Roma – Tag 3: Il Colosseo e Trastevere

An unserem letzten Tag haben wir uns rechtzeitig, gut, mein Freund würde „viiiiel zu früh“ sagen, den Wecker gestellt, um genau genügend Zeit für die übrigen Sehenswürdigkeiten zu haben. Aber kaum klingelte das Handy, hörten wir ein sanftes Rauschen. Und das war keine Dusche in einem Nebenzimmer, sondern der wunderbare Regen. Supa. Also haben wir uns in Ruhe unsere Sachen gepackt und abgewartet, bis es aufgehört hatte, so eine Stunde später.

Colosseo

Nach dem Auschecken und Koffer Unterbringen ging es endlich zum und vor allem ins Colosseo. Und selbst heute, an einem Montagmorgen, war schon viel los, nur die Touri-Warteschlange war noch kurz. Also waren wir dank des Kombitickets, das auch den Eintritt zum Palatino und Forum Romanum enthält, und dank der Already-Got-Ticket-Line schnell in den unteren Gängen des ehrwürdigen Monuments. Und schon hier, in den dunklen Eingangsgängen mit den Leuchtstrahlern und vorbei hastenden Touristen hatte mich die Magie des Colosseums gebannt. Hier sind früher alle Zuschauer lang gegangen, eilig oder quatschend, um sich eines dieser Circusspektakel zu geben. Ich konnte das Gewusel und Treiben richtig hören und irgendwie spüren.

Interessant waren auch die vielen kleinen Gruppen von Familien, Paaren oder Freunden zu beobachten, die von ihren privaten Reiseführern allerlei Geschichten rund um das Colosseo erzählt bekommen haben. Diese Gruppen waren überall verteilt und immer wieder habe ich ein paar Fetzen erhascht, mal in Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Holländisch. War schon cool, mal auf diese Weise was über das Bauwerk zu erfahren. Gut, das steht auch alles im Internet oder auf den Infotafeln, aber trotzdem….

Am aufregendsten für mich war der Moment, als wir die steilen Treppen (ja, die sind wirklich steil) nach oben in die ersten Ränge gestiegen sind und dann durch die restlichen, überragenden Steinbögen der Ränge in das Innere gekommen sind. Es ist beeindruckend (und) atemberaubend, wenn man den schmalen, schattigen Gang verlässt und vor einem sich das ganze Colosseum öffnet.

im Colosseum

Mit seinen hohen Rängen, die kaum zu erklimmen scheinen, wo die Zuschauer bis wirklich kurz vor knapp am oberen Rand saßen, mit seinem unterirdischen Labyrinth aus Gängen, Säulen und Zellen, in denen Gladiatoren, Sklaven und Tiere auf ihren Auftritt warteten, mit einer Bühne, die teilweise die Kellergänge überdeckt, um die Ebene der Zirkusspiele zu simulieren. Wir haben an der Reling gestanden, an dem inneren Ring, und alles ganz gebannt auf uns wirken lassen. Ok, es hat uns schon die Sprache verschlagen. Für mich war der zweite Besuch wie beim ersten Mal: Das Colosseum hat einen einfach um. Das Einzige, das ich vermisst habe, waren die Straßenkatzen, die vor Jahren noch durch die Ruinen streunten und echt tolle Fotomotive abgaben. Die Miezen haben irgendwas Heimeliges ausgestrahlt. Nur irgendwie fehlten sie jetzt. Aber das tat dem Imposanten des Colosseums keinen Abbruch. Für meinen Freund war es der absolute Hammer.

Hier stehen Mauern, die über 2000 Jahre Geschichte mitgemacht haben, hier fanden unfassbar blutige Kämpfe um Leben und Tod statt, die zur Unterhaltung der Bevölkerung (und zur politischen Sicherung der Caesaren*) dienten. Hier muss es zugegangen sein wie bei Rock am Ring, wie bei einem WM-Finale, wie wir dank eines einprägsamen Schaubildes gemerkt haben. Denn die Circusspiele gingen den ganzen Tag, von morgens bis nachts. Deswegen haben die Zuschauer ihr Picknick mitgebracht, es wurde in den Rängen gegrillt, geschlafen, gelacht, Karten gespielt, gestritten, geflirtet und vor allem gegessen und getrunken. Für Futter- und Getränkenachschub sorgten Händler und Stände in den inneren Gängen unter den Rängen, und das auf jeder Ebene. Allein von der Steile der Ränge her und eben diesem feuchtfröhlichen „Picknick mit Freunden und Familie“-Charakter haben wir uns sofort an das Baseballspiel in San Francisco erinnert gefühlt. Die Amis machen das heute noch so. Ob das Zufall ist?! Auf jeden Fall haben wir es wieder: Die Römer kleckern nicht, sie klotzen.

