Elbeschippern nach Pillnitz

Am nächsten Morgen ging es früh(er) raus, weil wir ja was Besonderes vor hatten: Elbeschippern mit einem 90 Jahre alten Raddampfer. TschuTschu! Abfahrt war 10 Uhr und ich drängelte meinen Freund, weil er wieder bummelte und mir nicht glaubte, dass wir 30 min früher am Anleger sein müssten. Tja, er musste es dann glauben, als wir die ganzen Rentner (Sorry, meine liebe Familie) da haben in einer fetten Menschentraube stehen sehen. Die waren schon ganz ungeduldig, dass die Matrosen doch mal endlich alle auf’s Schiff lassen sollten. Und schon vom Anleger aus, noch vom Land aus gab es Anweisungen, wo denn bitte ein gutes Plätzchen erhascht werden soll. Und kurz vor 10 wurden die Leute auf Schaufelraddampfer namens Dresden (kein Witz!) gelassen, der drittälteste der ganzen Schaufelraddampferflotte. Wir selbst waren inmitten all dieser Rentner und haben mit den paar anderen Jüngeren den Altersdurchschnitt auf vielleicht 40 senken können. Trotz der plötzlich rüstigen Rentner, die mal hurtig ihr Wunschplätzchen ergattert hatten, konnte mein Freund noch vorne links an Deck ein Plätzchen sichern.

Pole Position

Pole Position

Kurz nach 10 legte unser Raddampfer mit einem lauten TSCHUUUTSCHUUU ab und erschreckte uns das erste Mal an diesem Tag. Die Fahrt war einsame spitze, weil man einfach wirklich gemütlich so vor sich hinschipperte, das tiefblaue Elbewasser unter einem glitzerte und rauschte, die Sonne strahlte, und alles irgendwie gediegen und ruhig war, so ruhig, dass man fast wieder einschlief (was mein Freund auch zwischenzeitlich machte… )

Unsere zweistündige Dümpelschipperfahrt ging vorbei an der berühmten, weniger hübschen Waldschlösschenbrücke (mit sichtbarer gleichnamiger Brauerei mit ihrem ziegelroten Dach), den drei Elbschlössern, die wirklich kurz nacheinander kommen und deren Gärten, laut den Touri-Infos, die durch die Lautsprecher schallten, miteinander verbunden sind. Das wirklich Märchenhafte an diesen Schlössern war ihre Hanglage, direkt an kleinen Weinbergen mit Blick auf die blaue Elbe mit ihren Elbwiesen gegenüber. Ein Schloss gehörte Sohn vom August dem Starken (der in Dresden mal voll der Oberking war), das zweite gehörte wohl dessen Diener und da hat später mal der Odol-Erfinder drin gewohnt und das dritte gehörte mal einem Engländer, deswegen wurde es im neugotischen Schick errichtet. Insgesamt wirklich traumhaft schöne Schlösser, deren Besitzer man einfach um ihre Lage beneidet. Einmal Prinzessin sein…. *hach*

Elbschlösser

Elbschlösser

Egal, die Schifffahrt ging lustig weiter, direkt unterm Blauem Wunder durch, vorbei ganz vielen Dörfchen mit edlen Villen und Bauernhäusern. Hier gab’s sächsische Idylle pur: An den Ufern schien die Welt noch in Ordnung als hätte sich seit Jahrhunderten nichts geändert. Genau die Gemütlichkeit, die wir auf dem Elberaddampfer in der heißen Sommersonne spürten, spiegelte sich in den verschlafenen Orten, die wie die Häuschen einer Modelleisenbahnlandschaft liebevoll an die Ufer drapiert wurden. Entspannung pur.

Diese gemütliche Dümpelfahrt endete am Schloss Pillnitz, dessen Eingangstreppe bis ans Wasser reichte, damit der gute August auch mal schön gediegen aussteigen kann. Das gelbe Wasserschloss war komplett mit blauen, chinesischen Motiven verziert. Exotisch wollte August der Starke sein, denn er musste halt wieder mal vorm Hof protzen. Außerdem hat er das Teil seiner Geliebten Gräfin von Cosel geschenkt, aber als die es am Hof verbockt hatte, hat er das Schlösschen wieder für sich beansprucht und da wohl berauschende Sommerfeste gefeiert.

Schloss Pillnitz

Schloss Pillnitz

Heute gibt’s im Schloss während den Sommermonaten immer eine Kunstausstellung. Die haben wir uns aber geschenkt, und sind nur in den Park. Und der lohnt sich echt, die 3 Euro sind da gut angelegt. Da kann man ins Palmenhaus, wo es nicht nur drückend heiß ist und lauter exotische Pflanzen, Palmen, Blümchen wachsen, sondern auch kleine Wachteln rumrennen, quietschen und sich in Sand wälzen, voll süß. Wegen den kleinen Viechern wollte ich gar nicht mehr aus dem Palmenhaus raus.

im Palmenhaus

im Palmenhaus

Aber der Park hat noch viel mehr zu bieten. Direkt am u-förmigen Schloss, was an die typischen französischen Schlösser wie den Louvre oder Versailles erinnert, da gibt’s den franzöischen Garten, schick angelegt, mit allerlei farbigen Blumen und Brunnen.

