Ab in den Süden – Plantagen ahoi

So langsam kamen wir dem Endpunkt unseres zweiter USA-Abenteuers näher. Wir liessen Baton Rouge hinter uns und fuhren weiter gen Süden, gen Golf von Mexiko und gen New Orleans. Nur sind wir nicht den direkten Weg über die Interstate 10 gefahren, das wäre ja zu einfach. Nee, wir sind den Highway LA18 (Landstrasse) gefahren, der River Road, direkt am Mississippi lang, der so ziemlich die ganze Fahrt hinter einem Damm verdeckt war. Das machte aber nichts, weil die LA18 durch die einsamen Weiten von Louisiana führte, vorbei an Bungalows oder heruntergekommene Hütten, kleinen Dörfer mit vielleicht 20 Häusern, aber jedes mit Kirche und jedes zweite gefühlt mit einem Wasserspeicher, vorbei an Ölraffinerien, die sich wie stählerne Dinosaurier am Strassenrand aufbäumten, und auch über hohe Mississippibrücken, von denen man tatsächlich mal den Mississippi sah.

Aber die LA18 hat noch eine andere wunderschöne Seite Louisianas zu zeigen: die alten, majestätischen Zuckerrohrplantagen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die sich am Ufer des Mississippis aneinanderreihten, als ob sie um die schönste Aussicht auf den Fluss wetteiferten. Natürlich konnten wir nicht alles Herrenhäuser und Plantagen besichtigen oder daran vorbeifahren. Wir haben am Houmas House einen knappen Fotostopp gemacht und einen etwas längeren Stopp bei der Postkartenplantage schlecht hin: Oak Alley Plantation ($25 Eintritt). 

Das ist die wohl bekannteste Plantage, die man besichtigen kann, aber auch die vollste, und die Touristen versammeln sich schon auf dem Parkplatz. Gescheite Fotos kann man erst machen, wenn man den Eintritt gezahlt hat. Da wir aber noch eine andere Plantage auf dem Plan hatten, gab es hier nur einen kurzen Pipistop. Aber hinter dem Klohäuschen sieht man schon die ersten riesigen Eichenbäume, die sich wohl seit Jahrhunderten dort ausbreiten. Die sind schon atemberaubend. Und man sieht die Allee, die zum Plantagenhaus führt – von der Seite. Quasi grosse schöne Bäume und keine Sicht aufs Haus. Jedenfalls nicht von da. Hihi.

Houmas House
Oak Alley Plantation

Wir hatten aber noch von einer anderen Plantage gehört, mein Tandem-Partner hatte mir davon erzählt: The Laura Plantation (Eintritt $25). Eine Creole-Plantage da am Fluss und die einzige, die es jetzt noch gibt. Nach langem hin und her abwägen, haben wir uns für die Laura Plantation entschieden und sind weiter gefahren. 

Also ab zur einzigen Creole-Plantage in Louisiana. Creole heisst, dass der- oder diejenige europäische Wurzeln hatte, aber in Louisiana geworden wurde und französisch sprach. Und die Laura Plantation wurde von eben so einer Familie im gebaut, Zuckerrohrnanbau auf einer Fläche von 5000 Hektar, so um 1800. Im Gegensatz zu den grossen, majestätischen, weiss gehaltenen mit pompösen Säulen gesäumten und Balkonen eingerahmten Platanen-Villen, hat die Laura-Plantage nur eine Balkonveranda und schmale Säulen, die um das Haus fühlen. Das Besondere an dem Haus ist auch, dass es in original kreolischen Farben gestrichen ist, gelb, rot, grün, blau. Das Irre war, dass spätere Besitzer das Haus komplett weiss gestrichen hatten (war wohl so Mode) und später, als die Plantage zum Museum wurde, hat man unter der weissen Farbe die original Farbe gefunden und durch Farbanalysen den Hersteller herausgefunden, der heute noch genau diese Farbnuancen herstellt. Krass, oder?

Was leider etwas schade ist, dass das Plantagenhaus mit den Jahren kleiner wurde. 2004 wurde ein Teil in den Flammen verschlungen (Kurzschluss), den anderen Hausflügel hat einer der letzten Besitzer, der mit seinem Bruder im Klinsch lag, aus Trotz abgerissen. Einfach mal so. Nun gut. Andere hätten ihren Bruder gegen das Schienbein getreten, aber der macht das mal so. Ok. Egal. Noch viel interessanter war die krasse Familiengeschichte. Also erstmal zum Namen: Laura Plantation heisst so, weil eine Nachfahrin der Erbauer der Plantage ihre Memoiren aufgeschrieben hat. Ihre Urgrosseltern hatten die Plantage gebaut, damals mit 17 Sklaven, die Uroma war gut im Geschäfte machen, der eine Grossonkel auch, so dass die Plantage in ihren Hochzeiten an die 300 Sklaven hatte.