Kellergänge im Colosseo

Als wir dann langsam um die Ränge gelaufen sind, haben wir immer neue Winkel und Perspektiven in und auf das Gemäuer entdeckt, und daher unendlich viele Fotos gemacht. Vor allem mein Freund: Fotos von sich und dem Colosseum, von uns und dem Colosseum, vom Colosseum allein, in der Totale (soweit es ging), von den Gängen, den Rängen, der Bühne, dem Triumphbogen vor dem Colosseum… Und damit es nicht langweilig wird, gibt es noch eine zweite Ebene, und die ist direkt auf Höhe der Bühne. Und je weiter wir in dem Denkmal umherspazierten, desto trockener und sonniger wurde es und desto mehr Möwen und Sittiche flogen über die hohen Ruinenränder….

Und auch wenn sich an dem Monument rein gar nichts geändert hat, außer, dass jetzt von der unteren Ebene aus alles noch viel höher, steiler, tiefer und imposanter wirkte, so blieb die unendliche Ruhe und Grazie, die das Colosseum ausstrahlte, und uns damit in seinen magischen Bann zog. Es war wie eine Zeitreise in die Antike, in die Zeit der Caesaren, der Gladiatoren und Sklaven, in die Zeit, als Rom die halbe Welt erobert hatte (bis auf ein kleines Dorf in Gallien).

Colosseo

Schließlich hatten wir jeden Winkel abgelaufen und mein Freund alles fotografiert, und deswegen sind wir weiter. Unser nächstes Ziel war die Tiberinsel auf dem Weg nach Trastevere. Es ging vom Piazza Venezia in die kleinen Gassen der Altstadt, dieses Mal wirklich nach unserem Bauchgefühl, weil wir schon mal hier waren und alles ganz vertraut wirkte. In diesem Teil der Altstadt sind die Gassen so eng, dass die Sonne nicht das Kopfsteinpflaster erreicht und nur die oberen Etagen der Häuser erleuchtet hat. Es war traumhaft schön und vor allem ruhig, weil fast menschenleer. Nur als wir gen Tiber sind, wurde es durch den regen und schnellen Autoverkehr wieder lebendiger.

Doch einmal auf der Tiberinsel, ist man wieder in einer kleinen eigenen Welt. Die ist allerdings sehr gut besucht, vor allem von Touristen, die sich in den Cafés ihren ersten Kuchen schmecken ließen. Mittags um 12. Naja, man gönnt sich ja sonst nichts. Auf der vom rauschenden Fluss umgebenen Insel steht eine eindrucksvolle Basilika mit einem angebauten Krankenhaus, das von Mönchen betrieben wird. Laut dem Reiseführer wurden hier früher schon kranke Pilger und Sklaven versorgt.

Tiberinsel

Aber ich wollte meinem Freund noch den für mich romantischsten Teil der ewigen Stadt zeigen, der genau auf der anderen Seite der Tiberinsel liegt, quasi unterhalb vom Vatikan auf der Landkarte: Trastevere. Wieder einmal sind wir mutig durch den wartenden, brummenden, unvorhersehbar rollenden Verkehr über die Straße, dann einmal über einen kleinen Platz mit Kneipen und zack waren wir in den Gassen von Trastevere. Hier steht irgendwie immer die Zeit still. Die braunen, roten oder terracotta farbenen Häuser mit sehr rustikalem Charme (ich glaub, manche haben nur einmal ihre Ursprungsfarbe gesehen, und zwar beim Anstrich vor zig Jahren), jedenfalls diese charmanten Häuser scheinen sogar im warmen Sonnenschein zu schlafen, vielleicht dösen sie aber auch nur.

Trastevere

In den engen Gassen von Trastevere gehen Hunde alleine Gassi, ein Streuner hat uns ein Stückchen begleiten, die Autos parken am Rand, direkt an der Hauswand, und trotzdem bleibt kaum Platz für den Durchgangsverkehr, der über die unebenen Kopfsteinpflastern rattert. Hier wachsen kleine Dschungel über den Garagen, an Balkonen, Brunnen und vor Hauseingängen. Hier plauscht man noch ausgelassen mit dem Nachbarn. Hier schütten Omas ihre Putzeimer auf die Straße und meckern irgendwas in schnellem Italienisch. Als wir so durch die Gassen geschlendert sind, auf der Suche nach einer kleinen Kneipe, haben wir geglaubt, dass wir in einem italienischen Dorf in der Toscana sind. Aber hätten wir es nicht besser gewusst, hätten wir niemals gedacht, dass wir in der Hauptstadt des Landes. In Trastevere plätschert das Leben ohne Hast so vor sich hin.

