Über den Wolken auf Maui und direkt am Meer

Mit dem morgendlichen Kaffee im To-Go-Becher ging es in Richtung Wolken. An dem Morgen war es regnerisch, ja gut, es goss leicht… aber in Abständen! Unser erstes Ziel war Mauis schlafender Vulkan, Haleakala, der über 3000 m hoch ist und von dem man eine wunderbare Aussicht auf die Insel haben soll. Ja, gut, bringt halt nicht viel, wenn es im Tal bzw. am Meer regnet und die Wolken die Aussicht verdecken. Aber war uns wurscht, denn wir dachten, dass über den Wolken nur die Sonne scheinen kann. 

Sobald wir Kahului verlassen hatten, liess der Regen nach und die Sonne kämpfte sich vereinzelt durch die grauen Wolken. 

Auf dem Weg in die Berge ergab sich ein wunderschönes Bild aus den Lichtflecken der Sonnen auf den hellgrünen Wiesen und dunkelgrünen Bergen, die von den Wolken umhüllt waren. So schraubte sich die kurvige Strasse, die durch Eukalyptushaine führte, nach oben und die grüne Wiesen mit den Sträuchern links und rechts der Strasse erinnerten leicht an die Lenzerheide – halt nur ohne Alpen.

Aber wie von uns vorher geahnt, waren wir schnell über den Wolken und die Sonne strahlte am blauen Himmel über die grüne Heide, auf der vereinzelt Kühe grasten. Teilweise konnten wir auf die Weite unter uns gucken und der Ausblick ist einfach genial. Aber auch der Blick nach oben hin zum mächtigen Vulkan war nicht zu beachten. Das ganze Bild war echt Wahnsinn.

Nach ein paar Serpentinen, die echt Pillepalle im Vergleich zur Road to Hana sind, waren wir auch schon am Eingang des National Parks (Eintritt $25, gültig 3 Tage für alle Nationalparks auf Maui, bezahlbar nur mit Kreditkarte) und von da ging es noch kurviger in Richtung Bergspitze. 

Hier oben gilt es ein paar Dinge zu beachten, die man wissen sollte, bevor man da 90 min rauffährt:

  • Der Vulkan ist für die Hawaiianer ein heiliger Ort, daher sollte er auch als solcher von den Besuchern betrachtet werden, kurz: Fauna und Flora sind zu schützen und mit Respekt zu behandeln (kürzer: Nichts darf beschädigt oder mitgenommen werden.)
  • Die Luft wird dünner auf 3000 m und kann zu Kreislaufproblemen führen
  • Dick in mehreren Klamottenschichten einpacken, da oben wird es scheisse kalt 
  • Und das Wichtigste: das hawaiianische Wappentier, die Nēnē, eine Gans, die nicht an- oder überfahren werden darf, das Tier hat immer Vorfahrt. 

Je weiter wir hoch gekommen sind, desto dunkler und karger wurde die Landschaft. So ungefähr stell ich mir Mars vor. Das heisst es gibt graphitgraue Felsen auf schwarzbraunen Feldern, die durch die busch- oder kakteenartigen Pflanzen ein Hauch von Grün erhalten. Ebenso haben wir viele von den Silberschwert-Pflanzen gesehen, die silbrig-grün in der Sonne glänzen. Leider hat bei unserem Besuch keine der Silberschwert-Pflanzen geblüht. Das tun die nur einmal in ihrem 50-jährigen Pflanzenleben, und dann gibt es halt eine ca. 1 Meter hohe Blütenkerze. Sobald die abgeblüht ist, knickt sie wie ein hohler Holzstamm ab und die vertrockneten „Leichen“ haben wir haufenweise gesehen.

Und natürlich gab es immer wieder eine wunderbare Aussicht nach unten auf die Wolkendecke und das Meer. Aber als wir ganz oben am Parkplatz auf der Spitze angehalten haben und dann noch ein paar Meter gelaufen sind, waren wir völlig von den Socken: Die Aussicht von hier oben auf dem Gipfel über 3000 m / 10.000 Fuss ist der Hammer, trotz Wolken unter uns. Im Westen war es sonnig und wir konnten die Küste sehen. Im Osten thronte Big Island am Horizont über der sanften Wolkendecke. Einfach zauberhaft. Zudem gab auf dem Gipfel des Haleakala noch ein Observatorium der US Army, aber da war und ist Zugang nur für Eingeweihte. Egal, in welche Richtung: Der Ausblick war einfach traumhaft, trotz des frischen Windes da oben. Da war es sicher nicht wärmer als 10°C, in der Sonne. Wer noch was für sein Wissen tun möchte, kann sich auf den vielen Infotafeln zu Aussicht, Fauna und Flora sowie Entstehung des Vulkans schlau machen. 

Ein Highlight auf dem schlafenden Vulkan hatten wir noch auf der Fahrt nach unten. Am Kalahaku Overlook (der nur auf der Abfahrt erreichbar ist) gab es einen fantastischen Blick in eine Wüstenlandschaft wie auf einem anderen Planeten. Das Tollste waren die Farben von den Felsen und dem Geröll in den verschiedensten Brauntönen: dunkelbaun, rotbraun, grau, graugrün, fast schwarz. Dazu das Weiss der Wolken, und dann die gespenstische Stille. Es war da einfach nur ruhig, kein einziger Mucks war zu hören, bis sich einer der Touristen bewegt hat oder quatschen musste. Es war eine wunderbar herrliche und friedliche Ruhe, die einfach die Traumaussicht untermalte.

