Roma – Tag 2: Gelati, Villa Borghese & Aqua (2)

Am Vormittag von unserem zweiten Tag in bella Roma waren wir schon in den Ruinen des Palatinos, den Gassen um den Fontana di Trevi und haben die Architektur des Pantheons bestaunt. Den ganzen Bericht gibt’s hier. Kein Wunder also, dass wir mal ne Verschnaufpause brauchten, bevor wir uns weitere Eindrücke von der ewigen Stadt holten.

Am Nach-Mittag stand Folgendes auf dem Programm:

Gelateria Giolitti

Nach einem absolut leckeren Mittagessen in einer rustikalen Weinbar an einem Platz in der Nähe des Pantheons sind wir meinem Reiseführer gefolgt. Und zwar in die Via degli Uffici de Vicario, und zwar Hausnummer 40. Ist in der engen Gasse gar nicht zu verfehlen, allein schon wegen der vielen Menschen, die aus der Tür heraus bis auf die Gasse Schlange stehen. Hier ist die Gelateria Giolitti, die älteste Eisdiele Roms. Neben Eis ham die auch andere köstliche Süßigkeiten. Guckt mal hier.

Giolitti

Aber Eis können die. Alter Falter, was die alles an leckeren Sorten haben! Wahnsinn! Für mich war die Schlange nicht lang genug, um jede einzelne Sorte lesen zu können. Aber was ich so gesehen habe, war ein Traum: Schokolade, Pfirsich, Amarena, Nutella, Vanille, Joghurt, Pistazie… Ja, alles recht klassische Sorten, aber die farbigen Eisberge haben mir das Wasser im Mund zusammen laufen lassen. Wie soll man sich da nur entscheiden?!?! Dafür sorgen die sechs Verkäufer, die sich hinter der Theke drängen, schick im einheitlichen Barber-Shop-Look, und einen wie am Fließband bedienen. Kurz: Ich hatte einmal Vanille und einmal Himbeere, mein Freund Nutella und Tiramisu. Vor der Tür haben wir dann vorsichtig am Eis geschleckt. Sobald die Zunge das Süße berührt hat, war ich weg: WOW! Ich hab noch nie in meinem Leben so vanilliges Eis gegessen! Das war noch besser als Vanillepudding von Oma. Und das Himbeereis war wie eine einzige ewig fruchtige Himbeere im Waffelhörnchen. Und das Nutellaeis von meinem Freund war wie wenn man mit der Zunge einmal durch’s Nutellaglas schleckt. *Hach* Ein Megatraum! Wir waren im siebten Himmel. Zufriedend, dauergrinsend und Eis schleckend sind wir zum Piazza del Popplo vorbei am Augustus-Mausoleum, das eher wie ein grüner Hügel mit verrostetem Gitterzaun aussieht.

Villa Borghese

Die Villa Borghese liegt direkt oberhalb vom Pizza des Poppolo. Dieser Platz mit seinem markanten Obelisken liegt genau gegenüber des Piazza Venezia, wo die Schreibmaschine thront. Dreht man sich zu der Straße in der Mitte um, die durch die beiden Zwillingskirchen führt, sieht man das weiße Teil. Bäm! Und diese mittige Straße ist der berühmt berüchtigte Corso (Via del Corso), die Ladenmeile, an der und um die sich die Haute Couture Designer und andere Läden aneinander reihen. Aber dahin kommen wir später noch mal.

Piazza del Poppolo

Nachdem wir uns auf dem Piazza del Poppolo einmal im Kreis gedreht haben, sind wir zur Villa Borghese hoch gelaufen. Die Villa ist übrigens kein Protzhaus, sondern ein großer Park mit Seen, Kunstmuseum, Brunnen und antiken Statuen. Die bekannte Aussichtsterrasse des Parks, Il Pincio, sieht man schon vom Piazza del Poppolo aus, erkennbar an den bunten Touristen, die sich an dem Geländer aufreihen. Nun ja, der kurze Aufstieg ist recht steil, aber es gibt noch einen etwas sanfteren Weg über eine Anfahrtsstraße. Aber einmal oben schnaufend angekommen, egal, wie, lohnt sich der Ausblick von Il Pincio voll. Unter uns erstreckte sich das bunte Häusermeer Roms, mit all seinen Kuppeln, läutenden Kirchtürmen, grünen Hügeln, kleinen Terrassen und natürlich der Schreibmaschine. Die kann man einfach nicht übersehen. Hinter uns spielte ein Straßenmusiker Lieder von Bruce Springsteen und lockte damit eine kleine Fangemeinde an.