Weiter hinten im Park wird es englischer, da gibt es scheinbar wild gewachsene, große Bäume aus aller Herren Länder, die in der Sonne kühlen Schatten spendeten, und viele verwinkelte Wege, die alles irgendwie romantisch, zauberhaft und einfach gemütlich machten. Nach einem Abstecher zum chinesischen Teich mit seinem chinesischen Pavillon sind wir an der größten Kamilie der Welt vorbei, die ein großer dunkelgrünblättriger Busch ist. Wären da nicht so viele Leute gewesen und der Glasbau, der im Winter um die Kamelie gesetzt wird, wäre ich glatt dran vorbei gelaufen. Aber wenn sie mal blüht, irgendwann im Februar, sollen die Blühten die Attraktion schlecht hin sein, weil groß und weltweit einzigartig. Gut, müssen wir wohl im Winter wieder her.

Kamelie

Kamelie

Am englischen Teich mit seinem niedlichen Tempel hab ich mich gleich wohl gefühlt. Durch die Fenster konnte man in das bunte Innere des Pavillons blicken: Ich hätte nie gedacht, dass Babyblau, Pastellaltrosa und rot-beige-gescheckter Fliesenboden so elegant aussehen können. An den Wänden und der Decke waren weiße Stuckverzierungen mit Elementen aus der Natur und der griechischen Mythologie. Einfach traumhaft. In meiner Heimat Aschaffenburg steht am Pompejanum auch ein kleiner Pavillon mit ähnlichem Dekor, aber der ist ganz so prachtvoll gewesen. Zwischen den alten Bäumen mit ihren knochrigen und bemoosten Stämmen wurden wieder Märchenträume geweckte. Die Sonne brach sich in den Blättern und zauberte ein Lichtspiel auf den grünen Rasen. Es fehlten nur noch ein paar Elfen.

Engischer Pavillon

Engischer Pavillon

Wieder zurück im französischen Teil des Gartens sind wir vorbei an zwei fetten Pfauenstatuen aus Pflanzen und einem bunten Gewürzgarten mit allerlei Gartenkräutern und anderen Küchengewürzen. Nach einem letzten Rundgang durch den Schlosspark direkt am Schloss haben wir uns auf die Treppen an der Elbe gesetzt, die August der Starke einst empor geschritten ist. Vor uns glitzerte die glasklare Elbe, so klar, dass wir leicht bis auf den sandig schlammig braunen Grund schauen konnten, wo sich zig Fische tümmelten.

Fischis

Fischis

Schließlich kam unser Dampfer (Grafin Cosel), der uns zurück nach Dresden brachte. Dieses Mal ging es stromabwärts und damit schneller als bei der Hinfahrt. Dafür gab es dieses Mal die Skyline von Elbflorenz at ist best zu bewundern. Am strahlend blauen Himmel und in der Spätnachmittagssonne zeichneten sich die Türme und Kuppeln majestästisch ab. Zusammen mit der Hitze und all der Sonne hätte ich echt glauben können, im italienischen Florenz zu sein. So wunderschön. Doch leider hat auch die gemütlichste Raddampferschippertour ein Ende.

Elbflorenz

Elbflorenz

Etwas dösig von der Sonne und der gediegenen Fahrt gingen wir wieder an Land. Und weil mein Freund unbedingt noch zum Goldnen Reiter wollte, sind wir über die Augustusbrücke auf die andere Seite der Elbe, wo am anderen Ende der Brücke der Goldene Reiter in der Sonne strahlte. Aber wirklich. Im Kontrast zu den dunklen Bauten und Brunnen, die um den Platz standen, leuchtete das Denkmal richtig, goldener ging es fast gar nicht.

Hey, hey, hey, ich war der goldene Reiter….

Hey, hey, hey, ich bin der goldene Reiter….

Den restlichen Abend haben wir bei einem gemütlich, leckeren Abendessen beim Mexikaner ausklingen lassen, inklusive Fußballgucken für meinen Freund. Leider war der Mexikaner nicht ganz so lecker wie der in Three Rivers in der Nähe vom Sequoia National Park. Aber nach dem ruhigen und entspannten Tag war das der perfekte Abschluss. Auch für unseren Besuch in Dresden, denn am nächsten Tag ging es weiter in meine Geburtsstadt.

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Eine Antwort zu “Elbeschippern nach Pillnitz

  1. Dresden ist wirklich eine Reise wert! Wir waren dieses Jahr mit ganz lieben Freunden dort und wir sind bestimmt nicht das letzte Mal in Dresden… Gespannt sind wir auf die Eindrücke aus deiner Geburtsstadt… Liebe Grüße!

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