Mein Leben mit Om

Wenn mir einer letztes Jahr im Frühling gesagt hätte, dass Yoga gut für mich ist, hätte ich ihn ausgelacht und einen Vogel gezeigt. Ja, nee, ist klar. Voll der spirituelle Eso-Kram, mit diesen komischen Räucherstäbchen und dauerentspannten Leuten, die sich komisch verrenken und dabei noch vor sich hinbrummeln. Nee, danke, lass mal.

Jedenfalls hab ich so gedacht, bis zu einem Zeitpunkt, an dem mir auffiel, dass ich in meinem Leben einen Ausgleich brauche, einen Ausgleich zum Runterkommen für meinen Körper. Als ich nach Yoga-Unterricht für absolut ungelenke, völlig nicht-sportliche, total unmuskulöse Vollblut-Anfänger gesucht habe, war Cher von Yogamia die Einzige, die mir geduldig meine zahlreichen Fragen beantwortet hat. Gut, letzten Endes konnte mein innerer Schweinehund mich eben nicht mehr davon überzeugen, es nicht zu tun.

Und so stand ich völlig skeptisch vor meiner ersten Yoga-Stunde an der Anmeldung. Nervös füllte ich das Antragsformular aus, tippelte schüchtern durch das kleine, aber sehr warm eingerichtete Studio, nahm mir eine Matte und ein Kissen und richtete mich für die erste Stunde ein. Ehrlich gesagt, habe ich mich immer wieder gefragt: Was machst du hier eigentlich? Na, das kann ja heiter werden… Doch dann ging es los und es gab kein Zurück mehr. Ich floss das erste Mal 90 Minuten durch seltsame Stellungen mit verrückten Namen wie Herabschauender Hund, Kleine Cobra, Brett und Krieger 2 und machte ein Löwengesicht. Und ich schnaufte und schwitzte wie ein Pferd. Alter, war das anstrengend. Ich habe so gut es geht die Übungen mitgemacht, aber natürlich hat es hier und da oft gewackelt, ich bin mit den Knien eingefallen und hab gemerkt, dass ich so gar keine Kraft in den Armen habe. Am Ende gab es sogar drei Om, in die alle Yogis eingestimmt haben. Nur ich hab mich noch nicht ganz so getraut….

Aber nach der Stunde ging es mir deutlich besser: Ich fühlte mich erleichtert, irgendwie befreit und vor allem locker und entspannt. Und im Endeffekt war es überhaupt nicht so schlimm wie ich gedacht hatte. Das war letzten Herbst, als ich Yoga die Chance gegeben habe, in mein Leben zu treten.

Yogamia Studio

Heute muss ich es rumdehen: Ich bin unendlich dankbar, dass ich die Chance ergriffen habe und immer noch ergreife, Yoga zu machen. Denn Yoga hat mein Leben nachhaltig verändert. Und darüber bin ich mehr als glücklich.

Cher und ihr Team lehren nicht nur die verschiedensten Asanas (Übungen) und Pranayamas (Atemübungen), sondern stellen jede Stunde unter ein bestimmtes Motto, auf das man in der Stunde den Fokus rückt. Dabei geht es um Weisheiten über den Sinn des Daseins und des Lebens. Und egal, wie, jede Woche passen die Themen haargenau in meine momentane Lebensituation. Das liegt daran, dass die Themen sich hauptsächlich um die eigene Selbstwahrnehmung drehen.

Denn im Yoga liegt das Hauptaugenmerk auf mir selbst, auf meinem ruhigen Atemfluss, der die Bewegungen durch die Übungen bestimmt. Der Lebensatem sozusagen, der das Tempo vorgibt. Und je tiefer und ruhiger ich ein- und ausatme, desto langsamer mache ich die Asanas und desto bewusster führe ich sie aus. Dabei bin ich vollkommen auf mich konzentriert und vergesse den Alltag und die Dinge, die mich sonst so beschäftigen. Wenn man Yoga macht, dann macht man das nur für sich und in seinem Atemrhythmus und seinem kleinen Kosmos von 2×0,6 m (der Matte). Mehr braucht man nicht, um vollkommen bei sich selbst zu sein.

