Sonnenaufgang auf dem Haleakala

Also: Mein Freund hatte mal wieder eine die Idee. Dieses Mal war es doch noch nach Reservierungstickets für den Sonnenaufgang auf dem Vulkan Haleakala zu schauen. Darauf kam er zufällig, als ich am Steuer und er auf dem Beifahrersitz sassen und wir auf dem Rückweg ins Hotel waren. Eigentlich hatten wir das nach dem ersten Besuch drei Tage zuvor abgehackt. Eigentlich. Denn es gab noch Reservierungstickets. 3 Stück. Das sind die Resttickets, der 80 verfügbaren, die um 16.00 Uhr zwei Tage vorher nochmals angeboten werden. Er hat sich auf der Website des National State Parks angemeldet und mit Kreditkarte die $1 Reservierungsgebühr bezahlt. Zack, so einfach geht das mit dem „Schatz, wir gehen Sonnenaufgang auf dem Vulkan angucken.“ 

Ehrlich gesagt, muss ich zugeben, dass er das gut gemacht hat. Einfach zu buchen. So zack, aus die Maus. Auch wenn ich Lahaina und dem Frühstückskaffee mit Blick auf die Walbucht früher Lebewohl sagen musste als mir lieb war. Also sind wir mitten in der Nacht, als die Sterne noch über den Palmen und schwarzsilbrigen Meer am klaren Firmament strahlten, los gefahren. Aber wenn ihr jetzt denkt, dass es um halb 5 Uhr morgens ruhig auf den Strassen Mauis ist, dann Pustekuchen – da war echt so was wie Berufsverkehr von Lahaina bis zur Abzweigung in den Nationalpark. Wir sind die dunklen Kurven bis zum Parkeingang hochschraubt, hinter uns eine kleine Kolonne von anderen Touris, die auch so bekloppt waren, in der früh auf’n Vulkan zu fahren. 

Am Parkeingang wird die Reservation mit einem Lichtbildausweis gecheckt, und man darf mit $25 Eintrittsgebühr dann passieren. Ohne die $1 Reservationsgebühr darf man vor um 7 Uhr nicht in den Park. Das steht ziemlich deutlich an mehreren Stellen auf der Strecke bis zum Eingang. 

Als wir weiter hoch gefahren sind, wurde es am Osthimmel langsam heller. Oben auf dem Parkplatz des zweiten Besucherzentrums unterhalb vom Krater angekommen, hätte man meinen können, da ist irgendwo ein Volksfest. Da war es rappelvoll und man sah die Besucher wie Tannenbäumchen nebeneinander aufgereiht gen Osten schauen. Als wir ausstiegen, waren wir schon auf eine eisige Kälte (4°C) eingestellt. Aber alter Falter!! Da oben zog es wie Hechtsuppe und es war einfach nur schweinekalt, ach, das ist noch untertrieben – gefühlt -10°C mit kleinen Eisnadeln. Als wir uns einen Platz an der Front zwischen schon wartenden Besuchern gesichert hatten, war es ca. 6.10 Uhr – noch ganz 29 bitterkalte Minuten bis zum offiziellen Sonnenaufgang. Um uns herum zitterten alle, einige hatten Handtücher oder Decken um sich gewickelt, andere ihre Bettdecken (kein Scheiss) mitgenommen. Wir waren nur in 2 T-Shirts, 2 Pullis, 1 Jacke, 1 Weste gehüllt, normale lange Hose gekleidet. Keine Handschuhe (blöder Fehler). Zum Fotos machen, mussten wir uns auf der Reling des Geländers vor uns abstützen, weil unsere Hände einfach so sehr gezittert haben vor Kälte. Lukas ist auf der Stelle gelaufen, ich hab mit den Beinen gewackelt, damit uns warm wird (wurde es nicht). Wenn wir nicht fotografiert haben, haben wir die Hände so tief es ging, in die Taschen gesteckt. 

Ob es sich gelohnt hat?! AUF JEDEN FALL! Leuts, das ist eine absolut phänomenale Aussicht da vor einem: Der dunkelblaue Nachthimmel mit Sichelmond weicht nach und nach der Morgenröthe – einem hellblauen Himmel, der langsam in gelb, dann ein zartes und immer kräftiger werdendes Orange übergeht. Vor uns lag ein kraterartiges Tal, in das mit jeder Minute mehr Licht kam und alles in einen sanften Rot-Ton hüllte. Das Meer haben wir nicht gesehen, dafür ein Meer aus bauschigen hellblauvioletten Wolken. Am rechten Horizont waren die Vulkane von Big Island schwebend in über dem Wolkenmeer zu sehen. 

Nach und nach wurde der Osthimmel hell-orangiger und erstrahlte in einem warmen Gelb. Hinter uns wurde es immer voller, eine Schülergruppe wurde auch in aller Herrgottsfrühe hier hoch gejagt. Um ca. 6.36 Uhr sah man einen grell strahlenden, orangenen Schimmer im Osten durch die lilablaue Wolke. Der Schimmer wurde immer grösser und runder, bis am Horizont sich ganz langsam die goldenstrahlende Sonne erhob. 

Mit den ersten Sonnenstrahlen schallerte die Schülergruppe in den reinsten Engesltönen hawaiianische Liedverse los. Ich hab mich kurz erschrocken, weil ich mit allem gerechnet hab, aber nicht mit einem hawaiianischen Schülerchor. Insgesamt hat der Gesang das Bild des goldenen Sonnenaufgang vervollständigt. Es war einfach traumhaft schön, wenn auch eiskalt. Sobald die Sonne das Gesicht berührte, musste man einfach lächeln, wir waren echt happy, dieses Naturwunder auf einem Vulkan in Hawaii auf knapp 3000 m erleben zu dürfen, auch wenn uns der Arsch vor Kälte fast abfiel. Als die Sonne ganz aufgegangen war, wurde sie von einem Parkranger mit einem kräftigen „Aloha!“ begrüsst und alle Besucher haben gejubelt. So schön.

Danach sind wir noch ganz auf die Spitze des Vulkans gefahren, um das erste Sonnenlicht des Tages einzufangen. Und das ist echt super gewesen. Wir haben bis auf die Westseite runterschauen können, der Osten war wieder unter der Bauschewolkendecke verdeckt. Das Sonnenlicht hat schon ein bisschen der Kälte genommen, und sich an dem Ausblick satt zu sehen, war schon schwer. Da oben war die Inselwelt unten im Tal wie verzaubert, ich fühlte mich etwas wie auf einem anderen Planeten.

Kurz: Ich kann so ein Sonnenaufgang-Erlebnis, insbesondere auf dem Haleakala auf Maui nur wärmsten empfehlen. Die Taubheit in den Gliedmassen geht mit der Heizung im Auto wieder vorüber. So nach 15 Minuten. Läuft also.

Gegen halb 8 Uhr morgens haben wir uns in das erleuchtete Tal rollen lassen und waren noch in einem kleinen Starbucks in Pukalani frühstücken. Das war echt gemütlich, denn in dem Minieinkaufscenter kannte jeder jeden und miteinander quatschte. Dies war echt wie auf’m Dorf, einfach sehr herzlich und nett. 

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