Weimar und Besuch bei Goethe

Nach einem kurzen Besuch in meiner Kindheit und im Studium, ging es weiter nach  in Goethe’s Hood.

In Weimar angekommen, haben wir nahe dem Schlosspark geparkt. Das Stadtzentrum ist nur für Anwohner befahrbar und sonst autofrei, weil historischer Stadtkern. Das Gute am Parken in der Leibnizallee war, dass es kostenlos war. Das weniger Gute: Wir durften dann unsere Trollis schön über das Kopfsteinpflaster und Kies durch den Park in die Stadt zu ruckeln. Nicht empfehlenswert, hätte ich selbst drauf kommen können. Dafür war unsere Unterkunft, die Ferienwohnungen Mariposa keine fünf Minuten vom Schloss und keine zwei Minuten vom Marktplatz weg, also mega zentral. Gut, Weimar ist jetzt nicht die Millionenstadt und gut zu Fuß erkundbar. Im Studium sind wir vom Bahnhof aufm Berg, ok Hügel, oder vom Parkplatz vor den Stadttoren in die Stadt gelaufen. Ist also nicht so weit. Nur dieses Mal haben wir in der Stadt auch übernachtet. In Marktplatznähe. Der Markt wird von seinem Rathaus (dem dritten überhaupt) im neo-gothischen Stil überthront und erinnert eher an einen italienischen Palazzo. In meinen Studienzeiten habe ich erst den Prunk des Rathauses erkannt, es sticht mit seiner graubraunen Steinfassade einfach aus den glatten hellen und pastellfarbenen Häusern hervor. Vorm Rathaus ist der Marktplatz, auf dem man immer kleine Stände findet, vereinzelt, aber da gibt’s immer was, vor allem den obligatorischen „Original Thüringer Bratwurst“-Stand.

Marktplatz, Weimar

Im Zentrum scheint die Zeit für mich immer stehen geblieben zu sein, weil die meisten Häuser (bzw. auch deren Fassaden) aus dem 18. Jahrhundert stammen. Oder anders: Ich habe immer den Eindruck, dass die Stadt so wie sie heute ist zur Zeit Goethes und Schillers ausgesehen haben muss. Abgerundet wird das historische Stadtbild von Pferdekutschen, die Touris durch die Gassen juckeln. Die Haupthaltestelle ist der Frauenplan direkt vorm Goethehaus. Für mich hatte Weimar immer was Gemütliches, was Beruhigendes, eben weil hier die Zeit stehen geblieben ist. In der Stadt gibt es nichts Hektisches, hier gehen Touristen wie Einheimische bummeln (ok, außer wenn es regnet). Und für mich hat sich seit meinem ersten Besuch mit dem Deutsch-LK und seit dem Studium nicht viel verändert, die Stimmung der alten Zeit ist bis heute noch präsent.

Mein Freund wollte erst mal das typische Touri-Programm durchziehen und das geht nichts über das Goethehaus. Es ist ein prachtvolles Haus, das mit dessen Fassade den Frauenplan, den Platz davor, dominiert. Goethe hat aus einem Vorder- und Hinterhaus ein großes Haus gemacht, in dem er eine Verbindungsbrücke zwischen beide Häuser bauen ließ. Das war damals völlig verrückt. Zack, war ne fette Stadtvilla geboren. Gut, Goethe hatte ja das nötige Kleingeld.

Goethehaus

Bei den Gardaroben kam uns schon der erste Schwarm gelangweilter Schüler entgegen, die genötigt wurden, sich das Wohnhaus des bekanntesten deutschen Schriftstellers anzusehen, inklusive des halbstündigen Biografiefilms. Ich musste schmunzeln, weil ich da selbst auch durch musste, mit dem Deutsch-LK, und irgendwie taten mir die Kiddies leid. Und ich mir auch – ich werde langsam alt, weil ich mehr als einmal freiwillig in Goethes Haus zurückgekommen bin. Mit dem Audioguide wurden wir in jedem Zimmer auf dessen Funktion, Goethes’ Leben und Sammelleidenschaften aufmerksam gemacht. Ja, LeidenschaftEN. Alter, Falter, was hat der Mann in seinem Leben alles gesammelt: Kunstdrucke, Gipsgüsse von berühmten Figuren der Antike (war damals voll modern), Steine (ok, Mineralien), Bücher, italienisches Porzellan, Musikstücke, Pflanzen… Und unabhängig von einander haben mein Freund und ich gemeint: Goethe war ein Messie. Ja, er hat durch seine Sammlungen viel zum Erhalt der Kultur aus der Zeit beigetragen, aber uih, da war ganz schön arg viel Zeug. Besonders gefallen hat mir der Garten, den vor allem seine Frau Christiane, mit der 18 Jahre lang in wilder Ehe gelebt hat (skandalös!!), mit allerlei Nutzpflanzen, Kräutern und Blumen angelegt hatte. Noch heute ist der Garten ein kleiner Ruhepol und ich konnte beim Durchschlendern nicht glauben, dass ich im 21. Jahrhundert bin.

