Anweisungen des Guides: Zieh deine Beine an und spring! Und dann erst hat sie gemerkt, dass es 60 m freien Fall in die Tiefe geht. WOW! Voll krass.

Ich schaue sie begeistert an und bin selbst voller Adrenalin. Doch dann meinte sie, dass das gar nichts war: In Neuseeland ist sie bei über 11.000 Fuß aus einem Flugzeug gesprungen. Über einem Gletscher. Meine Kinnlade fiel runter und ich hab gleichzeitig gegrinst. WAHAAHNSINN! Ich will auch! Danach hat sie noch mal Paragliding von einem hohen Felsen gemacht, aber das war ein ganz Adrenalinschub und nicht ganz so aufregend wie der Fallschirmsprung.

Aber das ist noch nicht alles: Sie hat auch eine Kayakfahrt in Neuseeland auf dem offenen Meer mitgemacht, wo sie von Delfinen begleitet wurde, die um ihr Kayak herumsprangen und zum Anfassen nah waren. Dann gab’s noch eine Wildwasser-Rafting-Tour durch einen Fluss, der vom Regen so aufgeschwemmt und mitreißend war, dass aus der Anfängertour doch eine Herausforderung wurde. Während der Fahrt wurde sie nur mit einer Gummischlaufe am Fuß im Boot gehalten, während sie selbst auf dem Rand saß.

Dann war meine Freundin irgendwann noch mal auf einem Hochseeboot, das nachts von 20 „kleineren“ Haien umzingelt wurde. Und sie ist auf Bodyboards steile Sanddünen, quasi eine schwarze Piste, runtergerauscht. Ebenso ist sie auf Kanguruhs in Vororten gestoßen, die keinen Bock hatten, sich fotografieren zu lassen, ganz im Gegensatz von den kleinen Faultieren und Koalas, die wohl eher ihre Nähe gesucht haben. Sie hat sich erzählt, dass sie Dingos, Wale, Seebären, blaue Seesterne, Rennschafe und Pinguine gesehen hat.

Und das war nur die vielen Sachen, die ich mir merken konnte, dabei hat sie noch viel viel mehr erzählt, auch von Film-Locations wie die von „Herr der Ringe“ und dass sie in der Nähe von den Drehorten für „Cast Away“ und „Die blaue Lagune“ war.

Je mehr sie erzählte, desto mehr strahlten ihre Augen, desto tiefer war sie wieder in ihrer Reise drin, desto lebendiger wurden ihre Geschichten. Je mehr sie berichtete, desto gebannter lauschte ich ihr, je mehr Handybilder und Videos sie mir zeigte, desto mehr bewunderte ich ihre Reise und desto mehr wollte ich von ihren vielen kleinen Abenteuern hören, die sie erlebt hatte, die scheinbar kein Ende nahmen.

Für mich klingt ihre Weltreise nach einem unglaublich fantastischen Abenteuer, die in mir sofort meinen Reiselaunebär aus seinem Winterschlaf geweckt hat. Meine Freundin hat eine wunderschöne Zeit erlebt, die sie sich nicht nur verdient hat, sondern aus der sie das Beste für sich heraus geschöpft hat. Eine Zeit, die ihr keiner wieder nimmt, die für immer unvergesslich bleibt, dank der vielen Eindrücke, Erlebnisse und Menschen, die ihren Weg gekreuzt und sie ein Stück begleitet haben. Es ist eine Zeit, in der sie gelebt hat, wie sie es wollte, in der sie sich das angesehen hat, was sie wollte, aber sich auch hat treiben lassen, in der sie hat Dinge auf sich zukommen lassen.

Meine Freundin hat Abenteuer erlebt, die das Leben schreibt. Abenteuer, die jeder von uns erleben kann, wenn man ihnen eine Chance gibt, teil unseres Lebens zu werden. Das kann jeder von uns. Und keiner muss dafür unbedingt um die halbe Welt reisen (was aber auch megalcool ist). Ok, da auf der anderen Erdkugelseite ist es Sommer gewesen, das macht natürlich schon was aus. Ach egal. Was ich sagen will ist, dass meine Freundin einfach sich offen auf ihre Reise eingelassen hat. Wenn also jeder von uns nur ein bisschen sein Herz öffnet und mit einem wachen Blick durch die Straßen geht, auch hier im grad nasskalten Frühlingsgematsche, dann wird ihm sicherlich auch das ein oder andere Abenteuer begegnen. Wenn er es nur auf sich zukommen lässt und sich darauf einlässt.

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Liebe Freundin, vielen Dank noch mal für das hammer Foto von einer der Fidji-Inseln! *Neid*

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