Wir sind dann langsam wieder runter gefahren und haben nochmals am Visitor Center am Eingang gehalten (Pipipause und Wasserauffüllen). Und dort haben tatsächlich eine Nēnē-Gans gesehen, die sich langsam zwei Parkbesuchern beim Picknick näherte. Ich glaub, sie hatte Hunger. Und diese Gans strahlt eine wunderschöne Eleganz aus, auch wenn sie leicht verfressen wirkte. 

Unten im Tal angekommen, goss es in Strömen. So richtig. Wir haben noch einen kurzen Umweg durch Kula und Makawao gedreht, in der Hoffnung, dass es besser wird. Nein, wurde es nicht. In Makawao, das einer kleinen Westernstadt gleicht, haben wir noch im Stau gesteckt, weil Eltern ihre Kinder von der Schule abgeholt haben.

Also sind wir gen Westen gefahren, dahin, wo vom Haleakala aus keine Wolken zu sehen waren. Ok, eigentlich sind wir an die Westküste gefahren, weil da unser Endziel des Tages lag: die ehemalige Walfanghochburg und hawaiianische Hauptstadt Lahaina. 

Sobald der Highway 360 auf den Highway 30 führt, waren wir wieder am Fusse der grünen Bergkette mit ihren runden Gipfeln, die sich hinter Kahului hochzieht, nur dieses Mal waren wir dahinter. Vor den Bergen zogen sich die wilden Wiesen entlang. 

Hinter dem Maui Ocean Center haben wir das dunkelblaue Meer wieder sehen können. Als der Highway 30 seine Rechtskurve von Süden nach Westen machte, kamen wir am Papawai Point, vorbei, der ziemlich am Südzipfel der Osthälfte Mauis ist und haben da einen kurzen Ausguck-Stopp gemacht. Der Ausblick auf die Südseite Mauis und die Nachbarinseln Lanai und Kahoolawe mit dem Wind im Haar und dem Blick auf das tiefblaue Wasser war einfach super. Dazu die Sonne und noch viel schöner: Wale! Ein paar schwammen in der Bucht die Küste entlang. Yeah! Die Westküste von Maui ist ein beliebtes Domizil für Buckelwale, die hier auch kalben. Wir haben zig Fontänen und ein paar dicke Platscher am Horizont gesehen, und ein paar Buckel. Ick hab mir gefreut wie ein Kleinkind auf Zucker. 

Danach sind wir die Küstenstrasse durch das felsige Grün entlang gekurvt, oberhalb des glitzernden azurblauen Meers links, und unterhalb der grünen Berghänge rechts, auf denen die Sonne lustige Wolkenschatten zauberte. In Lahaina angekommen, haben wir als erstes in unserem Hotel, dem Ocean’s Edge, eingecheckt. Von der Strasse her wirkt es völlig unscheinbar, nur ein kleines Schild mit dem Namen und der Parkplatz davor verweisen auf die Unterkunft. Aber als wir durch den schmalen Gang in den u-förmigen Hof des zweistöckigen hellblauen Gebäudes kamen, öffnete sich vor uns eine wahrlich

traumhafte Aussicht aufs Meer. Das Hotel liegt direkt am Wasser (leider ohne Strandzugang), aber mit einem atemberaubenden Blick auf Bucht und die nächsten Inseln Lanai und Molokai. Diese Bucht war zu unserer Besuchszeit im Februar ein einziges Waltummelbecken, in dem man auch auch Schildkröten und Krabben beobachten kann. Aber selbst ohne Wale und Schildkröten lohnte es sich, die Terrasse zu nutzen. Nirgends hab ich so fantastische Sonnenuntergänge gesehen. Wirklich der Hammer. 

An unserem ersten Abend haben wir uns erst mal die LahainaAltstadt angesehen. Die Chefin vom Hotel hat uns erzählt, dass sie alles in der Stadt abläuft. Also sind wir auch zu Fuss ins historische Zentrum. Das Stadtzentrum der alten Walfanghochburg erinnerte mich an einen Western mit seinen bunten, kleinen Holzhäuschen, mit Holzschildern, die die Läden anpreisen, einige Lokale direkt am Meer, andere mit Veranda und Blick auf das Meer. Die ältesten historische Gebäude waren aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (genauer gesagt von 1834, quasi steinalt für US-Verhältnisse). Mir hat das Zentrum von Lahaina echt wunderbar gefallen, schön ist auch der riesige Baum am anderen Ende der Altstadt, dessen Äste sich weit verwinkelt über einen grossen Platz rankten und wieder am Boden verankerten. So wurde der Platz von hölzernen Säulen und einem dichten Blätterdach überdeckt und wirkte wie aus dem Märchen. Die bunte Altstadt verzauberte mich auf jeden Fall mit ihrem schnuckeligen Charme, den echt entspannten Menschen und den verwinkelten Läden und Lokale, die zum Bummeln und Geniessen einluden. Echt cool.

Wir haben uns als Aperitif noch ein richtiges, voll lecker Gelato, zu Schweizer Preisen, dafür mit leuchtend rosa-orange-rotem Sonnenuntergang und lila Wölkchen. 

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