Venlo

Hollandrunde Nr. 3 letztes Jahr. Pünktlich zu unserem Nationalfeiertag ging es wieder mit einer Fuhre Mädels über die Grenze – dieses Mal nach Venlo, wo wir Weiber irgendwie jedes Jahr um diese Zeit landen. Auch wenn Roermond erst wenige Wochen her war, war es doch so langsam wieder eine kleine Auszeit an der Reihe, mit etwas Shopping und Auslandsluft Schnuppern.

Der übliche Wochenendstau in der Stadt (Rechnet mit ner halben Stunde Fahrzeit mehr.) auf dem Weg zu unserem Lieblingsparkplatz (in dem ruhigen Wohngebiet auf der anderen Seite der Maas, einmal über die Brücke und dann links und dann gleich rechts) konnte unsere Vorfreude auf das Städtchen nicht trüben. Denn das Wetter war perfekt: frühlingshaft mild und sonnig. Auf dem Weg ins Zentrum sind wir an einer bunt gefleckten Blumenwiese vorbei gelaufen sind, die eher an Sommer als an das Ende des Jahres erinnerte. Ein Urlaubsfeeling kam auf, so als würde man eine Reise in eine weite Ferne machen. Am Flussufer grasten schwarze Rinder in aller Seelenruhe und ließen sich weder von den Fahrradfahrern noch dem Verkehr auf der Brücke stören.

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Hat man die Brücke gen Stadt überquert, führt links eine Stahltreppe zur Maas hinunter, dann geht man nur noch unter der Eisenbahnbrücke durch und schon blickt man auf den kleinen Yachthafen mit angrenzenden Terrassen und einer grünen Wiese. Das befindet sich alles unterhalb der ersten Läden, quasi „links“ vom Zentrum. Hier entspannen junge Leute, Familien und Freunde in der Sonne beim Grillen, Picknick oder Handymucke.

kleiner Yachthafen

Wir sind daran erst mal vorbei und gleich mitten ins Getümmel der letzten Shoppingstunden. Neben dem Yachthafen beginnt die Einkaufszone, die an einem Carré mit den ersten dunkelbraunen Klinkerbauten mit den typischen weiß gerahmten Fenstern anfängt. An dem Platz gibt es reihum Cafés und Restaurants mit Straßensitzen, um die brennenden Füße vom Bummeln zu erholen, um auf die Kaufsüchtigen zu warten oder um sie zu beobachten. Aber wir hatten es – wie immer – nur auf zwei Läden abgesehen, nämlich dem HEMA (All-in-Kaufhaus; schöne Sachen für alle Lebensbereiche, aber günstig) und dem Albert Heijn (lecker Supermarkt). So langsam frage ich mich, warum es so was nicht bei uns gibt. Aber vielleicht ist es auch besser so, denn sonst könnte ich nicht immer dem Alltag entfliehen und ein Stückchen Urlaub in der Fremde genießen.

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Wir haben dieses Carré hinter uns gelassen und sind zügig in die angrenzenden Straßen gelaufen. Das Carré ist nur der Anfang, denn die Einkaufszone zieht sich durch die ganze Altstadt. Überall reihen sich wieder die alten mehrstöckigen Häuser aneinander in allerlei Größen und Farben: mit Schiebefenstern und üppig blühenden Blumenkästen davor, mit weißen Fensterrahmen und Fensterläden, mit Klinker und ohne, in schmal und breit, mit Erkern, mit Verzierungen von um 1900, mit kleinen Gaupen auf den hohen Ziegeldächern. Dazwischen stehen altertümliche, gusseiserne Laternen mit rosa blühenden Geranienampeln und mutige junge Menschen, die mit ihren Hollandrädern über das Kopfsteinpflaster rattern, manchmal so schnell, dass die Klingel klappert. Ab und zu sieht man auch eine scheinbar endlose Reihe abgestellter Fahrräder, die brav auf ihre Besitzer warteten.

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Trotz des Trubels der vielen Touristen, Besucher und Shoppingliebhaber auf den Straßen hat Venlo einen besonderen Charme, der etwas Gemütliches, Entspanntes und Freundliches hat. Vielleicht sind es gerade die vielen Klinkerhäuser mit den weißen Fenstern und die blühenden Straßenlaternen, die Venlos Niedlichkeit ausmachen.

Wem das aber immer noch zu viel Gewusel ist, der braucht einfach nur in eine der schmalen Seitengassen gehen, die die größeren Einkaufsstraßen miteinander verbinden. Manche – wie wir – nutzen die Gässchen auch als Abkürzungen, andere finden hier ein stilles Örtchen, einen Ruhepol. Es scheint fast so, als würde Venlo in den Seitengassen friedlich schlafen, weil hier wirklich nichts, auch ganz und gar nichts los ist. Wer genau hinschaut, findet auch die ein oder andere Malerei oder ein verstecktes Café oder Pub.

