SUPen auf’m Zürisee

Nein, ich hab keine Probleme mit der Tastatur… SUP ist die Abkürzung für Stand Up Paddling, und das Suffix „-en“ soll ein Verb andeuten. Kurz: Ich hab Stand Up Paddling gemacht. Wat dat is? Man steht auf einer Art Surfbrett, und hat ein Paddel in der Hand, das man wie die Gondoliere in bella Venezia in das Wasser taucht, um sich vorwärts (oder rückwärts oder seitwärts) zu bewegen.*

Zürisee

Und wie kommt man bitte auf so ne Idee? Öhm, über ne Freundin? Sie hat das einmal gemacht und fand das so spaßig, dass sie eine andere Freundin gefragt hat, die hat mich gefragt und ich hab noch n Mädel mitgenommen. Zack, waren wir vier Weiber, die sich an einem heißen Nachmittag mitten unter der Woche am Seebad Enge, direkt am Zürisee, zum SUPen getroffen haben. Zwei von uns vieren waren blutige Anfänger, ja ich auch, die Initiatorin hat das SUPen bereits einmal gemacht, die Vierte hatte schon mehr Erfahrung (das hat man später gesehen…).

Gut, an der Kasse haben wir im Austausch gegen CHF35 für eine Stunde Paddeling jeweils ein Schloss für die Umkleide und einen doppelseitigen Wisch bekommen, auf dem wir unterschreiben mussten, das wir die „Verkehrsregeln“ auf’m See und zum SUPen sowie die Risiken verstanden haben. Da stand was von wegen Schwimmwesten, immer der Wasserschutzpolizei Folge leisten, irgendwas blinkt bei Sturmwarnung, Schiffe haben immer!! Vorfahrt, nicht in die Hafeneinfahrt fahren, im Schwimmbereich des Seebads selbst sitzend oder knieend paddeln und – ganz wichtig – maximal 300 m vom Ufer entfernt sein. Von welchem Ufer war da keine Rede. Ach, und die Finne am Brett ist sehr scharf – Verletzungsgefahr!

Nachdem wir uns umgezogen und kurz gewartet hatten, wurden wir von dem Bademeister kurz eingewiesen. Das hat keine drei Minuten gedauert. Zum Einstellen des Paddels hielt er seine Hand ungefährt 10 cm über den Kopf und meinte, so lang muss das Paddel ungefähr sein. Blöd nur, wenn man keinen Zollstock oder Spiegel dabei hat, um das abzumessen… Dann gab’s noch grobe Lenkanweisungen (zweimal links eintauchen, dann einmal rechts, dann wieder zweimal links etc. für „gerade aus fahren“) und zack befestigte ich mit einem Klettverschluss unter meinem Knie die Sicherungsleine für das Brett. Von Schutzweste keine Spur. Und dann ging’s wackelig auf’s Brett, schnell hingesetzt und dann halbwegs paddelnd vom Einstieg weg, damit die anderen Mädels auch „aufsteigen“ konnten.

Als wir alle unser Brett unter unseren Knien hatten, sind wir durch das Seebad auf den See gepaddelt. Das Wetter war traumhaft: ein heißer Sommertag, der See dunkelblautürkis, überall kleine Boote mit Sonnenschirmchen, oder so Pedalbötchen, ein paar Segelboote und die Ausflugs- bzw. Fährschiffe. Am Horizont ragten die Alpen mit ihren schneebedeckten Spitzen gen stahlblauen Himmel, die Sonne strahlte richtig. Und zwischen den Bötchen und anderen Schwimmern waren wir mit unseren Brettern.

Die zwei Profis unter uns standen schnell auf dem Brett und dann mussten wir ja auch aufstehen…. Alter Falter war das wackelig. Für die anderen muss mein Anblick was von ner kotenden Katze gehabt haben: Steif in den Beinen, leicht nach vorne gebeugt, ja nicht bewegend, um mit beiden Beinen das Gleichgewicht zu halten. Anfangs hatte ich echt Probleme damit. Denn als ich beim Paddeln die eine Seite mehr belastet hab, durch das Paddeleintauchen, bin ich automatisch leicht in die Richtung gewankt und hatte Probleme, das mit der anderen Seite auszugleichen. Dazu kommen noch die Wellen der anderen Boote oder vom Brunnen… Ich hatte richtig Wackelpudding in den Beinen und manchmal wackelte es auch wie ein Kuhschwanz. Es sah anfangs also sehr elegant aus, während die eine Vollprofi-Freundin elegant beim Eintauchen des Paddels in die Knie ging und husch an einem vorbei floss.

