Wakulla Springs & Apalachicola

Auf unserer Weiterreise zu dem Ort dem coolsten Namen überhaupt hatten wir echt Glück mit dem Wetter, in Tallahassee hatten wir kein Regen – erst mal. Unsere Strasse führte durch weite Kiefernwälder und grüne Wiesen gen Süden und Meer. Unser Zwischenstopp des Tages hiess Wakulla Springs, einer der tiefsten Quellen Amerikas, die absolut glasklares Wasser hat. Es war so ähnlich klar wie in Homossa Springs, nur für uns gefühlt noch klarer.

Die Quelle scheint ein dunkelblauer, glasklarer See, der in ein Flussnetzwerk überging, das von grünem Schilf und urigen Mangrovenwäldern und anderen Bäumen, die bis ans Wasser reichen, umrandet war. Am Ufer, das die Besucher betreten durften, war ein kleiner Badestrand, der wirklich zum Planschen einlud. Leuts, das Wasser ist so verdammt klar, dass man meterweit auf den Grund schauen kann. Auf der dunkelblauen Oberfläche spiegelten sich die schneeweissen Wolken und der saftig grüne Waldrand 1:1 – einfach zauberhaft.

An dem kleinen Sandstrand kann man sich in der Sonne rösten und in der angenehm kühlen Quelle auch baden. Im See gibt es Badeinseln und einen Sprungturm. Ebenso werden Glasbodenboottouren durch die Flüsse angeboten.

Leider hatten wir da dann doch etwas Pech mit dem Wetter. Kaum waren wir an dem kleinen Strand, braute sich ein Gewitter zusammen, die Baderegion wurde gesperrt, ebenso gab es wegen der Gewittergefahr auch keine Bootstouren mehr, die Wolken bauschten sich immer höher und grösser und dunkler auf. Das Brummeln des Donners kam immer näher, und gerade als wir den Tree Trail (Baumweg) loslaufen wollten, hab ich gesagt, Nö, lass ma warten. Und das war auch gut so. Keine 5 min später goss und donnerte es heftig über unserem Autodach. Wir haben das Unwetter im Auto ausgesessen, und dabei beobachtet, wie die Sheriffs auf der Wiese vor uns das BBQ für das Sheriff-Sommerfest gerettet haben. 

Danach ging es nochmals in die Luxus-Lodge von 1937, nur zum Gucken. Aber Wow! Hier gab es eine grosse Eingangshalle mit Sitzrondell, Lounge und einer bunt bemalten, sehr mächtigen Holzdecke. Aber viel interessanter war „Old Joe“, der in der Ecke die Leute angrinste. Old Joe ist ein ausgestopfter Alligator. Der ca. 3,40 m lange 300 Kilo-Klotz lebte in den 1960ern friedlich in der Quelle neben den Besuchern von Wakulla Springs und hat keiner Fliege was zu leide getan. Ok, einer Fliegen vielleicht schon, aber keinem Menschen. Trotzdem wurde Old Joe von nem Idioten 1966 erschossen und man hat trotz ausgeschriebener Belohnung den Mörder nie finden können. Seitdem steht Joe im Glaskasten in der Eingangshalle der Wakulla Springs Lodge. Voll herausgeputzt mit seiner ganzen Historie. Und da ich mich nicht getraut habe, ein Foto zu machen, gibbet hier das Fotos.

Was man neben Old Joe ebenfalls sehenswert war und ist, ist der Touri-Laden (Gift Shop), der allerlei Plunder, aber auch Kaffee, Getränke und Süsses anbietet. In dem Laden gibt es Amerikas längste Mamortheke. Und die ist echt lang, so lang, dass sie nicht auf ein Bild passte. Aber die Lodge hatte immer noch ihr Flair und Charme der glamourösen 30er, und auch heute noch kann man diese Atmosphäre geniessen und zum Beispiel in dem dekadenten Restaurant essen gehen. 

Wir sind dann liebe eine Runde den Tree Trail, den Baumwanderweg, in den Wald hinein gegangen. Nur irgendwie die kleine Runde „bis zur Brücke“ eher zu einer Mückenplage, die Tierchen wurden recht anhänglich (also nicht mehr mir… 😉 ), denn nach dem Gewitter war die Luft schwülfeucht, so dass wir nach 15 min wieder umgekehrt sind. Ja, wir waren bis zur „Brücke“ gelaufen, die sich aber als Steg über einen kleinen Sumpfwald ohne Aussicht auf die Quelle herausstellte. War super. Egal.

Unser Roadtrip führte und weiter gen Süden, den Scenic Bend Highway entlang, zurück ans Meer. Endlich habe ich wieder das Meer gesehen, das teils nur wenige Meter von der Strasse entfernt war. Man konnte es durch die Stelzen, auf denen die Häuser gebaut waren, ziemlich gut sehen.