Trastevere

In der Via delle Luce (naja, hell war’s da nicht so…) ist mein Freund mal kurz in einem Laden verschwunden, der von außen an eine Metzgerei erinnerte, weil er von oben bis unten gefliest war und recht steril wirkte. Aber im Schaufenster waren nur Tüten und Bleche gefüllt mit Plätzchen und Keksen in allen Varianten. Der Laden war eine Biscottificio Innocenti – eine Plätzchenbäckerei. Kein Wunder also, dass es eine Weile dauerte, bis er mit einer Tüte buntem Gemischten wieder rauskam. Aber hallo, waren die Kekse lecker, mit Pistazien, mit Marmelade oder Nutella gefüllt, halb mit Schoki überzogen… oder einfach pur. Aber yum!

Fröhlich leckere Biscotti schnurpsend ging es im Zickzack durch das Gassenlabyrinth, über die Hauptstraße mit der Straßenbahn in das nächste Wirrwarr aus kleinen Straßen, wo wir an diversen individuellen Läden und kleinen Tavernen vorbei geschlendert sind. Schließlich haben wir uns für eine Mini-Pizzaria entschieden, die gerade erst geöffnet hatte. Dort gab es Pizza bianchi (ohne Tomatensauce) mit Kartoffeln und mit Zucchini. Und ja, Kartoffeln auf ner Pizza schmecken.

So schön es auch in Trastevere war, wurde es für uns Zeit Abschied zu nehmen und gen Flughafen aufzubrechen. Also sind wir langsam durch die schönen Straßen Roms mit seinen Brücken, knatternden Mofas und kleinen versteckten Läden, den hohen Häusern und Fensterläden in Richtung Hotel.

 Foro Trajano

Foro Trajano

Unsere letzte Station war das Foro Trajano, wo wir auch schon an unserem ersten Abend waren. Und zwischen den beeindruckenden Ruinen und Überresten des alten Roms habe ich endlich das entdeckt, das ich die ganze Zeit in der Stadt vermisst habe: Eine Straßenkatze. Vor neun Jahren bevölkerten ganze Rudel die berühmten Ruinen der Fori und des Colosseos und wurden von den Anwohnern gefüttert. Doch irgendwie waren dieses Mal keine Katzen mehr da. Bis auf diesen einen fetten schwarzen Brocken von Kater, der seelenruhig auf einem Stein geschlafen hat und den die Besucher nicht ein bisschen gejuckt haben. Ich war echt glücklich, dass es sie doch noch gibt, die Straßenkatzen Roms, und der Stadt noch etwas Gemütliches geben.

Straßenkater

Dann ging es für uns zum Termini, schön die Via Cavour bei 20 Grad und Sonnenschein rauf, mit den Trollis im Schlepptau… Da merkt man wieder, dass Rom auf sieben Hügeln gebaut wurde. Und ein bisschen Abschiedsschmerz hatte ich schon, als der Leonardo-Express durch die Ruinen der Stadtmauer und den Graffitti besprühten Häuserwänden an den Gleisen aus der Stadt rollte. Ich schaute auf meine Fotos, die ich gemacht hatte, und sah wieder den fetten, schwarzen, schlafenden Kater. Rom, du hast immer noch deine wunderschönen Seiten und Momente, die es nur hier bei dir gibt. Ich denke, wir kommen wieder.

_____

* Wer Latein hatte, und ganz besonders Latein bei Herrn Müller-Wetzel, der weiß, dass Caesar ein Titel ist und soviel wie Kaiser bedeutet. Und ja, Kaiser ist die Übersetzung von Caesar, die beiden Worte werden gleich ausgesprochen. So, wieder was gelernt….

Und wer alle drei Lateinkurse bei Herrn Müller-Wetzel hatte, kann heute noch auf die Melodie von „Summ, summ, summ, Bienchen summ herum“ das Verb esse (sein) im Präsens, Imperfekt und Konjunktiv singend konjugieren. Sum es est sumus estis sunt; fui fuis fuit fuimus fuitis fuerunt; sim sis sit simus sitis sint. Aber den Text vom Bienchenlied kann ich nicht mehr. Na, ein bisschen Schwund ist immer. (zurück zum Text)

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