Aussicht von der Villa Borghese

Musiker und seine Fans

An dem Sonntag waren viele Familien und Touristen in der Villa unterwegs und genossen die gemeinsame Zeit auf den Bänken, in dem kleinen Jahrmarkt mit Fressbuden, Luftballonverkäufern und Kinderkarrussell oder bei einer Fahrradtour unter den Alleen aus alten knochrigen Bäumen. In dem Park ist man wirklich in einem kleinen Paralleluniversum, denn je weiter man den Wegen in das grüne Gelände folgt, desto weiter scheint man sich von der pulsierenden Stadt zu entfernen und in eine andere Welt abzutauchen.

Auf einer Brücke hatten sich ein paar Jugendliche zum Inlineskaten verabredet. Aber nicht nur um oll im Kreis zu dümpeln, sondern aus voller Fahrt über 1,50m hohe Hürden zu springen, oder einbeinig im Salom in einem Affenzahn um kleine Hütchen zu rasen. Wir haben da bestimmt ’ne halbe Stunde lang zugesehen, immer mehr Passanten sind stehen geblieben und haben wie wir bei jedem Anlauf mit den Skatern mitgefiebert und applaudiert. Das war ein reiner Nervenkitzel. Hat sehr viel Spaß gemacht. Und das Schöne war, dass wir hier nicht als Tourist aufgefallen sind, sondern mit Einheimischen zusammen ein begeistertes Publikum waren.

Skater im Park

Wir sind dann weiter und wieder runter zur imposanten Villa Medici (dieser Familie, die mal halb Europa regiert hat). Gegenüber dieser Villa kann man vom Fußweg mit seiner kleinen Mauer in die nah angegrenzenden Wohnhäuser blicken, die von den Straßen unterhalb nach oben ragen. Hier saßen Touristen oder Einheimische in der Sonne bei einem Pläuschchen. Aber ich habe die Aussicht in die kleinen Gassen, auf Balkone und Dachterrassen genossen. Hier zeigt Rom für mich eine sehr private Seite. Und wenn man wie ich auf die kleine Mauer steigt, hat man einen wunderbaren Schnappschuss von der privaten Seite. Einfach wunderschön.

Rom

Die Spanische Treppe

Eigentlich wollten wir dann die breite Spanische Treppe herunterschlendern, aber irgendwie war wohl Restaurationszeit. Jup, genau, die Treppe war ebenfalls abgesperrt und wurde grundgereinigt. *Dödöm* Na wenigstens hatte ich in meinem Reiseführer gelesen, dass Keats 1821 in einem kleinen Hotel an der Spanischen Treppe gestorben ist. Also haben wir uns auf die Suche nach eben diesem Hotel gemacht. Und ja, ich bin ein Freak. Nachdem wir dreimal um rechts die Ecke gelaufen sind und dann am Brunnen direkt vorm Bauzaun vor der Spanischen Treppe standen, habe ich das kleine orangene Hotel mit gelben Sandsteinecken und barocken Fensterverzierhungen dank dem fetten Banner (Keats-Shelley-House) gefunden, direkt am rechten Ende der Treppe. Nur irgendwie war ich die Einzige, die sich wie n Kloppi gefreut hat, das Haus gefunden zu haben, in dem der englische Dichter gewohnt hatte, um seine Tuberkulose zu mildern. Mein Freund hat nur die Augen verdreht und hat sein Glück versucht, indem er eine Münze direkt in die Mitte des Brunnens vor der Spanischen Treppe geworfen hat – Volltreffer. Ja, ok, war schon cool.