Dank meiner wackeligen Beine dauerte es auch nicht lange bis zum ersten Platscher. Der See war erfrischend und gar nicht so kalt wie die Limmat. Das sagte dann auch die andere Freundin, ebenso Anfängerin, als sie auch mal unfreiwillig im Wasser landete.

Nach meinem Tauchgang waren meine ersten Gedanken: Scheiße, wie kommst du jetzt wieder auf das Brett? Hilft ja nichts, irgendwie musste ich ja wieder hoch. Grazil wie eine dicke Elfe bin ich also wieder auf’s Brett gerobbt, so schnell es ging. Außerdem wollte ich ja weiter üben und zu den anderen Mädels aufschließen, ich war schließlich letzte.

Und je mehr ich da so SUPte, desto stabiler wurde der Stand, desto mehr hatte ich den Dreh raus, also gerade aus nach vorne zu paddeln. Von Wenden oder gekonnt lenken war da mal gar keine Rede. Aber wir Mädels haben auf dem See immer wieder Pausen gemacht, dabei gequatscht, das Wasser genossen, die Aussicht, und wir haben natürlich ausprobiert, wie das jetzt so mit dem Paddel funktioniert, wenn man das mal anders rum eintauchte oder in die Gegenrichtung paddelte. Ist Wahnsinn, was dann passiert, aber Achtung: Nicht das Gleichgewicht verlieren. 😀

Immer wieder sind wir die „Regeln“ durch, die wir ja unterschreiben mussten. Irgendwie wussten wir die so halb, aber nicht genau, was damit jetzt wirklich gemeint war. Nicht weiter als 300 m vom Ufer weg, aber von welchem? Wir haben jedenfalls in der Nähe der Wasserschutzpolizeistation Pause gemacht. So falsch war das vielleicht nicht. Sonst hatten wir die Regeln schnell vergessen, außer die mit „Schiffe haben immer Vorfahrt!“, die war einfach zu offensichtlich. Denn kam mal so n Schiffchen an, dann gab’s ordentlich Wellen, die wieder unser Stehvermögen auf die Probe gestellt haben. Aber trotz einiger Wackler konnten wir Anfängerinnen den Wellen am Ende gut standhalten. Mit der Zeit wurden es mit dem Stehen und einigermaßen koordiniertem Paddeln besser, am Ende war sogar fast routiniert – also was das vorwärts Paddeln betrifft *hüstel*

Sanfte Kollisonen mit den Brettern der anderen Mädels gab es trotzdem, sobald es an die feinere Koordination mit links, rechts oder gar rückwärts ausweichen ging. Irgendwie erinnerte mich das an meinen ersten (und einzigen) Skikurs in der 7. Klasse, auf der Gerlosplatte… wo ich immer alle anderen umgefahren hab. Ja, das mit dem Anhalten bzw. seitwärts zum Berg Stehen war nicht so meins… Sorry!

Baden am Zürisee

Alles in allem hat mein erste mal SUPen megaviel Spass gemacht. Egal wie wackelig man das erste Mal da auf dem Brett steht, es macht einfach super Laune, die einen grinsend ins Wasser plumsen lässt. Und es ist mal ne ganz andere Art, Baden zu gehen.

Aber für Ungeübte ist auch mega anstrengend. Abends auf dem Street Food Festival haben wir das gemerkt, als wir alle irgendwie immer müder wurden, ruhiger, die Augen fast zu fielen und jeder irgendwie bekundete, wie platt er doch von dem bissl Paddeln ist. Wir waren um 9 wieder zu Hause, weil einfach platt. Dafür hatte ich zwei Tage danach Muskelkater – aber nur im rechten Oberschenkel.

* Fotos folgen. Ist halt n bissl schwierig beim ersten Mal auf’m Brett gleich noch Fotos zu machen… :p

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