Die US-1 bis zum Ende nach Key West

Gestern haben wir am Flughafen Miami unser Auto (Chevy Cruze in quietschrot…ja, ich weiss…) abgeholt und sind dann erst mal von Ampelkreuzung zu Ampelkreuzung aus Miami rausgerollt, um dann die Interstate US-1 nach Key West zu cruisen. Nach Florida City stellte sich schon Key-Feeling ein, weil sich links und rechts der Strasse das türkis-blaue Meer zeigte.

Ab Key Largo gab es für mich nach und nach Karibik-Feeling: Überall Palmen, am Strassenrand reihten sich großzügig bunte Häuser in blau, weiss, gelb, rosa, pink, orange, türkis, grün mit weissen Fensterrahmen und teils wehenden amerikanischen Flaggen davor, in den Vorgärten gibt es blühende Büsche, daneben oder dazwischen gibt es viele Bootslagerstätten, hier und da Kitschläden mit so viel Krimskrams vor der Tür, der einladend wirken sollte, mich aber eher abschreckte (so viel Krempel!!), dann sieht man natürlich viele Hotels  – tschuldigung – Resorts, Sea Food Restaurants und Cafés mit handgeschriebenen Schildern, an der Strasse stehen bunte Briefkästen oder in Form von Manatees oder Delfinen, die auf ihren Schwänzen aufrecht balancieren… Also alles, was ich mir so klischeehaft vorgestellt habe. Einfach toll.

Key Largo
Key Largo

Wir sind weiter den grauen Highway gen Horizont mit hohen Bauchewolken gedüst, zwischendrin warf die Sonne helle Flecken auf den Asphalt und brachte das Meer links und rechts der Strasse in allen Schattierungen von Türkis und Blau zum Leuchten – so weit das Auge reicht. Wir haben Pelikane, viele Möwen, kleine Fischerboote, Angler auf Brücken gesehen und auch gemerkt, dass es abseits der Hauptstrasse eher rustikaler wird.

Je weiter wir nach Westen gekommen sind, desto schicker die Buden. Besonders auf Duck Key, einer sehr hübsche Insel, stehen viele elegante, bunte Einfamilienhäuser mit Veranda, weissen Fensterläden, keinem Verkehr, so dass die Hunde einfach so auf der Strasse herumlaufen konnten.

Die Brücken, die die Keys miteinander verbanden, hatten oft und von da hatten wir den besten Ausblick auf die Palmenskyline der nächsten Insel mit ihren hellen Häusern am Ufer, aussen rum das Meer aus türkis-blau Tönen mit weissen Wellen, Komoranen, Pelikanen und Möwen. Und jedes Mal kam ein „Ey, ist das schön hier! Mach mal Foto!“ aus meinem Mund gefluscht.

Auf der letzten Insel vor Key West, Big Pine Key, wollten wir, ja, ok nur ich wollte das, in das Key Deer Visitor Center. Das kommt rechts nach 400 m nach der Kreuzung, an der es deutlich ausgeschrieben ist. Gut, wir sind aber daran vorbei gefahren, weil ich dachte, es kann nicht in dem Shoppingcenter da sein…doch war’s. Dafür sind wir den Key Deer Blvd lange, laaaaange gen Norden gefahren, um dann am Blue Hole Trail Parkplatz wenden zu wollen. Nach kurzer Überlegung sind wir doch ausgestiegen und haben den Teich (Blue Hole) begutachtet. Ja, ok, es gab keine Krokodile und keine Schildkröten, dafür schwarz-orangene oder grüne Piepmatze, Libellen, weisse Kraniche.

Blue Hole

Lukas lief vor und ich hörte es links neben mir rascheln, keine 3 Meter entfernt: Da stand eins der Key-Rehe und schnuppelte Gras und Grün von den Zweigen. Die Ricke hatte ihre Ruhe weg, sie sah uns und hatte uns immer im Blick / Gehör, war aber tiefenentspannt. Nach dem Fotoshooting sind wir noch ans andere Ende vom Teich, war jetzt genauso wenig aufregend wie die andere Seite. Als als wir an die Stelle zurückkamen, wo die Ricke war, und da war dann der Bock dazu, ein junger Bock, der sehr alarmiert und nervös war. Es stellte sich heraus, dass der junge Mann zur Rehdame gehörte, die ihn dann mit Küsschen (kein Mist) begrüsst hat und dann war der Herr auch ruhiger.