Spanische Treppe

Shoppingmeile

Wir sind dann weiter mit den anderen Haufen Touristen durch die Shoppingstraßen an und um den Corso. Selbst am Piazza di Spagna tummeln sich die Designerläden, aber gucken geht ja immer. Der Corso war an dem Sonntag autofrei, und voller Menschen, die anscheinend den verkaufsoffenen Tag ausgiebig genutzt haben. Doch in den Seitenstraßen ging es. Für mich waren die Häuser am schönsten, die in hellen warmen Farben die breiten, sauberen Straßen säumten. Auffällig war hier, dass viele restauriert waren, also der schrabbelige Charme fehlte, den man sonst so aus den engen Gassen der Altstadt kennt. Trotzdem habe ich hier auch wunderschöne, barocke Verzierungen oder Statuen an den hohen Fenstern und Eingangstoren entdeckt. Ab und zu gab es einen kleinen, grünen Balkon und in jedem Erdgeschoss leuchtete ein kleiner Laden mit italienischen Lederwaren, Schreibwaren, Süßigkeiten, Souvenirs oder Schmuck. Ach, hier gibt’s alles, ihr müsst euch einfach nur durch die Straßen treiben lassen.

Shoppingviertel um den Corso

Ein paar Brunnen Roms

Nachdem ich ein paar Pinocchio-Magneten mit Krüppelfüßen gekauft hatte (ja, voll süß, aber auch irgendwie völlig gaga-touri-like), haben wir noch ein paar Brunnen abgegrast, die wir sehen wollten. Der wunderschöne Fontana di Trinone steht auf dem Piazza Barbini, der von mehreren stark befahrenen Straßen umgeben ist. Auch hier ist Mut angesagt: Einfach laufen – wenn nichts kommt. Der Platz an sich ist nicht wirklich spektakulär, aber der kleine (und einzige) Brunnen ist schon bemerkenswert, mit Triton in der Mitte, der in sein Muschelhorn trötend auf einer Muschel oder Welle sitzt, die auf Fischschwänzen thront. Ja, klingt irgendwie verrückt, aber der kleine Brunnen hat Charme und gibt dem sonst weniger aufregenden Platz das gewisse Etwas. Übrigens: Der Fontana di Tritone ebenfalls von dem gleichen Architekten, der den Brunnen auf den Piazza Navonna geschaffen hat.

Fontana di Tritone

Wir sind dann weiter in Richtung Regierungsviertel, in dem die riesig bombastischen Palastklötze stehen, mit ihren eindrucksvollen Toren, Türklopfern und Einfahrten. An der dichten Kreuzung Via delle Quattro Fontane und Via del Quirinale findet man an den Häuserecken, die zur Kreuzung zeigen, vier Brunnen. Deswegen ja der Name der Straße Quattro Fontane… Jedenfalls sind die Barockbrunnen reich verziert und zeigen die Götter Arno, Tiber, Diana und Juno meist unter einem üppigen Baum oder Grün liegend. Und als wir uns umgeschaut haben, haben wir in drei Richtungen am Ende einen Obelisken erkennen können. Die Römer haben sich also auch hierbei was gedacht und eine wichtige Straßenkreuzung an ihrer Mitte und den Enden imposant markiert. Wie gesagt: In Rom wird nicht gekleckert, sondern geklotzt.

einer der 4 Brunnen

Letzter Brunnenstop an diesem Tag war der Fontana delle Naiadi, kurz der Najaden-Brunnen am Piazza Nazionale. Der große Brunnen zeigt auf den ersten Blick halbnackte Jungfrauen, die sich im Wasser aalen. Und Pferde. Aber nachdem ich noch mal genauer „recherchiert“ hab *hüstel*, weiß ich jetzt wer diese diese Najaden sind. Das sind die halbnackten Jungfrauen, die wir besser als Wassernymphen kennen. Für mich ist das einer der schönsten Brunnen Roms, weil er einfach eine gewissen Ruhe und Eleganz ausstrahlt. Als ich hier gesessen habe, kreiste der Verkehr um mich herum, aber irgendwie war er gar nicht so präsent wie das Rauschen des Wassers neben mir, dessen feiner Sprühregen vom Wind zu mir geweht wurde. Und man kann von dieser kleinen Insel in aller Ruhe den Verkehr und die Hektik auf den Straßen beobachten.