Seitenstraße

Durch die Abkürzung sind wir schnell beim HEMA-Laden rausgekommen und dort hieß es erst mal aufteilen und jede hat ihre Einkaufsliste zusammen gesucht, die sie sich gemacht hatte. Nur leider waren an dem Tag anscheinend ein paar andere Nasen auf die gleiche Idee gekommen, denn viele Sachen waren einfach schon weg. Beim zweiten Suchdurchgang fiel auf, dass der Laden dann doch eher einem Schlachtfeld glich, weil vieles durcheinander bzw. manche Regale leer waren. Nun gut, machste nichts, außer dir einen Frustsnack kaufen – in dem Fall eine Art Knäckebrot mit getrockneten Waldbeeren und weißer Schoki drüber – und den dann essen, während du noch auf die letzte Freundin wartest, bis sie ihre Einkäufe erledigt hat. In der Wartezeit haben wir restlichen Mädels uns eine ruhige Ecke gesucht und die anderen Shoppingwütigen beobachtet. Naja, das hatte schon was von Fern-Sehen. Sehr unterhaltsam, was einem da über den Bildschirm läuft.

Schließlich waren die HEMA-Einkäufe erledigt und es ging in unser Lieblingscafé Milk and Cookies in der Parade(straße). Das ist ein kleiner, schmaler Laden im Vintage-Look, der neben diversen leckeren Heißgetränken (ich sag nur „Koffie crimineel“) auch megageile Cookies mit fetten Schoki-Stücken anbietet. Die haben auch Scones, Cheesecake, Muffins und andere Leckereien, auch für den herzhaften Gaumen wird gesorgt. Allerdings nur bis 17.30 Uhr. Das haben wir dann auch zum ersten Mal gemerkt, weil wir dieses Mal nur eine halbe Stunde Zeit hatten. Aber war superlecker wie immer.

Milk and Cookies

Danach sind wir noch etwas durch die Gassen geschlendert. Die Einkaufsbummler wurden weniger, weil die Läden langsam schließen. Und sobald die Sonne unterging, verschwanden dann auch die letzten Besucher von den Straßen. Wahrscheinlich sind die in die Kneipen gegangen, die sich am Rand des Marktplatzes entlang reihen, gegenüber des stattlichen Rathauses im Klinkerstil aus dem 16. Jahrhundert. Mit seiner hellen zweiseitigen Treppe und den beiden sechseckigen Zwiebeltürmen (die mich etwas an Salz- und Pfefferstreuer erinnern) wirkt es wie ein imposantes Schlösschen inmitten der Stadt. Auch wenn die Kneipen und Restaurants hier noch so einladend aussehen, würde ich doch vorher mal lieber einen Blick auf die aushängenden Speisekarten werfen. Hier sammeln sich Touristen regelrecht wie Fliegen in der Venusfalle. Aber wem die Aussicht so gut gefällt, der findet hier bestimmt ein passendes Plätzchen.

Rathaus

Wir sind dann weiter an den letzten Läden am Carré vorbei, wieder zum Yachthafen, nur dieses Mal von der anderen Seite über die gläserne Brücke. Von hier hat man einen fast ländlich-idyllischen Blick auf die Maas und auf den Yachthafen. Der kleine Park hat selbst am späten Abend im Sonnenuntergang noch viele Besucher angezogen, vor allem Einheimische. Vielleicht wollten die Besucher auch nur noch nicht nach Hause gehen und ein bisschen die Idylle, Ruhe und das sonnige Ende des warmen Tages genießen. Wir sind auf dem Quai bis zur Brücke entlang geschlendert, auf der anderen Flussseite grasten immer noch die schwarzen Rinder, völlig tiefenentspannt.

Maas

Unser letzter Stopp galt wieder dem Albert Heijn, der sich in einer Parallelstraße zur Hauptstraße in Richtung Autobahn befindet. Hier haben wir alles Notwendige fürs Abendessen (es gab Hamburger 🙂 ) und für sonst so gekauft…. ich kaufe immer das gleiche, egal ob in Maastricht oder Roermond. In unseren deutschen Supermärkten gibt es leider nicht so tolle leckere Sachen wie dort. Worüber ich mich immer wieder begeistert wundere, ist das Regal mit Schokostreuseln in allen Farben und Formen, die sich die Holländer aufs Toast streuen. Ja, genau, wie Marmelade oder so. Voll freaky! Oder auch die Auswahl an Lakritze (auch wenn ich das Zeug nicht mag, aber die Auswahl huuuuiii, die ist groß), an Chipsgeschmacksrichtungen (erinnern mich an Großbritannien), an Mädchenbiersorten oder Vla-Sorten (das fängt beim stinknormalen Vanille-Vla an und geht über Schokokügelchen und Stracciatella hin zum Double-Vla mit Schoki- oder Erdbeer-Vla, und dann gibt’s da noch n paar Kombinationen).

Es ist hier schon ein kleines Traumland und geh gern hier einkaufen. Hier fühle ich mich genauso wie ein Touri in der Fremde, genauso wie wenn ich durch die gepflegten Kopfsteinpflastergassen mit den gusseisernen Blumenlaternen laufe, vorbei an den Klinkerhäuschen mit den weißen Fenstern. So ein Besuch im holländischen Supermarkt ist für mich ebenso eine Reise in die Ferne. Es gehört zu meinem Tapetenwechsel, zu meinem Urlaubsfeeling… auch wenn es nur ein Tag ist.

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Aber schön war’s wieder, liebes Venlo. Bis dieses Jahr dann.

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