Irgendwann haben wir an einem Parkplatz direkt am Meer angehalten und ich bin raschen Schrittes, ohne auf Lukas zu warten, mit einem Lächeln und einer Ungeduld, die man hat, wenn man sich auf etwas freut, was so nah ist, über die kleine Düne gerannt. Und da war es wieder. Mir hat das rauschende Blau echt gefehlt, das Gefühl der Weite, Freiheit, der Ruhe und Wildheit, das Gefühl des Windes auf der Haut und in den Haaren, des Salzgeruchs, der in der Luft lag, das Knirschen des Sandes unter den Schuhen, das feuchte Nass der Wellen, die den Sand in halbrunden Wogen dunkel färbte, über uns die Sonne und Möwen. Um uns herum ein menschenleerer Strand, am Horizont ein paar Regenwolken. Einfach nur herrlich, so vertraut. So so schön. Ein wunderbares Happy Feeling, das noch die nächsten Tage andauerte.

Schliesslich sind wir am späten Nachmittag über eine Brücke in die kleine Hafenstadt Apalachicola gekommen, der Ort mit dem coolsten Namen auf unserer Reise. Leuts, hier ist die Welt noch in Ordnung. Es gibt einen kleinen Fischerhafen, an dem sich die kleinen Boote mit ihren Netzen reihen – das ist das Zentrum, mit so drei Strassen, die sehr sehr breit sind, so wie man sie aus den amerikanischen Filmen kennt.

Diese breiten Strassen, an denen sich mächtige Eichen mit Spanischem Moos reihen, ziehen sich auch durch das restliche Städtchen mit seinen rustikalen Holzhäusern. Hier war alles sehr gepflegt, naja fast alles, aber dazu später. Die Einfamilienhäuser gleichen kleinen Villen, alle in der Mitte des grünen Rasens platziert, der teils von einem weissen Gartenzaun umrandet war. Die historischen Häuschen mit ihren markant verzierten Terrassen und Balkonen waren fein hergerichtet, so wie es sich in einer ordentlichen Nachbarschaft gehört. 

Schnell hatten wir unser historisches knallgelbes Hotel Coombs Inn and Suites gefunden. Dieses Hotel stammte aus dem späten 19. Jahrhundert und wurde liebevoll mit Antiquitäten aus um 1900 eingerichtet.

Beeindruckend war die in dunklem Holz gehaltene Eingangshalle, in der eine gemütliche Sitzecke à la Bougeoisie américaine zum Verweilen einlud und von der eine prächtige Treppe nach oben führte. Wir ham schnell eingecheckt (leider war die Dame nur zu den anderen amerikanischen Gästen sehr freundlich, bei uns etwas pampig), dafür war unser Zimmer einfach wunderschön und liebevoll bis ins Detail eingerichtet. Ich kam mir leicht vor wie im Museum, alles so schick und edel und trotzdem zum Anfassen. Vor allem unser Bett war sehr sehr bequem und hach, es war einfach nur urgemütlich und wie bei Oma. Lukas fand die selbst gebackenen Cookies (bis 17.00 Uhr) super lecker. Wir haben uns sofort wohl gefühlt.

Weil sich aber am Himmel so langsam ein paar graue Wolken versammelten, haben wir uns noch einen abendlichen Spaziergang durch das Städtchen gegönnt, zum Abendessen gehen und so. Erst mal waren wir gegenüber auf den historischen Friedhof, der noch herunter gekommener war als der in Tallahassee, einfach noch n Ticken rustikaler, schiefer, kaputter. Ich glaub, der  wird nicht mehr allzu sehr gepflegt. Gruselalarm für Halloween gab es auf jeden Fall.

Wir sind dann runter zum „Zentrum“ geschlendert, vorbei an den historischen Gebäuden, die immer anhand der schwarzen Infotafeln mit viel Text zu erkennen sind, runter bis zum Hafen, wo sich ein Pelikan abendfein geputzt hat. Man fiel als fotografierender Tourist doch etwas auf… denn auf den Strassen war nix mehr los und die Boote dümpelten seelenruhig und leer im Hafenbecken.

Unser Abendspaziergng führte durch die 2 3 Strassen des „Zentrums“ und anschliessend sind wir der Empfehlung aus der Dame vom Hotel gefolgt: „Up the Creek“. Das sollte ein Seafood Restaurant. Wir ham fast gedacht, da kommt nix mehr, aber genau dann haben wir das grosse Holzbretterbüdchen gefühlt fast ausserhalb der Stadt entdeckt.

Da gab es einen Lift direkt in die Kneipe oder einen gemütlichen Treppenaufgang auf die Terrasse mit Hafen und traumhaftem Blick auf die Seevogeleinflugschneise. Bestellt wurde an der Bar (Perso mitnehmen, die kontrollieren) und während wir auf unser Essen gewartet haben, haben wir die Aussicht genossen. So so toll, einfach gechillt, hier und da ne Möwe oder ein, zwei Pelikane, das gelbe Seegras, die blauen Wasserschneisen und der graubauschige Himmel. Das Essen war super: frische Crab Cakes (Krabbenfrikadellen) und Seafood Gumbo (scharf gewürzter Meeresfrüchteeintopf mit Fleisch und Chorizo).

Noch beliebter bei den anderen Gästen waren aber die frischen Austern, die sogar mit Rotwein oder gar Ketchup genossen wurden… bäh. Dann mal lieber nochmal Ausblick geniessen.

Nach unserem Mahl sind wir gemütlich zu unserem gemütlichen Hotel zurück, um dann auf der Terrasse und im Wohnzimmer mit Lesen und Bloggen abzugammeln. Einfach megaentspannt.

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