Laura Plantage – Das Grundstück ging bis zum Horizont

Die Plantage wurde von Generation an Generation weitergegeben und nur im Winter zur Erntezeit bewohnt, denn sonst lebte man in einem schicken Stadthaus in New Orleans wegen Mardi Gras (Karneval und so). In der 3. Generation war Lauras Vater Emile an der Reihe, der hat aber erst mal Amerikanisches Recht studiert und wollte gar kein Plantagenbesitzer werden. Emile durfte seinen Wahlberuf auch praktizieren, aber er hat sich aber nach seiner Grand Tour durch Europa eines Besseren besonnen, seine Cousine geheiratet und die Plantage übernommen. Sehr zum Ärger seiner Schwester, die bis dahin dachte, dass sie das alles erbt, damit sie die Plantage verscherbeln und mit dem Geld und ihren Kindern nach Frankreich abdampfen kann. War aber nix. Emile wollte die Plantage seiner Tochter Laura vermachen, die hat sich eher für Amerikanische Geschichte interessiert, das durfte sie auch studieren. Trotzdem musste sie nach dem Tod des Vaters mal kurz an die Plantagenfront. Es lag ihr nicht so, und was machtse? – verkauft alles, wirklich alles: Grund, Boden, Haus mit samt der Einrichtung und den Sklaven. Achja, vorher hatse sie noch ihr Buch geschrieben. Aber irgendwas hat sie richtig gemacht: Die gute Frau wurde 102 Jahre alt und hat von die Ära Abraham Lincoln bis John F. Kennedy erlebt. 

Bilder von Laura

Wie gesagt, die Plantage selbst war eine Zuckerplantage (war da unten in Louisiana sehr beliebt) und davon eine der grössten Plantagen da am Mississippi. Nach dem Bürgerkrieg kamen viele Sklaven zurück, in der Hoffnung auf einen Job. Und die Laura-Plantagen stellte da ein paar von ein. Ein Sklave, der auf dem Zuckerrohrfeld arbeitete, so 14 Stunden, 7 Tage die Woche, zur Erntezeit im Winter, hat das im Schnitt ca. 10 Jahre mitgemacht. Gewohnt hat er in einer 5-6er WG in einer kleinen Holzhütte, die bis zu 3 Meilen vom Herrenhaus entfernt stand. Die Haussklaven hatten es da etwas besser, weil sie im Herrenhaus waren, gut gekleidet, entlohnt und verpflegt. Die Jobs wurden erst nach Fähigkeiten vergeben, war aber ein Sklave einmal auf dem Feld oder im Haus, so wurde sein Job an die nächste Generation weitergeben. Jobwechsel war also nicht drin, ausser man hatte grosses Glück und besondere Geschicklichkeiten. Leider gab es keine Gruselgeschichten zur erzählen, auch wenn unser Tourguide meinte, sie soll bei so Fragen „nein“ sagen. Irgendwas war da aber dran. Sonst war es auf der Plantage nix los. Sklavenaufstände gab es auch nicht, auch wenn auf der anderen Seite des Flusses wohl mal ne Rebellion stattfand. Unser Guide meinte, die Sklaven seien zu verängstigt gewesen, um was eigenes zu starten. Es gab wohl die üblichen Bestrafungen (Sachen wegnehmen, Einsperren oder Brandmarken). Nun gut, Laura hat die Plantage an Deutsche verkauft, die wohl ganz gut im Zuckerrohrgeschäft waren. Diese Deutschen haben aber die Plantage komplett umlackiert, und halt auch den einen Flügel abgerissen…näheres haben wir aber nicht erfahren. Bei der Restauration wurden die Farben unter der weissen Schicht wiederentdeckt und alles im Ursprung lackiert. Diese Tour hat sich sehr gelohnt, zumal unser Guide wirklich alle Fragen beantworten konnte, ok, sie war angehende Lehrerin, da muss sie sozusagen auf so was vorbereitet sein. Für mich war es wir eine kleine, wunderbare Zeitreise in die Vergangenheit, von der ich höchstens mal ansatzweise  in Margaret Mitchells „Vom Winde verweht“ gelesen hab. Ich fand es super, Lukas so semi, weil die olle Laura halt nüscht mit der Plantage zu tun haben wollte, die nun ihren Namen trägt und Touristen noch und nöcher anlockt.

 

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