Dabei ist es am Anfang völlig schnurz, wie sauber man die Übungen ausführt. Der Feinschliff kommt später von ganz allein, wenn man sicherer wird, mit seinem Atem und die Übungen halt kennt. Glaubt mir, ich weiß, wovon ich rede. Am Anfang konnte ich beim „Herabschauenden Hund“ meine Beine nicht durchdrücken. Mittlerweile ist das kein Problem mehr. Jetzt arbeite ich daran, mit den Fersen auf den Boden zu kommen. Im Yoga gilt sowieso, dass man eben auf seinen Körper hört und nur soweit geht, wie es angenehm ist. Und die rechte Seite lässt sich anders dehnen als die linke. Jeder hat so seine Schokoladenseite und das ist zu akzeptieren. Es ist so wie es ist. Man lernt, besser auf seinen Körper zu achten und was einem gut tut, wie weit man gehen kann, und das muss nicht immer der bittere Muskelschmerz sein, sondern es reicht schon eine normale Dehnung. Beim Yoga muss nichts perfekt sein, außer deine Überzeugung, dass du dir selbst etwas Gutes tust, wenn du Yoga machst.

Seit einem knappen halben Jahr mache ich fast täglich Yoga, bestimmt fünfmal die Woche, im Schnitt 30 Minuten. Wenn ich nicht bei Cher im Studio bin und jede Stunde neue Asanas oder Varianten davon kennenlerne, dann trainiere ich die Übungen, die ich schon kenne, zu Hause auf meiner grünen Matte. Dass ich dabei ins Schwitzen komme, ist mir ganz recht, denn das reinigt.

Was mir aber noch viel wichtiger als das Reinigen ist, ist, dass ich in den 30 Minuten ganz für mich bin, tief in mich reinhöre und mich zu meinem Wohl austeste. In der Yoga-Zeit finde ich meine Auszeit und meinen Ruhepol, aus dem ich meine Energie für den ganzen Tag schöpfe. Da fahre ich meine Gedanken vollkommen runter und konzentriere mich nur auf mich. Und ich merke nach wie vor, wie gut es mir tut, mit meinem Atem durch die Asanas zu fließen und mich zu dehnen, zu twisten, sämtliche Muskeln anzuspannen und auch mal nichtstuend in Shavasana rumliegen zu können. Denn in Shavasana entspannt nicht nur der Körper, sondern auch der Geist. Beim Yoga geht es auch um die Harmonie von Körper und Geist, der Vereinigung von beidem, weil beide unwiderruflich zusammen gehören.

Dennoch muss ich auch sagen, dass ich ohne Cher und ihren inspirierenden, herzlichen, wirklich angenehmen und lehrreichen Yoga-Unterricht nicht am Ball geblieben wäre. Sie und ihr Team haben mir die nötige Durchhaltekraft und Stärke gegeben, damit ich den Fokus in meinem Leben auf das lenke, was wirklich wichtig und wertvoll ist. Ich danke euch!

Cher & ich

Cher & ich

Heute schwärme ich Yoga-Skeptikern von Yoga vor, erkläre, um was es wirklich dabei geht, nämlich um einen selbst. Ich mein, Yoga gibt es seit über 2000 Jahren, da muss doch was an den Lehren dran sein, oder? Durch das tägliche Üben bin ich fitter, energiereicher und fühle ich mich entspannter und ausgeglichener. Ich bin einfach glücklicher. Und ich hab jetzt sogar richtige Muskeln aufgebaut, an den Stellen, wo ich nie dachte, dass ich dort welche habe, hihi.

Und heute singe ich das Om beim Yoga laut mit, auch für mich allein. Denn die Vibrationen des Oms, die während des Singens durch den Körper gehen, beruhigen ungemein, wie das Schnurren einer Katze (und die kann sich ja mittels Schnurren schneller heilen). Ok, ab und zu wird ein Räucherstäbchen im Studio angezündet, aber das stört mich keineswegs. Ich richte mich dann auf meiner Matte ein und freu mich darauf, was die für mich letzte Yoga-Stunde in Köln wieder mit sich bringt. Das ist nämlich jedes Mal eine wunderschöne Überraschung.

Namasté!

Advertisements

2 Antworten zu “Mein Leben mit Om

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s