Piazza del Quirinale

Auf dem Heimweg zu unserem Hotel sind wir die Via Nazionale herunter gelaufen, vorbei an dem riesigen, neoklassizistischen Museum Palazzo delle Esposizioni. Das Teil ist wirklich beeindruckend mit seinem Eingangsbereich. Da konnte ich nur staunend vorbei gehen. Um abzukürzen, bog mein Freund mit mir hinter dem Museumsklotz rechts ab, stieg die Stufen rauf, umrundete einen kleinen Park und kurz darauf standen wir auf dem fast menschenleeren Piazza Quirinale, gut erkennbar an dem Obelisken. Und den Soldaten. Jap, hier im Quirinalspalast wohnt der italienische Präsident und die Einfahrt wird streng bewacht. Für mich war aber der Blick durch die offenen Fenster in einem Seitenflügel des Palastes interessanter: Hier befinden sich anscheinend die Soldatenunterkünfte und dort wurde gerade laut gelacht und Karten gespielt. Die militärische Strenge vom Eingangsbereich war jäh dahin und irgendwie hatte dieses Lachen und Spielen was sehr Sympathisches, was mir mich schmunzeln ließ.

Aber das mit den Soldaten war nur so am Rande. Viel eindrucksvoller war der Blick gen Westen, zwischen den Häuserdächern hindurch. Dort am anderen Ende der Stadt leuchte die Kuppel des St. Petersdoms am immer dunkler werdenen Abendhimmel. Und selbst von Weitem hebt sich der Dom von den anderen Dächern ab, nicht nur durch seine protzende Architektur, aber auch durch seine hellgraublaue Farbe und die goldgelben Lichter, die die Kuppel filigraner wirken ließ als den Rest der Stadt. Und als wir gerade den Anblick genossen, tropfte es langsam vom Himmel.

St. Petersdom

Regen in bella Roma

Ich so: Och nö, ne?! Den ganzen Tag hatte das Wetter gehalten. Also haben wir uns aufgemacht, direkt ins Hotel zu gehen und nicht weiter durch die Gassen zu bummeln. Tja, kaum waren wir 500 m gelaufen, wurde aus den paar Tropfen ein leichter Regen. Wir haben gehofft, dass der eh gleich wieder aufhört. Weitere 800 m weiter hat es richtig angefangen zu gießen und ein Gewitter zog auf, schön mit Donner und so. Wir haben uns mit allem bedeckt, das wir dabei hatten: Schal, Kapuze, mehr war’s auch nicht, weil wir beide natürlich – so schlau wie wir waren – unsere Schirme im Hotel liegen ließen. Irgendwann schüttete es dermaßen aus den dunklen Wolken über uns, dass wir uns in einem Ladeneingang unterstellen mussten. Gut, wir waren eh schon klatschnass bis auf die Knochen, inklusive eingeweichter Schuhe und Socken. Und während wir da so warteten, dass der Regen weniger wurde und wir die letzten 500 m zu unserem Hotel schaffen konnten, kam ein fliegender Händler mit einem aufgespannten Schirm vorbei: „Umbrella?“ Und wir so: No, thanks. Was sollten wir mit einem dritten Schirm?! Vier Türeingänge weiter hörten wir wieder: „Umbrella?“. Na ja, es schüttete dermaßen, dass im Rinnstein vor uns ein kleiner, mitreißender Fluss den Hügel abwärts rauschte.

Regen in bella Roma

Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde es irgendwie doch weniger Regen (jedenfalls glaubten wir das) und wir huschten – patsch-schlürf-quietsch-patsch – in unser Hotel. Dort trockneten wir alles, was ging, mit dem Fön im Bad, aber so Stoffschuhe dauern, bis sie die Wärme überhaupt erst mal annehmen. Selbst am nächsten Tag hab ich noch die dumpfe Nässe an meinen Socken gespürt.

Nach einer Stunde war das meiste kaum getrocknet, aber der Regen war weg. In trockenen Klamotten und feuchten Schuhen ging es in eine kleine Pizzeria um die Ecke. Und nach dem gemütlichen Abendessen unter dem Heizstrahler sind wir noch durch die ruhigen Gassen zum Colosseum gelaufen, das nachts in seiner vollen Schönheit erstrahlte. Ohne die Massen an Touristen wirkte es noch ruhiger und friedlicher als tagsüber. Und auch nachts hatte dieses Monument für mich einfach etwas Atemberaubendes und Faszinierendes. Ich finde es noch schöner als tagsüber, weil es in der Dunkelheit noch kraftvoller und mysteriöser scheint. Und wieder habe ich mich gefragt, was dieses Denkmal alles schon erlebt hat….

Colosseum bei Nacht

Nach den vielen Eindrücken des Tages sind wir gemütlich ins Hotel geschlendert, und haben die restlichen Sachen getrocknet.

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