Goethes Garten

Nach dem Kulturprogramm ging es mit meinem Freund durch die verwinkelten Gässchen der Altstadt, vorbei an bunten, manchmal etwas schiefen Häuschen mit versteckten Läden, hin zum Theaterplatz, wo direkt vorm Theater der Johann und der Friedrich zusammen stehen und ein sehr beliebtes Fotomotiv sind. Und als wir so durch die Gassen und durch die Prachtallee Schillerstraße bummelten, vorbei an Schillers Haus (das im Vergleich zu Goethes einfach nur abstank, der Arme hatte einfach keinen großzügigen Gönner und war nicht so erfolgreich wie Goethe), also, als wir da so bummelten, habe ich mich wieder wie damals bei meinen Besuchen als Studentin gefühlt, alles wirkte vertraut und ich musste mich wieder daran erinnern, dass ich am Abend nicht nach Jena zurückfahre, sondern in Weimar bleibe und übernachte.

Theater

Schillerhaus

Zum Abschluss sind wir an der Anna Amalia Bibliothek und Fürtstenpalast vorbei geschlendert, da hat Goethes Gönner gewohnt, und sind noch den obligorischen Abstecher durch den Schlosspark an Goethes Gartenhaus vorbei spaziert. Das Gartenhäuschen und das Schloss habe ich noch nie von innen gesehen, was ich bis jetzt nicht bereut habe, aber hmm, vielleicht beim nächsten Mal. Nach einer kurzen Runde Ausruhen musste ich noch kurz Ossi-Zeug kaufen, also Süßkram, Knusperflocken, Nudossi, Halorenkugeln, Sarotti-Schoki, Bamibi, Schokolinsen, Vita-Cola… Ich war wie im Schlaraffenland, hihi, mein Freund schüttelte nur den Kopf und grinste, als ich wie ein kleines Mädchen voll aufgeregt an der Kasse stand.

Schloss, Weimar

Zum Abendessen ging es in meinen Lieblingsladen, in dem ich bei fast jedem Besuch in Weimar essen war, seitdem wir mit dem Deutsch-LK 2001 hier waren: in der Crêperie du Palais. Da isst man typisch französische Galettes (herzhafte Pfannkuchen aus Buchweizen) und süße Crêpes mit anderen leckeren franzöischen Delikatessen. Der Laden selbst sieht aus wie ein französisches Café und hat seinen ganz besonderen Charme. Und es ist verdammt lecker hier. Und so haben wir unseren Besuch in Weimar so ausklingen lassen wie ich es immer gemacht hatte. Lecker, satt und glücklich. Das war der letzte Abend auf unsere Tour d’Est und wir haben die Woche nochmal Revue passieren lassen. Es waren so viele Eindrücke in doch recht weniger Zeit, so dass wir noch einige Zeit davon geredet haben. Ob wir so was nochmal machen würden? Schau mer mal: wir planen gerade unseren Sommerurlaub für dieses Jahr. Mal sehen, wo es uns dieses Jahr hinverschlägt, ich hab schon mal ne Liste gemacht…

Fazit

Die Tour d’Est war keine Pauschalreise in den Süden oder in die Ferne, nicht wie sonst, eine Fewo mit Mietwagen und Strändeabklappern, sondern ein normaler Roadtrip mit dem eigenen Auto über 1100 km in eine Richtung (und auch zurück), mit mehren Stops in verschiedenen Kulturen.

Auch wenn es ähnlich viel wie ein normaler Urlaub gekostet hat und auch anstrengender war, alle ein bis zwei Tage weiterzuziehen, möchte ich es weder missen, einen Teil von der Heimat meines Freundes noch ein bisschen besser kennengelernt zu haben, noch meinem Freund meine alte Heimat zu zeigen. Ich war und bin stolz darauf, ihm meine Heimat zeigen zu dürfen, ich bin nach wie vor glücklich, dass ich mit ihm zusammen da war, dass ich mit ihm nochmal das erleben durfte, das ich als Kind, Schülerin und Studentin schon erfahren habe, zu einer Zeit, als wir noch nicht zusammen waren (und wo ich noch mit Nichten daran gedacht hab, meinen Freund mal hierher zu „schleppen“). Und ich fand es wunderschön, mit ihm all die Erlebnisse und meine Erinnerungen von damals zu teilen. Ich hatte ihm schon einiges vorher erzählt, aber auf unserer Reise haben sich die Geschichten mit Bildern gefüllt und das freut mich. Danke, dass du mitgekommen bist.

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