Key Reh
Key Deer
Key Rehe

Die Rehdame kam dann bis zu Lukas und beschnupperte ihn, um ihn dann links liegen zu lassen und am nächsten Grashalm zu knabbern, keinen Meter hinter uns. So nah waren wir noch keinem wilden  (lebenden) Reh in freier Wildbahn gekommen. Wir waren ganz fasziniert von den Tieren, die uns in ihrer Nähe duldeten, mehr oder weniger.

Dann ging es weiter nach Key West, einmal aussen rum, aber sobald wir in den historischen Teil kamen, hatte mich die Insel sofort in ihren Bann gezogen; kleine bunte Holzhäuser mit weissen Rahmen, Veranda, die verzierte Borden hatten und Schaukestühle, in den Gärten wuchsen wild Blumen und blühende Büsche, Palmen und andere tropische Pflanzen säumen die Strassen. Jedes Haus hier ist so gestaltet, manche haben noch eine Glastür im Jugend- oder viktorianischen Stil, die Zäune weiss getüncht und bunte Pflanzen akkurat gesetzt. Traumhaft schön. 

In den engen, begrünten und ich finde sehr sehr heimeligen, urgemütlichen Nebenstrassen laufen immer wieder Hähne und Hühner mit Küken frei herum. Einer war im Baum… Unsere Unterkunft Douglas House sah auch so aus wie die anderen historischen Häuser, hellblau, gelb und rosa mit weissen Fensterläden und Fensterrahmen. Unser grosses, sehr sauberes Zimmer hatte seine eigene Veranda, sehr sehr schick. 

Nach dem Einchecken und Frischmachen sind wir zum Sonnenuntergang am Mallory Pier geeilt, vorbei am Hemingway House, das man übrigens für Privatevents buchen kann, vorbei an dem Leuchtturm, ebenso an den immer grösser werdenden, villenartigen Häusern, die an die Plantagenvillen in den Südstaaten erinnerten und auch einen solchen Charme ausstrahlten mit ihren davor verwucherte und verwurzelten Bäumen. Am liebsten hätte ich gern alles fotografiert, aber die Sonne wartete ja nicht.

Hemingway House

Wir sind gerade noch rechtzeitig gekommen, um die zweite Hälfte der orangenen Sonne am Horizont wie ein nasser Sack Kartoffeln sinken zu sehen. Plumps, weg war sie. Aber das Licht mit den rosa-orangenem Schimmer am babyblauen Himmel und den rosa und lila Wolken, das war schon wie auf einem Kitschgemälde und so so schön romantisch.

Sunset 1
Sunset 1

Das haben wir genossen und sind dann über den Mallory Pier mit seinen Strassenkünstlern und Bars in Imbisswagen bis zur Hauptstrasse Duval Street gelaufen. Und da ging die  Lutzi ab: Läden, Schmuck, Souvenirs, Henna Tattoos, Süssigkeiten, Bademode, Edelboutiquen, Strandmoden, Gallerien und jede Menge Bars, Kneipen, Restaurants mit viel viel Live Country Musik. Hier tummelten sich die Leute und es kam etwas Malle äh…Karibik-Feeling mit einer Gelassenheit und Fröhlichkeit auf. Das entspannte und fröhliche Flair zog uns sofort an. Mal ganz abgesehen von den traumhaft süssen Holzhäuschen, die sich hier hübsch beleuchtet aneinander reihen. Selbst der Walgreens ist in einem Kino der 30er untergebracht, überall gibt es Lichterketten, die Laternen stammen gefühlt aus dem letzten Jahrhundert, die Menschen hier sind im Sommerurlaubsfeeling und hach ist das schön hier. 

Zu Abend gegessen haben wir in der Conch Shack – es gab Fisch oder so. Wir hatten frisierte Fischbällchen, Backfisch und noch irgendwas „Fisch vom Tagesangebot“ (wir denken, es war Tintenfisch), natürlich alles im Teig und frittiert, dazu Fries und diverse leckere Sossen, scharf, mild, mit Limone, Knoblauch, mit Gemüsegedröhns und was weiss ich (oder besser: ich will nicht wissen, was da drin war…). Danach sind wir die Duval Street bis zu unserem Gästehaus geschlendert und müde, aber sehr glücklich und satt ins Bett geklettert (ja, das ist recht hoch hier).

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